Vom Vermögensverwalter zum Kulinarik-Unternehmer
Pascal Kilcher über sein Unternehmen namens «Davids Fitnessfood», zu hohe Steuern und gesunde Ernährung.
Beschreiben Sie Ihr Unternehmen in wenigen Sätzen.
Pascal Kilcher (35): Wir kochen gesunde und hochwertige Menus, die wir direkt zu unseren Kunden nach Hause liefern. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, die lokale und regionale Wirtschaft zu unterstützen. Wir verwenden überwiegend frische Zutaten, die wann immer möglich aus der Schweiz stammen. Zum Beispiel kaufen wir unser Fleisch bei Jenzer aus Arlesheim. Gleichzeitig möchten wir gewährleisten, dass das Essen für jeden bezahlbar bleibt. Das ist bisweilen ein Spagat.
Wie gross ist Ihr Liefergebiet?
Der eigene Lieferservice deckt Ortschaften entlang des gesamten Autobahnnetzes in der Deutschschweiz ab. Wir beliefern alle, die innert einer angemessenen Frist von da aus erreichbar sind. Unsere Kunden wohnen unter anderem in Basel, Zürich, Luzern und Bern.
Wie funktioniert das?
Für jede Region haben wir einen festen Liefertag definiert. Das ermöglicht unseren Kurieren, gleichzeitig mehrere hundert Menüs auszuliefern – so lohnt es sich auch wirtschaftlich. Aber klar: Wir sind kein Pizza-Lieferant. Unsere Bestellfristen sind länger. Wenn unsere Kunden bis Samstagabend bestellen, kochen wir am Sonntag und liefern am Montag bei Bedarf gleich Menüs für die ganze kommende Woche.
Was servieren Sie?
Begonnen haben wir mit dem Fitness-Klassiker schlechthin: Reis, Poulet und Brokkoli (lacht). Heute sind wir aber viel breiter aufgestellt. Bei uns gibt es für fast jeden etwas: Wir bieten Salate, Fisch, Fleisch, Crevetten, Tofu und vieles mehr an. In den letzten Jahren ist unsere Kundschaft diverser geworden: Es bestellen nun auch Unternehmer, Mütter und überhaupt Menschen, die keine Zeit zum Selberkochen haben, aber trotzdem gesund essen wollen.
Wie sind Sie zu «Davids Fitnessfood» gekommen?
Das ist eine lustige, eine spezielle Geschichte. Sie führte über verschiedenste Stationen. Darf ich ausholen?
Ja bitte.
In meiner Jugend verbrachte ich ein paar Jahre in Namibia, bei einer Gastfamilie. Mit 18 Jahren kam ich in die Schweiz zurück. Dann arbeitete ich zwei Jahre lang als Bademeister. Schliesslich bewarb ich mich um eine Lehre bei der Bank.
Mit Erfolg?
Ich erhielt überall eine Absage. Einzig die UBS bot mir eine Lehrstelle an. Über die Jahre landete ich bei der Vermögensverwaltung: In unserer Abteilung verwalteten wir Vermögen von sehr gut betuchten Mitmenschen.
Vom Vermögensverwalter zum Food-Unternehmer: Wie geht das?
Ich gewann bei der UBS tiefe Einblicke in die Finanzwelt. Aber ich fand darin weder Spass noch Erfüllung. Deshalb habe ich ohne klaren Plan gekündigt. Damals lernte ich David, den ehemaligen Geschäftsführer von «Davids Fitnessfood» kennen. Aus purem Spass begann ich spontan – und ohne Bezahlung – in der Buchhaltung auszuhelfen.
Dabei blieb es offensichtlich nicht.
Nach und nach rutschte ich tiefer ins Geschäft und übernahm auch bald Aufgaben in der Küche. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass mir das Kochen viel mehr Freude bereitet als die Arbeit vor dem Laptop. Vor anderthalb Jahren verliess der Gründer das Unternehmen. Seither bin ich alleiniger Geschäftsführer. Lustigerweise versucht David heute sein Glück bei einer grossen Versicherung. Die Firma ist noch immer nach ihm benannt. Wir planen nun, sie umzubenennen.
«Wenn ich ein paar Tage nicht da bin, gerät alles ins Stocken»
Pascal Kilcher
Selbstständig zu sein. Was bedeutet Ihnen das?
Es gibt viel zu tun. Als ich noch bei der UBS war, war ich nur ein Rädchen in einem riesigen Unternehmen. Selbst wenn man gute Arbeit leistet, ist man austauschbar. Ob man einmal einen Tag krank ist oder nicht, interessiert eigentlich niemanden. Als Unternehmer ist das ganz anders: Es hängt sehr viel von dir ab. Wenn ich ein paar Tage nicht da bin, gerät alles ins Stocken. Das gilt auch für meine Mitarbeiter. Fehlt einer von ihnen, bemerken wir das sofort. Wir sind wie eine kleine Familie und arbeiten miteinander, nicht gegeneinander. Das ist nicht überall so! Inzwischen sind wir bereits zu zehnt.
