16.01.2026 News aus der Region

Bahnausbau: Beide Basel machen mit Welschen Druck auf Bern

Sechs Grenzkantone fordern vom Bund eine rasche Realisierung ihrer Bahnprojekte. Dazu sind 24 Milliarden Franken nötig.

Regierungsrätinnen und Regierungsräte mit der Resolution: Norman Gobbi, Franz Ruppen, Isaac Reber, Christa Hostettler, Bundesamt für Verkehr-Direktorin, Esther Keller, Pierre Maudet und Nuria Gorrite. Bild: Bahnkongress

Die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Genf, Tessin, Waadt und Wallis gehen in die Offensive. Mittels einer gemeinsamen Resolution fordern sie den Bundesrat auf, rasch und gezielt in den Ausbau der Bahn zu investieren.

Wie es in einer Mitteilung heisst, ist der Handlungsbedarf wegen ihrer Verknüpfung mit dem Grenzgebiet in den sechs Kantonen besonders gross. In diesen Regionen seien Zehntausende Pendler unterwegs und der Güterverkehr nehme weiter zu. «Schon heute ist das Netz überlastet, insbesondere in den Knoten, auf den Hauptachsen und während der Spitzenzeiten.»

Der Bundesrat müsse handeln, denn ohne Gegenmassnahmen würde sich die Lage «spürbar» verschärfen.

Was das Begehren verlangt

Die Resolution besteht aus drei zentralen Forderungen:

  • Eine bedarfsgerechte Planung, bei der das Angebot den Infrastrukturausbau bestimmt, sowie die verbindliche Umsetzung der Angebotsziele 2025.
  • Die Bereitstellung von 24 Milliarden Franken für den Ausbau des Bahnnetzes gemäss dem Szenario «Hoch» der ETH-Studie «Verkehr' 45».
  • Den gezielten Ausbau der Hauptachsen Ost-West und Nord-Süd sowie die Stärkung des Regionalverkehrs in den Agglomerationen und die Förderung internationaler Bahnverbindungen.

«Unsere gemeinsame Forderung ist ein Bahnnetz, das der steigenden Nachfrage gerecht wird.» Die Ballungsräume müssten «attraktiv» bedient und «gute internationale Verbindungen» ermöglichen, heisst es unterzeichnet von Isaac Reber, Regierungsrat BL, Esther Keller, Regierungsrätin BS, Pierre Maudet, Staatsrat GE, Norman Gobbi, Regierungspräsident Kanton TI, Nuria Gorrite, Staatsrätin VD sowie Franz Ruppen, Staatsrat VS.

Um dies zu realisieren, fordern die kantonalen Regierungsvertreter vom Bund einen «bedarfsgerechten Ausbau von Angebot und Infrastruktur.» Dieser sei ohne Aufschub zu realisieren.

Die Resolution an den Bund übergaben die Regierungen im Rahmen des 3. Nationalen Bahnkongresses in Basel. Gemäss Andrea Tschopp, Mediensprecherin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion fusse die Resolution auf Entscheiden der jeweiligen Regierungen. «Das Parlament wurde dazu nicht befragt».

Die konkreten Projekte in den einzelnen Kantonen

  • Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt: Durchmesserlinie Basel mit reduziertem Tiefbahnhof Basel SBB finanzieren. Der Bahnknoten Basel ist als Drehscheibe an der Nord–Süd-Hauptachse national und international systemrelevant und bereits heute stark ausgelastet, heisst es in der Resolution. Die Nachfrage im grenz- und kantonsübergreifenden Pendlerverkehr erfordere dichte und zuverlässige grenzüberschreitende S-Bahn-Verbindungen. 
  • Kanton Genf: Kapazitätsausbau Bahnhof Genf-Flughafen für starke Ost-West-Achse, eine neue städtische Verbindung und Ausbau des internationalen Angebots Genf-Lyon. Der Grossraum Genf sei der grösste grenzüberschreitende Ballungsraum der Schweiz und wachse bis 2040 voraussichtlich stark. Dafür brauche es leistungsfähige regionale Bahninfrastrukturen, insbesondere für eine Ausweitung des S-Bahn-Angebots sowie eine zusätzliche Nord–Süd-Verbindung im städtischen Netz. Schliesslich sei Genf das südwestliche Tor zur Schweiz: Der Bund soll den Ausbau des internationalen Angebots Genf–Lyon unterstützen, um den Anschluss an den Hochgeschwindigkeitskorridor Richtung Südfrankreich und Iberische Halbinsel zu stärken.
  • Kanton Tessin: Nord-Süd Achse stärken und Kapazität und Fahrzeit zwischen Tessin und Mailand verbessern. Diese Achse verbindet die wichtigsten Schweizer Wirtschafts- und Ballungszentren mit der Metropolregion Mailand und bildet den wichtigsten Korridor für den alpenquerenden Schienengüterverkehr, so der Resolutionstext. Niedrige Betriebsgeschwindigkeiten und Engpässe minderten die Effizienz des AlpTransit. Eine Kapazitätssteigerung auf der Achse nach Locarno und die Beschleunigung Tessin–Mailand seien unerlässlich, damit Personen- und Güterverkehr stabil wachsen können und die nationalen Verlagerungs- und Klimaziele erreicht werden.

  • Kanton Waadt: Westschweiz besser an die Restschweiz anbinden und neue Linie Lausanne-Genf schaffen. Die Genferseeregion wächst stark. Die bestehende Linie Lausanne–Genf verfügt über zu wenig Kapazität und bildet einen Engpass für den Fernverkehr im Knoten Lausanne. Der internationale Bahnverkehr, insbesondere nach Lyon und Südfrankreich sowie via Simplon Richtung Italien soll gestärkt und so die internationale Anbindung der Schweiz verbessert werden.
  • Kanton Wallis: Lausanne-Genf und Lötschberg/Simplon-Achse ausbauen. Die Erreichbarkeit des Wallis hänge neben dem voll ausgebauten Lötschberg-Basistunnel stark von der Hauptachse Lausanne–Genf ab. Bestehende Engpässe beeinträchtige neue Erschliessungen, Tourismus und Standortattraktivität. (mar)

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