02.02.2026 Basel 4 minMinuten Lesedauer

Verkommt der Markt­platz zur ewigen Gross­baustelle?

Gleisarbeiten, Um­ge­staltung und Go Basel Go: Der zentrale Platz könnte inner­halb weniger Jahre drei­mal umgebaut werden.

von Martin Regenass
Im 2019 sind die Wackensteine auf dem Platz saniert worden. Sie haben sich mit den Jahren verschoben. Bild: Martin Regenass

Kurz und knapp

  • Innerhalb weniger Jahre könnten Bauarbeiter den Marktplatz gleich mehrere Male umbauen. Bereits diesen Frühling stehen Gleissanierungen und Verstärkungen der Überbauung des Birsigs an.
  • Darauf folgt ein vom Grossen Rat abgesegnetes Vorprojekt zu einem flächendeckenden Umbau ab 2032. Falls die Initiative «Go Basel Go» angenommen würde, würde der Platz nochmals umgebaut.
  • Aber «Go Basel Go» wird aktuell bei der Sanierung des Marktplatzes nicht berücksichtigt. Jetzt fordert der Initiative-Präsident Anpassungen.

Kommenden April fahren am Marktplatz die Bagger auf. Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) müssen einerseits die Gleise zwischen Gerbergasse und Schifflände erneuern. Der rege Tramverkehr hat sie herunter gefeilt. Andererseits müssen die Haltekanten der Tramhaltestelle Marktplatz erhöht werden, sodass Menschen mit einer Behinderung stufenlos ein- und aussteigen können.

Zudem fliesst unter dem Marktplatz der Birsig durch. Dessen Überdeckungsplatten müssen verstärkt und saniert werden. Des Weiteren werden die Industriellen Werke Basel (IWB) Wasser- und Fernwärmeleitungen erneuern. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich bis im Herbst 2026 dauern. Während den Sommerferien wird der Tramverkehr durch die Innenstadt während zehn Wochen gesperrt. Kostenpunkt: knapp 7 Millionen Franken.

Gemäss der Basler Regierung seien diese Renovierungsarbeiten mit einem zweiten geplanten Umbau des Marktplatzes abgestimmt. Für diese flächendeckende Umgestaltung haben verschiedene Grossräte und Grossrätinnen Vorschläge eingebracht.

So fordert etwa der ehemalige SP-Grossrat Christian von Wartburg eine Einebnung des Platzes, indem die Trottoirs «eingeklappt» werden. Dabei könnten auch Bedingungen für mehr Boulevardgastronomie geschaffen werden, wie es FDP-Grossrat Luca Urgese fordert.

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Grosse Umgestaltung frühestens ab 2032 umsetzbar

Bei dieser Komplett-Umgestaltung, bei der auch die Schifflände miteinbezogen ist, soll die Führung der Fussgänger und Velowege über den Marktplatz geprüft und möglicherweise verändert werden. Die Fussgängerströme könnten von den Velofahrern entflechtet werden.

Aktuell kommt es in der Fussgängerzone vor dem Rathaus immer wieder zu Konflikten zwischen Velofahrerinnen und Fussgängerinnen, weil weder die einen noch die geltenden Verkehrsregeln zu kennen oder zu respektieren scheinen. Um die Gefährlichkeit solcher Situationen zu entschärfen, rief eine grossrätliche Kommission bereits nach staatlichen «Sensibilisierungs-Massnahmen».

Die gesamte Umgestaltung des Marktplatzes zu einer Fläche mit besseren Bedingungen für Boulevardgastronomie, entflechteten Velo- und Fussgängerwegen sowie einigen Bäumen befindet sich aktuell im Status eines Vorprojekts. Damit die Planer dieses vorantreiben können, hat der Grosse Rat 350'000 Franken gesprochen.

