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06.12.2019 Innovation 6 minMinuten Lesedauer

Wasser vom Brunnen statt von der PET-Flasche

Plastik-Verschmutzung bekämpfen: Michèle Hürner setzte sich mit ihrer Idee beim Basel­crowd-Wettbewerb durch.

Die glückliche Gewinnerin, Michèle Hürner. Ebenfalls im Bild: Monika Bolliger vom Amt für Umweltschutz Basel-Landschaft und Timo Weber vom Amt für Umwelt und Energie. Bild: Ana Rivarola/Impact Hub Basel

Donnerstagabend. 18:00 Uhr im Impact Hub Basel. Es herrscht eine freudig angespannte Stimmung unter den Teilnehmenden am Finale des öffentlichen Brainstormings «Vermeidung von Plastikabfall».

Denn: Im Rahmen der Online-Plattform Baselcrowd traten an diesem Abend die zehn besten Innovationen zur Abfallvermeidung gegeneinander an. Die Siegeridee wurde mit 2'000 Franken prämiert. Das Preisgeld konnte Michèle Hürner einstreichen.

Der Vorschlag ist simpel: Mit originellen Schildern sollen die Menschen dazu animiert werden, Wasser in mitgebrachten Trinkflaschen direkt vom Brunnen zu beziehen, statt jedesmal eine neue PET-Flasche im Laden zu kaufen.

Unter den weiteren Vorschlägen fand sich Innovatives und Originelles, aber auch einige unausgereifte Ideen. Sie reichten vom Strassenputzwagen für Schulkinder, über einen 10-Punkte Plan für eine plastiktütenfreie Region Basel bis zur Benutzung eines neuen, wiederverwendbaren Stoffs aus Polyethylen-Fasern als Alternative zu Plastik. 

«Wir wollen jedoch nicht nur Ideen sammeln, sondern sie dann auch umsetzten», sagte Frank Wolff, Geschäftsführer von Baselcrowd. Deshalb arbeite sein fünfköpfiges Team zusammen mit den Ämtern für Umwelt(schutz) und Energie der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

«Diese haben die finanzielle Power, um ein Projekt zu realisieren», so Wolff. Von Ihnen werde ausserdem das Preisgeld grösstenteils finanziert. Neben der Gewinneridee erhielten noch vier weitere Innovatoren insgesamt 3'000 Franken.

Die zehn Finalistinnen und Finalisten hatten sich bereits gegen 50 weitere Ideen durchgesetzt. Selektiert wurden die Vorschläge durch eine Jury bestehend aus Vertretern vom Impact Hub Basel, von «Basel unverpackt», vom APPOLL-Forum sowie der Umwelt-Ämter der beiden Basel.

«Trink Wasser! Gesund für dich und für Bello». Solche und ähnliche Brunnenschilder sollen die Menschen motivieren wiederverwendbare Flaschen zu benutzen. Bild: Michèle Hürner

Der Abfall entsteht erst gar nicht

Schliesslich gelang es Michèle Hürner, die Jury mit ihrer Präsentation zu überzeugen. Die Produktmanagerin bei Bio Suisse findet es unsinnig, ständig neue Wasserflaschen aus Plastik zu kaufen.

«Deshalb soll meine Idee die Menschen dazu motivieren, ihre wiederverwendbaren Flaschen selbst mitzubringen und bei Bedarf wieder aufzufüllen», so Hürner. Zu diesem Zweck sieht ihre Idee vor, an Brunnen originelle Schilder anzubringen.

Auf diesen soll etwa stehen: «Trink doch Wasser ohne Plastikpartikel» oder «Das Wasser in diesem Brunnen würde am Kiosk 3'285 Franken kosten». Dazu jeweils der Hashtag: «bringyourbottle».

Diese simple Massnahme sieht sie als wichtigen Schritt zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Ausserdem gehe es bei ihrem Vorschlag nicht ums Rezyklieren. «Der Abfall entsteht gar nicht erst», erklärt Hürner.

Auf Nachfrage von Prime News sagt die engagierte Plastikvermeiderin, dass sie die Idee ohne Baselcrowd wohl nie gehabt hätte. «Der Gedanke ist mir beim Durchlesen der anderen Vorschläge auf der Webseite gekommen».

Jedoch würden solche Überlegungen auch sonst zu ihrem Lifestyle gehören. «Es macht mich glücklich, wenn ich etwas für die Umwelt tun kann», so Hürner.

