«Lange Reisen sind für Turnierpferde kein Stress»
Fabienne Vögtli ist Stallchefin an den CHI Classics Basel. Oberstes Gut sei die Gesundheit der Tiere. Ein Rundgang.
Kurz und knapp
- Fabienne Vögtli ist an den Longines CHI Classics Basel für die Stallungen der Turnierpferde verantwortlich. Sie spricht von einem «familiären» Ambiente, das während der Turnierwoche herrsche.
- Am vergangenen Mittwoch haben Betreuerinnen und Betreuer die Pferde mit Lastwagen nach Basel gefahren. In einem ersten Schritt wird der Gesundheitszustand der Tiere überprüft, bevor sie ihre Boxen beziehen.
- Die wertvollen Pferde werden rund um die Uhr beaufsichtigt. Dass es den Individuen an nichts fehlt, dafür schaut Vögtli mit ihrem Team.
Es herrscht muntere Geschäftigkeit am Mittwochmorgen vor der St. Jakobshalle. Lastwagen in der Grösse von Reisecars fahren auf dem Parkplatz vor. Betreuerinnen und Betreuer von Spring- und Dressurpferden öffnen die Heckklappen und führen die Huftiere in die kalte Winterluft hinaus. Ihre mächtigen Körper sind eingepackt in gut gefütterte Winterdecken.
Prime News trifft am Tag vor dem Turnierbeginn die Stallchefin der Longines CHI Classics Basel. Fabienne Vögtli führt über das weitläufige Areal und erklärt dabei, dass ein paar Spring- und Dressurreiter ihre Stallungen in Belgien betreiben. «Das Land liegt optimal für die Erreichbarkeit der verschiedenen Turniere in ganz Europa.» Bis zu zehn Stunden Fahrt könnten die Pferde in ihren Boxen in den Camions aushalten. Vögtli: «Da die Turnierpferde lange Reisen gewohnt sind, bedeuten die Lastwagenfahrten für sie keinen Stress.»
Nach dem Ausladen suchen die Betreuerinnen und Betreuer mit den Pferden zuallererst das Zelt mit dem Tierarzt und dessen Helferinnen und Helfern auf. Ein Muss zur Bestimmung der Identität mittels Auslesens eines implantierten Chips und zur Überprüfung, ob die Pferde über die nötigen Impfungen verfügen und gesund sind. Hierzu wird ihnen die Temperatur abgenommen. Gemäss Tierarzt Marco Hermann liegt die Körpertemperatur eines gesunden Pferdes zwischen 37,5 und 38 Grad Celsius.
Rigorose Gesundheitschecks
Ist ein Pferd krank, schickt es der Tierarzt in Quarantäne, damit es nicht andere ansteckt. Diesem Prozedere müssen sich die anderen Pferde ebenso unterziehen, die in demselben Lastwagen mitfuhren. Für die Springkonkurrenz dürfen die Reiterinnen und Reiter gemäss Reglement für die verschiedenen Prüfungen auf maximal drei Pferde zurückgreifen. Bei den Dressurprüfungen ist nur ein Tier erlaubt.
Es sei «selten», dass kranke Pferde vor der St. Jakobshalle ankämen, sagt Tierarzt Hermann. «Wir kontrollieren rigoros und wollen unbedingt verhindern, dass sich Pferde mit einer Krankheit anstecken.» Tödlich verlaufen kann für Pferde beispielsweise eine Herpesinfektion.
«Vor ein paar Jahren gab es in Spanien Todesfälle wegen diesem Virus. Da geht in der Szene dann die Angst um», sagt Hermann. Die Aufbauarbeit von Fohlen zu wertvollen Spitzenpferden, wie sie an den CHI Classics zu sehen sind, beginnen die Reiterinnen und Reiter mit ihren Schützlingen im Alter von drei bis vier Jahren. Stirbt ein Pferd, ist diese Aufbauarbeit verloren und die Chance auf Prämiengewinne bei den hoch dotierten Turnieren ist verloren.
Kühlgamaschen zur Regeneration
Nach dem Gesundheitscheck erhalten die Pferde ihre Boxen in grossen Zelten der Vögtli-Group, deren Geschäftsführerin Fabienne Vögtli hauptberuflich ist. Die Festzelte aus Dornach stehen etwas weiter hinten auf Fussballfeldern in der Brüglinger Ebene.
