02.08.2019 Innovation 6 minMinuten Lesedauer

Ein beleuch­teter Rhein und klima­tisierte Halte­stellen

Auf «Baselcrowd.ch» teilen Nutzer Ideen zur Ver­besser­ung der Lebens­qualität in Basel. Nicht alle sind praktikabel.

Eine der Vorschläge auf baselcrowd.ch: Ein beleuchteter Rhein. Bild: zvg / Radek Rukat & Donat Kamber

Wie Basel wohl in zehn, zwanzig Jahren aussieht? Wer weiss. Zumindest der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das beweist ein Blick auf die Internetseite «Baselcrowd», auf der seit Anfang Juni diverse Ideen diskutiert werden, wie man Basel noch attraktiver machen könnte, als es die Stadt am Rheinknie heute schon ist.

Manche davon sind praktikabel, andere weniger. Und einige gehören wohl tatsächlich ins Reich der Fantasie.

«Manchmal braucht es Visionen, damit sich tatsächlich etwas ändert», sagt Frank Wolff, der das Crowd-Projekt zusammen mit vier Mitstreitern lanciert hat.

Das Konzept ist simpel: Die Nutzer können in einer Art Forum ihre Ideen vorstellen. Die Community kann diese kommentieren und in einer nächsten Phase auch bewerten. Diejenigen Projekte mit dem grössten Zuspruch werden dann weiter geschärft und im Anschluss einer Fachjury und einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Und was dann? «In diesem ersten Brainstorming geht es vor allem darum, den ganz verschiedenen Ideen eine Bühne zu geben. Für die besten Ideen werden anschliessend kurze Projekt-Steckbriefe erstellt und mögliche Umsetzungspartner gesucht», sagt Wolff.

Es werde sich zeigen, welche der Ideen dann zu einer konkreten Realisierung gelangen.

Die erste Phase ist inzwischen abgeschlossen. Zwischen Ende Juni und Ende Juli konnten die Nutzer ihre Pläne präsentieren. Nun läuft Phase zwei: die Bewertung. Eingegangen sind 44 Vorschläge.

Bis am 12. August kann die Community per «Daumen hoch»-Klicks entscheiden, welche Projekte in die nächste Runde kommen.

Viele Vorschläge zum Rhein

Besonders der Rhein und die Gestaltung des öffentlichen Raums im Allgemeinen scheint die Leute umzutreiben. Zu den meist diskutierten Beiträgen auf der Plattform gehört etwa der Vorschlag, den Rhein im Abschnitt zwischen Wettstein- und Mittlerer Brücke mittels Unterwasserscheinwerfern zu beleuchten (s. Titelbild).

Das hätte gemäss dem Ideengeber den Vorteil, dass einerseits das Rheinbord besser beleuchtet würde und damit die schöne Altstadt mehr zur Geltung käme.

Andererseits würde dies auch das nächtliche Schwimmen im Rhein ermöglichen. Und nicht zuletzt wäre es auch ein Tourismus-Gag.

Für Schlagzeilen bis weit über Basel hinaus würde bestimmt auch die Wasserrutsche bei der Johanniterbrücke sorgen, die ein anderer Nutzer vorschlägt.

Der Plan sieht eine Rutschbahn auf der Kleinbasler Seite vor, die vom Brückenkopf über mehrere Schlaufen ins Wasser führt.

So würde die Brücke in den Rhein etwa aussehen. Bild: basel-rutscht.ch

Die Idee ist allerdings nicht neu: Die Gruppe «Freistaat Unteres Kleinbasel» (FUK) wartete bereits vor ein paar Jahren mit diesem originellen Projekt auf, verfolgte es jedoch nicht weiter.

Das könnte sich vielleicht bald ändern: Bei dem Nutzer, der den Beitrag auf «Baselcrowd» postete, handelt es sich nämlich um Christian Mueller vom FUK.

Zu den weniger realistischen Ideen zur Belebung des Rheins zählen dagegen Sprungbretter an den Brücken oder der Vorschlag, ein Hochseil über den Fluss zu spannen.

Wer beim Balancieren runterfiele, würde wohl Gefahr laufen, mit dem Rücken auf einem Schiffsdeck aufzuprallen oder — nicht weniger riskant — einen Rheinschwimmer zu erschlagen. Also lieber nicht.

