Unibâle: Hass im Netz drängt junge Frauen aus der Politik
Der Unibasel-Politologe Daniel Höhmann sagt, laut seiner Studie sind Politikerinnen von SVP und SP am stärksten betroffen.
Daniel Höhmann über Hass im Netz
Von Beleidigungen, Hass-Botschaften oder gar Drohungen im Internet sind insbesondere Personen betroffen, die sich gesellschaftlich oder politisch engagieren. Ein Forschungsteam der Politikwissenschaft an der Universität Basel hat nun untersucht, wie häufig politisch aktive junge Frauen und Männer in der Schweiz auf Social-Media-Plattformen mit Anfeindungen konfrontiert sind.
Dabei stellte sich heraus, dass die Männer und Frauen ähnlich häufig Anfeindungen erfahren. Aber die Inhalte unterscheiden sich deutlich. So sind Frauen wesentlich häufiger Ziel sexistischer oder sexualisierter Kommentare. «Zum Beispiel wird ihre Kompetenz grundsätzlich aufgrund ihres Geschlechts infrage gestellt. Bei Männern ist das nicht der Fall», sagt Daniel Höhmann, Erstautor der Studie.
Folgen dieser Attacken: Frauen ziehen sich zurück, sagen «das tue ich mir nicht länger an» oder «Ich spreche gewisse Themen nicht mehr an». Am stärksten betroffen sind laut Höhmann Frauen, die sich in Polparteien engagieren: SP, Grüne und die SVP.
Parteien müssten die Frauen stärker unterstützen
Die Resultate mögen erstaunen. Einerseits studieren seit Jahren mehr Frauen als Männer. Andererseits könnte man meinen, dass Frauen in der Schweizer Politik längst zum gewohnten Bild gehören sollten. Beispiel: Die fünf Personen, die den Kanton Basel-Stadt im National- und Ständerat vertreten, sind allesamt Frauen.
Aber das ist nicht überall in der Gesellschaft angekommen. Bei den Netz-Tätern handle es sich meist um Männer, gerade solche, die sich um ihre wirtschaftliche Stellung sorgten. Höhmann sieht vor allem die Parteien in der Pflicht, die Frauen mit Unterstützung und Informationen zu versorgen, auch im juristischen Bereich.
Der Effekt treffe die Politik in einer Phase, in der sich die Teilhabe der Frau in der Schweizer Politik erst festige. Der Politikwissenschaftler sieht auch weitere Folgen, wenn sich Frauen vermehrt zurückziehen: Dass die Vielfalt der Stimmen in der Politik abnehme. Da drohe ein Demokratiedefizit.
Mehr Informationen zur Studie.
UniBâle ist der Wissenschaftspodcast auf Prime News. Das Gespräch moderiert Claude Bühler. «UniBâle» ist eine Kooperation zwischen Prime News und der Universität Basel und wird präsentiert von Interpharma.
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