Vögtli schaut mit ihrem 15-köpfigen Team während des Turniers darauf, dass es den rund 240 Spring- und Dressurpferden an nichts fehlt und die Pfleger das richtige Futter, Einstreumaterial und ihr mitgebrachtes Equipment erhalten – logistische Aufgaben. Damit die Tiere es schön warm haben und sich nicht erkälten, werden die Zelte mittels Holzpellets geheizt. Warme Luft wird auch in die Ein- und Abreithalle geblasen.
Angesprochen auf Schwierigkeiten während des viertägigen Turniers, überlegt Vögtli einen Moment. Als ihr nichts in den Sinn kommt, befragt sie eine ihrer Mitarbeiterinnen. Magdalina Umbricht sagt: «Das grösste Problem ist, dass Pflegerinnen und Pfleger trotz ihrer Reisen durch Europa keine passenden Stromadapter für den Betrieb ihrer Geräte dabei haben. Die Adapter müssen sie dann halt im Einkaufscenter St. Jakob-Park besorgen.»
Mit Geräten sind zum Beispiel Kühlschränke gemeint, wo Gamaschen für die Pferdebeine gekühlt werden. «Das dient ihrer Regeneration und ist wie bei Sportlerinnen und Sportlern, die nach einem Wettkampf ein Eisbad nehmen», führt Vögtli aus.
Die Stallchefin organisiert auch die Nachtwachen, die in den Zeltstallungen ihre Runden drehen. An den Boxen steht die Telefonnummer der rund um die Uhr erreichbaren Betreuerinnen oder der Betreuer. Vögtli: «Bemerken wir bei einem Pferd Unwohlsein, rufen wir die Betreuungsperson herbei.»
Bei Pferden kann es vorkommen, dass sie eine Kolik erleiden. Wie Tierarzt Hermann erklärt, entwickelten sich diese Schmerzen im Bauchraum wegen falscher Ernährung, Umstellung der Fütterung oder zu wenig Bewegung. Dann brauche es einen Tierarzt und eventuell eine Tierklinik. Die nötige Sensibilität und Erfahrung für das Wesen der Tiere sowie rasches Handeln sind in derartigen Fällen von den freiwilligen Helferinnen und Helfern gefragt.
Leidenschaftliche Amateurreiterin
Vögtli besitzt selber drei Pferde und nimmt an Springturnieren für Amateure teil. Die Hürden haben dort eine Höhe von 1.30 Metern. Bei den sogenannten 5-Sterne-Wettkämpfen bei den Profis überspringen die Pferde eine Höhe von 1.60 Metern. «Zwar bin ich nicht klassisch mit Pferden aufgewachsen. Im Alter von 15 Jahren hat mich aber eine Cousine zum Reiten mitgenommen und da hat meine Faszination für Pferde begonnen. Damit habe ich auch meinen Vater angesteckt, und im Alter von 20 Jahren hatte ich mein erstes Pferd», sagt Vögtli.
Die Leidenschaft für diese Fluchttiere bringe ihr neben viel Freude auch sehr viel Arbeit ein. «Ich stehe jeden Tag um 5 Uhr auf und gehe in den Stall, um mich um die Tiere zu kümmern.» Danach gehe sie ihrer Arbeit als Geschäftsführerin der Vögtli-Group nach.
Die Organisation für die Stallungen, das Material für die Tiere, Warentransportmittel wie Gabelstapler beginnt für Vögtli rund anderthalb Monate vor dem Turnier. Die Gempenerin übt dieses Jahr die Funktion als Stallmanagerin zum 15. Mal aus. Es sei während der Turnierwoche jeweils wie ein «Heimkommen». «Es geht sehr familiär zu und her. Wir sind ein gut eingespieltes Team. Auch mit den Reiterinnen und Reitern. Die allermeisten sind trotz ihrer Bekanntheit als Spitzensportler völlig nahbar und bodenständig.»
Die Longines CHI Swiss Classics Basel mit Konkurrenzen im Springreiten und in der Dressur dauern noch bis am Sonntag, 11. Januar. Tickets sind noch verfügbar. www.chi-classics-basel.com
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