16.01.2024 Prime News aktuell 43 minMinuten Lesedauer

Streit um Swisspeace-Gelder: Schinzel vs. Goetschel

Erstmals treffen die Protagonisten in einem Interview aufeinander. Der Landrat hatte im Dezember Forschungsgelder gestrichen.

Marc Schinzel vs. Laurent Goetschel

Marc Schinzel und Laurent Goetschel treffen zum ersten Mal im direkten Streitgespräch aufeinander. Bild: Claude Bühler

Das Gespräch im Podcast wird ungekürzt wiedergegeben. Die Teilnehmer:

  • Marc Schinzel, FDP-Landrat
  • Laurent Goetschel, Direktor der Schweizerischen Friedensstiftung (Swisspeace)

Langer Nachhall: Seit der Landrat Mitte Dezember dem Forschungsinstitut «Swisspeace» die Kantonsgelder für die Jahre 2024 bis 2027 strich, wird eifrig darüber debattiert, ob hier die Politik die Forschungsfreiheit beschnitt. «Das kommt einem politischen Maulkorb für die Wissenschaft gleich», kritisierte Institutsdirektor Laurent Goetschel in der NZZ.

Ganz anders sieht das FDP-Politiker Marc Schinzel. Zum einen sei er als Landrat für die Kantonsfinanzen verantwortlich: Für das Jahr 2024 ist ein Minus von 19 Millionen Franken budgetiert, und beim Swisspeace-Betrag von 100'000 Franken jährlich hätte es sich um eine neue, zusätzliche Ausgabe gehandelt. Ferner stellte er in Frage, inwiefern es Kantonsaufgabe sei, internationale Friedensforschung zu betreiben.

Schinzels dritter Punkt ist der Zankapfel der laufenden Debatte: Er empfindet in der Forschungstätigkeit von Swisspeace – bei gewissen Projekten, aber auch bei öffentlichen Aussagen von Institutsdirektor Goetschel – eine einseitige, gegen Israel gerichtete Stossrichtung.

Dahinter könne er nicht stehen. Was heisst das nun? Wenn ein Politiker die Einsichten einer Forschungsinstitution nicht teilt, gibt es kein Geld? Oder muss der Politiker nicht gerade eine kritische Position einnehmen und gegebenenfalls intervenieren, wenn er die Lehre von politischen Ambitionen getrübt sieht?

Wesentliche Aussagen (Auszüge)

Goetschel: Der Baselbieter Kantonsbeitrag wäre sehr wichtig gewesen. Es hätte sich um freie Mittel gehandelt, die derzeit nur 20 Prozent des Budgets ausmachen. Der Rest besteht aus Projektmitteln und Beratungsmandaten für den Bund, die EU oder die Uno. Zudem werden wir vom Bund angehalten, die beiden Trägerkantone der Uni für die Arbeit des Instituts zu begeistern. Beim Baselbiet war es unser vierter Anlauf. Unser Institut, aber auch ich als Direktor haben durch das Nein einen Gesichtsverlust erlitten.

Schinzel: Ich habe gesehen, dass sich Herr Goetschel sehr deutlich gegen ein Hamas-Verbot der Schweiz ausspricht, und auch eine Position gegenüber Israel mit der Einstaaten-Lösung vertritt, die meines Erachtens das Existenzrecht Israels negiert. Für mich ist auch bei gewissen Swisspeace-Projekten die Stossrichtung zu einseitig.

Zum Hamas-Verbot (Auszüge)

Goetschel: Ich habe nie vertreten, dass Hamas ein Partner sein soll in einem zukünftigen Friedensprozess. Ein Verbot von Hamas wäre für die Schweiz doppelt nicht zielführend, einerseits im Hinblick auf das, was die Schweiz in Bezug auf Hamas im Nahen Osten erreichen will und andererseits generell in Bezug auf die Ausgangslage für die Schweiz in Konflikten friedensfördernd weltweit tätig sein zu können. Hamas war gemäss dem Nachrichtendienst zudem bislang nicht aktiv in der Schweiz.

Schinzel: Das sehe ich ganz anders. Hamas tat immer, was ihre Charta vorgab: Es geht und ging um die Vernichtung Israels, um die Vernichtung auch der jüdischen Bevölkerung. Was wäre das für ein Signal an die jüdische Bevölkerung, wenn wir nun kein Verbot, also nichts machen? Die EU macht es! Zudem hätte der Bund viel mehr Kompetenzen, gegen Hamas-Aktivitäten in der Schweiz vorzugehen.

Zum Maulkorb-Vorwurf (Auszüge)

Goetschel: Ich bin als Person aber auch von meiner Funktion her dem Frieden verpflichtet. Wir (Swisspeace) sind nie parteiisch, wir sind keine Lobbyorganisation, sondern ein Forschungsinstitut, in dem auch unterschiedliche Meinungen vertreten werden. Und wenn man unserem Institut aufgrund einer Aussage einer forschenden Person kein Geld gibt, dann ist das ein Maulkorb.

Schinzel: Der Maulkorb-Vorwurf ist total falsch. Herr Goetschel kann sagen, was er will, dafür stehe ich ein. Swisspeace ist eine private Organisation, wenn auch assoziiert mit der Uni, und Herr Goetschel gibt deren Richtung vor. Ich konnte aus inhaltlichen Gründen hinter dem Projekt nicht mehr stehen. Wir im Landrat sind dafür zuständig, das Geld gut zu platzieren.

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Claude Bühler

Claude Bühler

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