Über 400 «Brainstormer»

Doch wie kam es überhaupt zu dieser Ideenvielfalt zur Plastikvermeidung? Anstatt das Abfallproblem mit Gesetzen oder Vorschriften zu bekämpfen oder eine Expertenkommission zur Entwicklung neuer Ideen einzusetzen, zeigt Baselcrowd einen neuen Ansatz auf.

Zur Plastikvermeidung setzt das Team um Frank Wolff auf «Open Innovation»: Auf der Webseite baselcrowd.ch kann jeder, der sich registriert, Vorschläge einbringen.

Diese werden dann im Forum diskutiert und gegebenenfalls von anderen Benutzern verbessert. Bisher zählt das Forum 400 registrierte User. Für dieses frische und kostengünstige Konzept erhielt Baselcrowd im November den zweiten Platz des «Innovation Basel»-Wettbewerbs der Basler Zünfte und Ehrengesellschaften.

«Wir waren überrascht über das rege Interesse auf der Plattform und den Sozialen Medien», sagt Frank Wolff, Geschäftsführer von Baselcrowd. «Obwohl die Zielgruppe diesmal deutlich kleiner war als bei früheren Projekten, sind immerhin 60 Vorschläge zusammengetragen worden».

Denn die Ideensuche zum Thema «Vermeidung von Plastikabfall» war nicht der erste Anlauf mit Open-Innovation. Seit dem Sommer läuft das Online-Brainstorming zum allgemeineren Thema «Ideen für die Region Basel».

Dabei sind bisher deutlich weniger Ideen eingereicht worden. Darunter jedoch originelle Vorschläge wie etwa die nächtliche Unterwasserbeleuchtung des Rheins (Prime News berichtete).

Frank Wolff, Geschäftsführer von Crowdbasel erklärt das Konzept der Open Innovation. Bild: Ana Rivarola/Impact Hub Basel

Der Ball liegt nun bei den Ämtern

Doch was passiert nun mit der Gewinneridee? «Dies hängt stark von den beiden finanziellen Hauptträgern des Projekts, den Ämtern für Umwelt(schutz) und Energie der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, ab», sagt Wolff gegenüber Prime News. Die Ämter seien frei, aus dem Pool der Ideen diejenigen umzusetzen, die sie als am vielversprechendsten beurteilen.

«Als Auftraggeber bleiben wir sicherlich im Gespräch mit den Leuten hinter den besten Ideen und werden das weitere Vorgehen für eine allfällige Umsetzung besprechen. Gemeinsam werden wir evaluieren welche Ressourcen benötigt werden», so Monika Bolliger vom Amt für Umweltschutz und Energie Basel-Landschaft.

«Wir hätten uns jedoch etwas konkretere Vorschläge erhofft», ergänzt Timo Weber, Abteilungsleiter beim Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt. Ausserdem habe sein Amt über die meisten der Ideen in der einen oder anderen Form bereits diskutiert.

Weiteres Brainstorming geplant

Dem ist sich auch Frank Wolff bewusst. «Die grosse Ausnahme war jedoch der Vorschlag der Brunnenschilder von Michèle Hürner», sagt Wolff. Daran habe noch niemand gedacht. Die Idee sei zwar simpel, dadurch aber einfach umsetzbar, so der Geschäftsführer von Baselcrowd.

Auf die Frage, ob eine weitere Zusammenarbeit mit Baselcrowd geplant sei, antwortete Timo Weber ausweichend. «Wir schliessen eine erneute Teilnahme an einem neuen Brainstorming-Projekt nicht aus. Jedoch ist von uns diesbezüglich derzeit nichts geplant», so der Abteilungsleiter.

Baselcrowd hingegen bleibt weiter aktiv. Im nächsten Frühjahr soll ein Brainstorming zum Thema «Impulse für die Basler Innenstadt» stattfinden.

Damit will sich Frank Wolff mit seinem Team für den Erhalt der ansässigen Geschäfte in der Innenstadt einsetzten. «Für dieses Projekt kooperieren wir mit dem Verein Pro Innerstadt Basel. Ausserdem sind wir im Gespräch mit dem Gewerbeverband Basel-Stadt», so Wolff. 

Partner der Rubrik Innovation
Silvan Buchecker

Silvan Buchecker

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