08.01.2020 Ratgeber 3 minMinuten Lesedauer

Ab wann muss ich ein Arzt­zeugnis vor­legen?

Wegen Krankheit nicht am Arbeits­platz: Das sind die wichtigsten Regeln, die es zu beachten gilt.

Eine hartnäckige Erkältung, ein Unfall oder eine schmerzhafte Sportverletzung: Dass Angestellte aus Krankheitsgründen bei der Arbeit ausfallen, kann vorkommen und ist nichts aussergewöhnliches.

Doch welche Rechte stehen in einem solchen Fall Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu? Ab wann muss zum Beispiel ein Arztzeugnis vorgelegt werden? Und darf der Vorgesetzte einen Mitarbeiter zum Vertrauensarzt schicken, um eine Zweitmeinung einzuholen?

Im Interview erklärt Anwältin und Rechtsberaterin Daniela Beck vom Arbeitgeberverband Basel die wichtigsten Aspekte, die es beim Thema Arbeitsunfähigkeit zu beachten gilt.

Nach wie vielen Tagen muss der Angestellte dem Arbeit­geber ein Arzt­zeugnis vorlegen?

Das liegt ganz im Ermessen des jeweiligen Unternehmens. Ein Arztzeugnis kann bereits nach einem Tag krankheitsbedingter Abwesenheit oder erst nach einer Woche eingefordert werden. Der Standard liegt bei drei Tagen. So wird es in den meisten Arbeitsverträgen oder Personal-Reglementen festgehalten.

Wenn sich ein Mitarbeiter immer wieder krank meldet: Kann ihn der Arbeit­geber dann zum Vertrauens­arzt schicken und eine Zweit­meinung einholen lassen?

Ja, dieses Recht besteht. Es ist zwar von Vorteil, wenn hierzu eine vertragliche Vereinbarung abgeschlossen wird. Zwingend ist das aber nicht. Vertrauensärztliche Untersuchungen werden erfahrungsgemäss vor allem angeordnet, wenn der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis gekündigt hat und sich der Arbeitnehmer daraufhin länger krankmeldet. Dann bestehen häufig Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit. 

Wenn ein Angestellter von einem Arzt «bis auf weiteres» krank­geschrieben wird, muss dies der Arbeit­geber dann akzeptieren? 

Für ein gültiges Arztzeugnis sind Datum, Unterschrift und Stempel des Arztes erforderlich. Zudem hat der Arbeitgeber ein Recht darauf, dass im Arbeitszeugnis eine Mindestfrist vermerkt wird. Bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit ist demnach jeweils das nächste Konsultationsdatum festzuhalten, wobei dann eine Neubeurteilung erfolgt.

Kann der Arbeitgeber vom krank­geschriebenen Angestellten verlangen, leichte Büro­arbeiten auszuführen, etwa von zuhause aus?

Das ist nicht zulässig. Krank bedeutet krank. Wenn der Arbeitnehmer aber von sich aus anbietet, im Home-Office für das Unternehmen tätig zu sein, wird sich der Arbeitgeber dagegen wohl nicht wehren. Verlangen kann er es aber nicht.

Ab wann kann einem krank­geschriebenen Angestellten gekündigt werden?

Das Gesetz sieht hier klare Regelungen vor. Im ersten Dienstjahr beträgt die Sperrfrist 30 Tage, ab dem zweiten Dienstjahr sind es 90 Tage und ab dem sechsten Dienstjahr 180 Tage.

Wie sieht es mit rückwirkenden Arzt­zeugnissen aus, wenn also der Arbeit­nehmer erst einige Tage nach dem krankheits­bedingten Ausfall zum Doktor geht?

Grundsätzlich kommt es immer auf die Umstände an. Die Standesregeln der Ärztegesellschaft Zürich, wonach ein Arztzeugnis nicht mehr als eine Woche rückwirkend sein darf, sind ein guter Richtwert. Nach meiner Meinung sind ein paar Tage unproblematisch, zumal der Angestellte ja nicht gleich bei den ersten Symptomen einer Krankheit den Arzt aufsucht. Alles, was über eine Woche Rückwirkung hinausgeht, muss der Arbeitgeber aber nicht mehr akzeptieren. Die Einschätzung des Arztes basiert dann auf Aussagen des Patienten, die er nicht überprüfen kann. Es handelt sich somit um eine Behauptung und nicht um einen medizinischen Befund.

Veranstaltungshinweis

Fachseminar im Februar 2020

Am 6. Februar 2020 (08:30 - 12 Uhr) führt der Arbeitgeberverband Basel passend zum Thema das Fachseminar «Konflikte, Absenzenen und Arbeitsplatzerhalt» durch. Mehr Informationen gibt es hier.

Christian Keller

Christian Keller

Gründer und Chefredaktor

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