Begrünung des Roche-Turms und ein Senioren-Festival

Weitaus praktikabler dürften die zahlreichen Vorschläge zur Begrünung der Stadt sein, die von einem grünen Kleid für den Roche-Turm über eine Bepflanzung der Dreirosenbrücke bis zu einer bewussten «Verwilderung» der ungenutzten Betonflächen reichen.

Die Idee dahinter: Durch mehr Grün würde die Stadt nicht nur ökologischer, sondern auch kühler, gerade im Sommer. 

Die drückende Juli-Hitze inspirierte wohl auch jenen Nutzer, der vorschlug, die Bus- und Tramhaltestellen mit Klimaanlagen respektive Ventilatoren auszustatten. Ob das allerdings umweltfreundlich wäre, darf bezweifelt werden. 

Ein Evergreen ist auch die Forderung nach einem «Velo-Highway» abseits der Autostrassen oder eine App fürs Parkplatzmanagement, die den Suchverkehr in den Quartieren unterbinden soll.

Originell ist schliesslich der Vorschlag, auf dem Barfüsserplatz ein dreitägiges Festival für Senioren durchzuführen — inklusive Tanzmusik aus früheren Jahrzehnten. 

Initiator Frank Wolff jedenfalls ist zufrieden mit dem Rücklauf an Vorschlägen: «In den Leuten steckt unglaublich viel Kreativität, die nur darauf wartet, abgeholt zu werden», meint er.

Umsetzung dürfte schwierig werden

Geht es nach den Betreibern, soll die Plattform «Baselcrowd» denn auch längerfristig Bestand haben und vor allem aktiv bespielt werden. Zwei weitere Projektrunden stecken schon in der Pipeline: Eine zur Vermeidung von Plastikabfällen und eine zum Ladensterben in der Basler Innenstadt.

Auch könne er sich vorstellen, dereinst Umfragen von Auftraggebern in das Forum zu stellen, sagt Wolff. «Dann können die Leute zum Beispiel Vorschläge zur Verbesserung von Produkten oder Dienstleistungen machen». Denn von irgendwoher müssen ja die Einnahmen kommen. 

Wolff räumt ein, dass man noch am Anfang stehe und nur begrenzte Mittel habe. Auftragsumfragen wären eine mögliche Einnahmequelle, sofern die Webseite interessant bleibt und die Leute mitmachen.

«Ich glaube, dass nur schon die Diskussion über solche Dinge längerfristig einen Impact hat. Irgendjemand muss einfach mal den Anfang machen».

Frank Wolff, Geschäftsführer von «Baselcrowd»

Bis jetzt hat die Plattform gemäss Angaben der Betreiber etwas über 250 Nutzer, mittelfristig sollen es 500 und mehr sein.

Wolff ist überzeugt, dass dieses Ziel zu erreichen ist: «Bei politischen Abstimmungen kann man zu einer Vorlage entweder Ja oder Nein sagen. Bei uns hingegen können die Leute die Zukunft ihrer Stadt selber in die Hand nehmen und Ideen entwickeln».

Stichwort Politik: Vieles, was auf «Baselcrowd» so zirkuliert, müsste zur Realisierung wohl den Marsch durch die politischen Instanzen überstehen, sei es im Grossen Rat oder bei einer Volksabstimmung.

Und die Erfahrung zeigt, dass die Stimmbürger in der Regel skeptisch sind gegenüber Vorlagen, die vielleicht Spass versprechen, deren unmittelbarer Nutzen man aber nicht einsieht. Zuletzt etwa beim Ozeanium. 

Es ist jedenfalls kaum vorstellbar, dass Unterwasserscheinwerfer im Rhein jemals eine Parlamentsdebatte überleben würden, sofern sie es überhaupt bis dorthin schaffen. Von einer Urnenabstimmung ganz zu schweigen. Das gleiche gilt auch für die Wasserrutsche oder die klimatisierten Haltestellen.

Davon will sich Frank Wolff allerdings nicht beirren lassen. Er sagt: «Klar, gewisse Vorschläge sind schwierig umzusetzen. Andere sind aber weitaus niederschwelliger und durchaus praktikabel».

Und überhaupt: «Ich glaube, dass nur schon die Diskussion über solche Dinge längerfristig einen Impact hat. Irgendjemand muss einfach mal den Anfang machen».

Partner der Rubrik Innovation
Oliver Sterchi

Oliver Sterchi

stellvertretender Chefredaktor

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