Was ist die beste Entscheidung, die Sie je getroffen haben?
Die Heirat mit meiner Frau Vannapa. Das hat zwar nicht direkt mit dem Unternehmen zu tun, hat mein Leben aber am meisten vorwärtsgebracht. Übrigens ist sie seit vielen Jahren treibende Kraft in der Küche und heute die Küchenchefin von «Davids Fitnessfood».
Wo mussten Sie Lehrgeld zahlen?
In der Startphase haben wir rote Zahlen geschrieben. Wir mussten auch Geld von aussen einschiessen, weil wir Fehlinvestitionen getätigt haben. Summa summarum haben wir so einige tausend Franken Lehrgeld gezahlt. Inzwischen schreiben wir zum Glück schwarze Zahlen.
Was schätzen Sie am Baselbiet?
Abgesehen von meiner Zeit in Namibia lebte ich eigentlich immer in der Region Basel. Was schätze ich hier? (überlegt) Ehrlicherweise verbringe ich meine Zeit zu Hause oder im Geschäft. Mit meiner Familie lebe ich ebenfalls in der Umgebung. Die kurzen Wege sind praktisch. Aber um ganz offen zu sein: Thun würde ich schöner finden. (lacht)
«Mir kommt es manchmal vor, als ob man Geld für alles hat, nur nicht für die Unternehmer.»
Pascal Kilcher
Wenn Sie einen Wunsch an die Politik freihätten, wie würde dieser lauten?
Dass man mehr fürs Unternehmertum macht. Ehrlich gesagt: Mir kommt es manchmal vor, als ob man Geld für alles hat, nur nicht für die Unternehmer. Die Mehrwertsteuern, die Sozialversicherungsbeiträge und die Stromkosten steigen stetig an. Und auch die Lebensmittel werden nicht günstiger. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass der Wohlstand nicht weg fault, so wie es im nördlichen Nachbarland derzeit der Fall ist. Von Deutschland können wir lernen, wie man es nicht macht. In der aktuellen Situation rufen viele nach höheren Löhnen. Die Unternehmen können aber nicht einfach die Gehälter erhöhen.
Warum nicht?
Die Unternehmen kämpfen selbst mit den steigenden Kosten. Wenn sie jetzt auch noch höhere Löhne zahlen, ist der Konkurs so gut wie vorprogrammiert. Uns geht es zum Glück noch gut, aber auch wir spüren die Inflation. Ein Beispiel: Unsere Stromkosten sind von rund 1‘000 Franken im Monat auf 1‘600 gestiegen. Sowas summiert sich. Ich bemerke auch eine gewisse Nervosität bei meiner Kundschaft: Einige haben in den letzten Jahren massiv an Wohlstand verloren.
Was müsste man ändern?
Ganz simpel: Die Steuern senken, zum Beispiel auf Benzin und Diesel. Eine weitere Idee: Man könnte einen kleinen Prozentsatz – zum Beispiel ein Prozent – der neuen Pensionskassen-Gelder in kleine und mittlere Unternehmen investieren. Das wäre definitiv sinnvoller, als irgendwelche marode Staatsanleihen zu kaufen.
Was zeichnet gutes Unternehmertum aus?
Ein Unternehmer sollte sich klare Ziele setzen. Besonders in schwierigen Zeiten gilt es, die Extrameile zu gehen. Von nichts kommt nichts. Für Angestellte ist es oft schwer nachzuvollziehen, was es bedeutet, in Ausnahmesituationen auch Mal sieben Tage die Woche oder mehr als 18 Stunden am Stück zu arbeiten. Gerade im Geschäft mit Lebensmitteln muss man sehr effizient sein.
Konkret?
Kunden erwarten hochwertige und regionale Speisen, möchten aber verständlicherweise nicht zu viel dafür ausgeben. Um zu überleben, muss man innovativ sein. Deshalb haben wir beispielsweise viele Abläufe digitalisiert. Fast nichts landet im Müll, da die Essensmengen von einem Computerprogramm berechnet werden. Sogar beim Anrichten haben wir eine digitale Assistenz.
Ihr letztes Wort?
Das mag jetzt nach Werbung klingen: Wir legen wirklich grossen Wert auf hochwertiges und gesundes Essen. Ich glaube, es wird bisweilen unterschätzt, wie wichtig die Ernährung für das Wohlbefinden ist. Jedenfalls esse ich jeden Tag aus unserer Küche und bin noch sehr gesund.
Firmengründung: 2014
Anzahl Angestellte: 10
Adresse
Dammstrasse 36, 4142 Münchenstein
Kontakt
Tel: 061 301 50 50
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