21.04.2020 Innovation 6 minMinuten Lesedauer

Das FMI ist «unverzicht­barer Akteur» der Basler Pharma

Im Jahr seines 50-jährigen Jubiläums ernennt das Friedrich Miescher Institut Dirk Schübeler zum neuen Direktor.

Wissenschaftler des Friedrich Miescher Instituts. Bild: FMI
von Silvan Buchecker

Basel gehört zur weltweiten Spitzengruppe der Pharmastandorte. Nur Singapur und San Francisco sind produktiver – wie es in einer im letzten Jahr veröffentlichte Studie heisst. 

Einen wichtigen Beitrag zu diesem Erfolg leistet das weltweit führende Friedrich Miescher Institut (FMI) für biomedizinische Forschung. Dies sieht auch René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma, so. Für ihn ist das FMI ein «unverzichtbarer Bestandteil» des Basler Forschungs- und Pharmaclusters.

Letzten Mittwoch – im Jahr seines 50-jährigen Jubiläums – gab das im Kleinbasel ansässige FMI mit Dirk Schübeler nun die Ernennung eines neuen Direktors bekannt.

Wie geht die Reise weiter? Prime News hat sich mit dem international führenden Wissenschaftler über das FMI und dessen Bezug zum Forschungs- und Pharmastandort Basel unterhalten.

Dirk Schübeler, neuer Direktor des Friederich Miescher Instituts. Bild: FMI

Weiterhin die besten Köpfe begeistern

«Das FMI hat sich unter der Leitung meiner Vorgängerin, Susan Gasser, weltweites Ansehen erworben und ist sehr erfolgreich. Es ist mir ein besonderes Anliegen, weiterhin die besten Köpfe für uns zu begeistern, um langfristig Spitzenforschung zu betreiben», sagt Schübeler.

Der 51-Jährige ist ausserordentlicher Professor an der Universität Basel und forscht bereits seit 2003 am Friedrich Miescher Institut, welches besonders im Bereich der Neurobiologie und der quantitativen Biologie führend ist.

Damals kam er als «Junior Gruppenleiter» ans FMI, wo er verschiedene Preise für seine Forschung gewann – beispielweise den Friedrich Miescher Preis der Schweizerischen Gesellschaft für Biochemie oder den Novartis VIVA Leading Scientist Award.

Ursprünglich sei er ans FMI gekommen, weil sich hier die Gelegenheit bot, direkt nach seiner Ausbildung eine eigene Arbeitsgruppe zu gründen – «mit völliger Autonomie über unser Forschungsthema, in einem tollen kollegialen Umfeld und mit sehr guter Ausstattung», so Schübeler. 

Der gebürtige Deutsche, der seinen Doktortitel an der Technischen Universität Braunschweig erwarb, hatte das FMI bereits seit März 2019 als Co-Direktor ad interim zusammen mit Silvia Arber geleitet.

Diesen April wurde er zum ordentlichen Direktor des Instituts – und damit zum Chef von rund 350 Mitarbeitenden aus 43 Nationen – ernannt. 

Das Friedrich Miescher Institut an der Maulbeerstrasse in Kleinbasel. Bild: FMI

Hervor­ragender Nachweis als Forscher

Die Wahl sei auf eine internationale Suche durch eine Expertenkommission hin erfolgt, sagt Michaela Kneissel. Die Österreicherin sitzt im wissenschaftlichen Beirat des FMI und ist als «Secretary Novartis Research Foundation» beim Basler Pharmaunternehmen tätig, welches den Löwenanteil des FMI finanziert. 

«Herr Schübeler hat einen hervorragenden Nachweis als Forscher in der Genregulation, zu der er fundamentale Kenntnisse beigetragen hat. Zudem hat er ausgewiesene Leitungsqualitäten», begründet Kneissel die Wahl.  

Die Ernennung von Dirk Schübeler erfolgte fast genau auf den Tag 50 Jahre nach der Gründung des FMI am 8. April 1970 durch die Ciba AG und die J.R. Geigy AG – zwei Basler Pharmaunternehmen, die fusionierten und 1996 schliesslich zu Novartis werden sollten. 

670 Doktoranden ausgebildet

Das Ziel der Gründerfirmen war es, die Lücke zwischen der akademischen Spitzenforschung und der pharmazeutischen Industrie zu schliessen, wie es in einer Medienmitteilung des FMI heisst.

In diesem Sinne habe das FMI ein doppeltes Mandat erhalten: Zum einen sollte es biologische Grundlagenforschung betreiben, zum anderen sollte es mit den Wissenschaftlern von Novartis zusammenarbeiten, damit neue Entdeckungen die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie beeinflussen konnten. 

Auch in der Nachwuchsförderung habe das Institut wichtige Arbeit geleistet, so seien bisher fast 670 Doktorandinnen und Doktoranden ausgebildet worden.

Das Institut wurde nach Friedrich Miescher benannt, dem Basler Biochemiker, der 1869 – also 100 Jahre vor der Gründung des Instituts – die Nukleinsäure entdeckte.

Der Namensgeber des FMI, Friedrich Miescher. Bild FMI

Stark mit der Region verbunden

Mittlerweile hat sich das Institut zum «unverzichtbaren Akteur» für den Forschungs- und Pharmastandort Basel gemustert, ist René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma, überzeugt.

«Seit einem halben Jahrhundert nimmt das FMI weltweit eine führende Rolle in der biomedizinischen Forschung ein», sagt der 52-jährige Geschäftsführer des Verbandes auf Anfrage von Prime News. 

Dies mache das FMI zu einem «Anziehungspunkt und attraktiven Arbeitgeber» für die besten Forschenden weltweit. Aufgrund seiner Grundlagenarbeit sei das FMI ein wichtiger Bestandteil des Clusters an Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen in Basel.

«Solche wirtschaftlichen Cluster ziehen auch Zulieferer und spezialisierte Dienstleister an und schaffen Wettbewerbsvorteile für das ganze Netzwerk und den Standort», sagt Buholzer.

Auch Dirk Schübeler sieht das FMI stark mit der Region verbunden. «Das FMI ist ein assoziiertes Institut der Basler Universität. Die meisten FMI Gruppenleiter dozieren an der Uni Basel und viele sind dort Titularprofessoren», so Schübeler.

Zudem habe das Institut gemeinsame Forschungsprojekte und Forschungsverbunde mit Forschenden in der Schweiz und der Region, vor allem an der Universität Basel. 

«Viele junge Leute aus der ganzen Welt werden am FMI ausgebildet und nicht wenige machen anschliessend in der Forschung oder in der Industrie in der Region Basel Karriere», fügt Schübeler an.

Umzug auf den Novartis-Campus

Ab 2023 wird das im Kleinbasel beheimatete Institut einen neuen Standort auf dem Novartis-Campus beziehen. Welche Auswirkungen wird dies auf die Forschungstätigkeit und die institutionelle Nähe zu Novartis haben? 

«Die räumliche Nähe auf dem Campus verstärken und vereinfachen sicher den Austausch unter Wissenschaftlern von Novartis und dem FMI», so der frischgebackene FMI-Direktor.

Durch den Umzug ins Grossbasel werde das Institut auch räumlich näher an die Universität rücken, so halbiere sich die Entfernung zum Life Science Campus der Uni. «Das sind alles Vorteile, auf die wir uns sehr freuen», sagt der Wissenschaftler. 

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Partner der Rubrik Innovation
Silvan Buchecker

Silvan Buchecker

Leiter Rubrik Innovation

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