22.02.2025 Basel 3 minMinuten Lesedauer

Basel gedenkt den getö­teten Hamas-Geiseln

Nachdem die Terroristen mehrere Geisel-Leichen über­gaben, fand eine Mahn­wache auf dem Barfüsser­platz statt.

Bild: Luca Thoma

Für Israel, die jüdische Gemeinde in Basel und die Weltöffentlichkeit ist es der Tag nach einem grossen Schock: Gestern Donnerstag übergaben die Hamas-Terroristen zum ersten Mal tote Geiseln an Israel (mehr dazu).

In einer Propaganda-Aktion, die Züge eines Familienfests hatte, zelebrierte die Hamas die Freigabe von vier Särgen: Darin lagen die Leichen der kleinen Kinder Kfir und Ariel Bibas sowie des Friedensaktivisten Oded Lifshitz. Sie alle waren am 7. Oktober 2023 von den Terroristen entführt worden. In der vierten Leiche war zunächst die Mutter der Bibas-Brüder, Schiri, vermutet worden. Es handelte sich jedoch um eine Bewohnerin des Gaza-Streifens.

Vor allem die Ermordung der beiden Minderjährigen löst grosse Betroffenheit aus. Um den vier Opfern der Hamas zu gedenken, versammelten sich heute Freitagnachmittag über hundert Menschen auf dem Barfüsserplatz für eine Mahnwache.
 

Bild: Luca Thoma

Organisiert hatte die Veranstaltung eine laut Eigenbeschreibung «bunt zusammengewürfelte Truppe» aus dem Umfeld der jüdischen Gemeinde mit Unterstützung der Organisation Never Again is Now Switzerland: «Wir schweigen nicht, sondern wollen öffentlich trauern», sagte eine Organisatorin, die nicht mit Namen genannt werden möchte.

Um den Ermordeten zu gedenken, legten die Anwesenden Plüschtiere, Blumen und Transparente auf ein grosses Plakat, das den bei der Entführung neun Monate alten Kfir Bibas zeigte.

Vor Ort war auch FDP-Landrat Marc Schinzel. Er sei extra früher von seinem Arbeitsplatz in Bern hierhergefahren: «Mir ist es wichtig, Präsenz zu zeigen für unsere jüdischen Mitbürger. Sie gehören zu uns. Da wurden Menschen brutal ausgelöscht. Der Totenkult der Hamas-Terroristen ist abscheulich.»

FDP-Landrat Marc Schinzel (links) und Pfarrer Frank Lorenz. Bild: Luca Thoma
Ari Lee, Vikarin in der Of­fenen Kirche Elisa­bethen. Bild: Frank Lorenz / zVg

Ebenfalls an der Mahnwache teil nahmen prominente christliche Geistliche wie der Münsterpfarrer Lukas Kundert und Stadtpfarrer Frank Lorenz von der Offenen Kirche Elisabethen, der mit seiner Vikarin Ari Lee auf den Barfüsserplatz kam: «Wir möchten unsere Trauer öffentlich machen.»

Besonders betroffen zeigten sie sich von der Unklarheit über den Verbleib der Mutter der Zwillinge: «Das Vorgehen der Hamas macht uns sprachlos.»

Eine eindrückliche Rede hielt ein Besucher namens Moshe: «Ich kam heute aus Israel nach Basel. Das ganze Land ist in Trauer.» Er selbst habe zwei Enkel im Alter von Kfir und Ariel Bibas: «Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Mensch dazu in der Lage sein kann, zwei unschuldige Seelen mit blossen Händen zu töten.»

Der Besucher Moshe aus Israel (mit rotem Pul­lover). Bild: Luca Thoma
Ben, Patricia und Leo­nora Scherz (von links) reisten extra aus Thun an. Bild: Frank Lorenz / zVg

Seine Eltern, so Moshe, seien Holocaust-Überlebende gewesen: «Ich konnte mir nie vorstellen, wie es ihnen danach gelungen ist, ein zweites Leben zu starten.» Diese Kraft wünsche er nun dem Vater der getöteten Zwillinge, der bereits von der Hamas freigelassen wurde – «auch wenn sein Herz gebrochen ist.»

Zum Schluss liessen die Anwesenden über hundert orange Ballone in den Basler Himmel steigen und sangen die israelische Nationalhymne «haTikwa». Abgesehen von einem Passanten, der die Anwesenden als «Zionisten» beschimpfte, war die Stimmung ruhig und besinnlich.

Bild: Luca Thoma

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Luca Thoma

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