17.06.2019 Fit und gesund 4 minMinuten Lesedauer

«Der Darm ist tatsächlich ein unterschätztes Organ»

Robert Rosenberg, Chefarzt Chirurgie am Kantons­spital Baselland, über schlechte Ernährung, Krebs und die Psyche.

«Wir möchten die Bevölkerung aufklären und sensibilisieren»: Robert Rosenberg trainiert mit Assisten­zärztinnen die Hand­fertigkeit bei chirurgischen Eingriffen. Bild: Christian Keller

Nach 2015 führt das Kantonsspital Baselland (KSBL) an seinem Standort in Liestal erneut einen Informationstag zum Thema Darm durch – den Darmtag 2.0, der diesen Samstag, 22. Juni 2019, von 10 - 16 Uhr stattfindet.

So stehen an dem Tag der offenen Tür eine Reihe von Vorträgen auf dem Programm, bei denen es einerseits um die Ursachen und die Behandlung von Darmkrebs geht, andererseits aber auch ungewöhnliche Aspekte aufgegriffen werden – etwa die Frage, inwiefern Psyche und Darm miteinander zusammenhängen.

Vor dem Haupteingang des KSBL in Liestal wird zudem Europas grösstes Darmmodell aufgestellt. Es ist 20 Meter lang und soll Jung und Alt die Funktion des Darms und die Entstehung von Darmkrebs veranschaulichen.

Der Bevölkerung solle auf abwechslungsreiche Weise ein Organ vorgestellt werden, das häufig unterschätzt werde, erklärt Robert Rosenberg, Chefarzt Chiruirgie und Leiter des Darmkrebszentrums. Prime News hat ihn im Vorfeld des Informationstags in seinem Büro zum Interview getroffen.

Das KSBL schreibt auf seiner Website, dass der Darm zu den wichtigsten Organen gehöre, jedoch oft vernachlässigt oder kaum beachtet werde. Warum müssen wir uns mehr für den Darm interessieren?

Es handelt sich tatsächlich um ein unterschätztes Organ. Nehmen wir Fast Food als Beispiel für ungesunde Ernährung. Wer übermässig Hamburger und Pommes Frites konsumiert, schadet seiner Gesundheit – die Folgen können Allergien oder auch eine Darmerkrankung sein.

Bei Fast Food denke ich in erster Linie an Fettleibigkeit und nicht an den Darm.

Das ist natürlich so, aber Fast Food enthält eben Risikofaktoren wie einen hohen Anteil an rotem Fleisch, das Darmerkrankungen auslösen kann.

«Wir möchten der Bevölkerung aufzeigen, dass Darmkrebs in der Regel mit sehr guten Chancen heilbar ist.»

Robert Rosenberg, Leiter Darmkrebs­zentrum KSBL

Ist dies der Grund, weshalb Sie nach 2015 erneut einen Informationstag zum Darm durchführen: Um die Menschen mehr aufzuklären?

Ja, es geht um Aufklärung und Sensibilisierung. Im Kern gibt es zwei wichtige Themen, die wir am «Darmtag 2.0» vermitteln möchten. Das eine ist die Darmkrebs-Prävention. Viele Leute habe Angst vor einer Darmspiegelung. Dafür gibt es aber eigentlich keinen Grund. Die Untersuchung kann inzwischen sehr schonend durchgeführt werden. Etwas unangenehm ist einzig das Trinken einer salzhaltigen Lösung. Es ist erwiesen, dass mit solchen präventiven Untersuchungen Vorstufen von Darmkrebs erkannt und verhindert werden können. 

Und das zweite Thema?

Das betrifft mich als Bauchchirurgen: Wir möchten der Bevölkerung aufzeigen, dass Darmkrebs in der Regel mit sehr guten Chancen heilbar ist. Als zertifiziertes Darmkrebszentrum wollen wir am Darmtag die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten demonstrieren.

Am Darmtag 2.0 stehen eine Reihe von Referaten auf dem Programm. Unter anderem geht es auch um den Zusammenhang zwischen Darm und Psyche. Was hat das miteinander zu tun?

Ein spannendes Feld. Ein Spezialist wird hierzu referieren. Wir haben oft den Eindruck, dass es dem Patienten gut geht, wenn Psyche und Darm im Gleichgewicht stehen. Im Darmkrebszentrum des KSBL ist ja auch eine Psychoonkologin tätig, also eine speziell ausgebildete Psychologin, die für die Krebspatienten da ist. Sie ist den Menschen eine Stütze bei der seelischen Belastung und steht als Gesprächspartnerin zur Verfügung. Es hat sich gezeigt, dass solche Gespräche den Patienten guttun und zu einem besseren Heilungsverlauf führen.

Das grösste begehbare Darmmodell Europas – an diesem Wochenende wird es beim KSBL in Liestal wieder aufgestellt. Bild: KSBL

Sie selbst halten ein Referat zur optimierten Behandlung vor und nach der Operation. Um was geht es dabei?

Dass ein Patient gut operiert wird, ist heute in vielen guten Kliniken auch aufgrund der technischen Hilfsmittel in der Operationstechnik und der guter Ausbildung Standard. Worauf wir im KSBL aber enorm achten, ist der Umgang mit dem Patienten. Wir sehen ihn nicht als Nummer oder als Diagnose, sondern beziehen seine persönlichen Bedürfnisse beim Spitalaufenthalt bestmöglich ein. Wir behandeln die Patienten nach dem «ERAS»-Prinzip – die englische Abkürzung steht zu deutsch für «Schnelles Wiederherstellen des Normalzustands».

Was bedeutet das konkret? 

Früher lagen Sie nach einer Darmoperation eine Woche im Bett, durften sich nicht bewegen und erhielten nichts zu essen und zu trinken, bis alles verheilt war. Die Behandlung hat sich enorm geändert. Patienten gehen nicht mehr nüchtern in die Operation, sondern erhalten zwei Stunden vor dem OP eine kohlenhydratreiche Trinknahrung. Bereits am Abend nach dem Eingriff bekommen Sie wieder leichte Kost verabreicht. Und wir ermuntern Sie, Kaugummi zu kauen.

Wie bitte?

(lacht) Kaugummikauen führt nachweislich dazu, dass die Darmtätigkeit nach der Operation angeregt wird. Es kann also nicht schaden.

Bleibt noch eine Frage: Haben Sie gute Beziehungen zu Petrus?

Ja, das haben wir. (lacht) Beim ersten Darmtag 2015 war das Wetter prächtig. Da die meisten Veranstaltungen aber im Spitalinnern stattfinden, sind die Witterungsbedingungen für den Erfolg des Darmtags nicht entscheidend. Nicht verpassen sollten Sie das begehbare Darmmodell – und das steht natürlich draussen.

Im Innern des begehbaren Darmmodells: Wie das Organ funktioniert und Darmkrebs entsteht, soll auf spielerische Weise vermittelt werden. Bild: KSBL
Darmtag 2.0

Vorträge, Führungen, Selbstdiagnose

Das Kantonsspital Baselland rückt am Samtag, 22. Juni (10 - 16 Uhr) die Darmgesundheit ins Zentrum eines Informationstags.

Zu hören gibt es zahlreiche Vorträge von Ärzten und Wissenschaftlern. Wie der Darm funktioniert und Darmkrebs entsteht, soll das begehbare Darmmodell vor dem Spital auf spielerische Weise vermitteln. Zudem besteht die Möglichkeit an Führungen im Operationssaal teilzunehmen und mit den verantwortlichen Fachpersonen zu sprechen.

Im Angebot steht weiter ein zweiminütiger Selbststest, der Aufschluss gibt, ob man zu einer Risikogruppe für Darmkrebs gehört.

Christian Keller

Christian Keller

Gründer und Chefredaktor

Mehr über den Autor

Kommentare

max. 800 Zeichen

Regeln

Ihre Meinung zu einem Artikel ist uns hochwillkommen. Bitte beachten Sie dazu die nachfolgenden Regeln: Bitte beziehen Sie sich bei Ihrem Kommentar auf das Thema des Beitrags und halten Sie sich an den Grundsatz, dass in der Kürze die Würze liegt. Wir behalten uns vor, Kommentare zu kürzen. Geben Sie Ihren Namen an und benutzen Sie keine Namen anderer Personen oder Fantasienamen – ansonsten sieht die Redaktion von einer Publikation ab. Wir werden ferner Kommentare nicht veröffentlichen, wenn deren Inhalte ehrverletzend, rassistisch, unsachlich oder in Mundart oder in einer Fremdsprache verfasst sind. Über diesbezügliche Entscheide wird keine Korrespondenz geführt oder Auskunft erteilt. Weiter weisen wir Sie darauf hin, dass Ihre Beiträge von Suchmaschinen wie Google erfasst werden können. Die Redaktion hat keine Möglichkeit, um Ihre Kommentare aus dem Suchmaschinenindex zu entfernen.

     

 

 

 

     

 

 

 

     

 

 

 

     

 

 

 

Weitere Artikel
     

 

 

 
     

 

 

 
     

 

 

 

Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den täglichen Prime News Newsletter.

 

zurück

Schlagzeilen