Wie aus einem Grossratsdokument hervorgeht, könnte dieses Vorprojekt frühestens 2028 in den politischen Prozess gelangen und dann seinen Lauf durch die Kommissionen und das Basler Parlament nehmen. Wie das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) auf Anfrage von Prime News erklärt, sei die Neuorganisation und Umgestaltung der Schifflände und des Marktplatzes – und damit eine weitere Grossbaustelle – «frühestens» ab 2032 vorgesehen. 

Bauarbeiten am Südende des Marktplatzes. Archivbild: Anja Sciarra

«Go Basel Go» hat keinen Einfluss auf Baustellenplanung

Zu Beginn der Umgestaltung in sechs Jahren könnte auch die Initiative «Go Basel Go» volle Fahrt aufnehmen (Prime News berichtete). Das politisch breit abgestützte Volksbegehren um die Star-Architekten Pierre de Meuron und Jacques Herzog sowie Crossair-Gründer Moritz Suter will den Marktplatz innerhalb von «vier bis fünf Jahren» vom Tramverkehr befreien. Die Trams sollen über den Petersgraben fahren, die Innenstadt soll eine Steigerung der Attraktivität erfahren.

Shuttle-Busse sollen die Aufhebung der Tramhaltestelle am Marktplatz kompensieren, und ältere Menschen oder Menschen mit einer Behinderung noch näher ins Zentrum fahren.

Verfängt die Initiative «Go Basel Go» beim Stimmvolk, könnte dies zur Situation führen, dass der Marktplatz innerhalb weniger Jahre zum dritten Mal zur Grossbaustelle mutiert. Abermals müssten Gewerbetreibende und Geschäfte Lärm, Staub und schweres Gerät vor ihren Läden erdulden, was zu Umsatzeinbussen, Ärger und Unzufriedenheit führen könnte (zum Gastkommentar von Prime News).

So könnte der tramfreie Marktplatz aussehen. Visualisierung: Herzog & de Meuron

Baudepartement: «Initiative kippt keine Grossratsbeschlüsse»

Zuständig für die Koordination der Baustellen und Projekte ist das BVD. Auf Anfrage von Prime News sagt Mediensprecher Daniel Hofer, dass die Unterschriftensammlung für «Go Basel Go» aktuell «keinerlei» Einfluss auf die Renovierungsarbeiten der Gleise oder die darauf folgende Neu- und Umgestaltung des Marktplatzes und der Schifflände haben werden.

Die Tramgleise müssten laut Hofer in diesem Abschnitt wegen ihres Zustandes zeitnah saniert und die Haltestellen wegen des Behindertengleichstellungsgesetzes des Bundes kommenden Sommer erhöht werden.

Der Grosse Rat hat die Neugestaltung des Marktplatzes und der Schifflände bereits 2022 projektiert und die Gelder für das Vorprojekt somit beschlossen. Dazu sagt Hofer: «Das Sammeln von Unterschriften für eine Initiative kann keine Grossratsbeschlüsse kippen.» Falls aber «Go Basel Go» zustande komme, werde sich der Regierungsrat zu «gegebener Zeit» zur Initiative äussern.

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Initianten fordern: «Planung auf Initiative anpassen»

LDP-Grossrat Michael Hug hält es grundsätzlich für «richtig», dass eine laufende Initiative Beschlüsse des Grossen Rats oder der Regierung nicht einfach so aushebelt. Hug, der die Initiative Go Basel Go präsidiert, plädiert aber dafür, dass laufende Planungen keine vollendeten Tatsachen schaffen.

Vor allem bei der Sanierung der Decke über den Birsig sieht Hug keine Konfliktpunkte mit der möglicherweise zustande kommenden Initiative «Go Basel Go». «Die Ertüchtigung ist vor allem eine Massnahme des Hochwasserschutzes und bildet die Grundlage, worauf dann die Umgestaltung des Marktplatzes fusst. Unabhängig davon, nach welcher Variante er umgestaltet wird.»

Zum aktuellen Stand der Unterschriftensammlung sagt Hug, dass das Komitee «Go Basel Go» aktuell bei mehr als der Hälfte der 3000 notwendigen Unterschriften angekommen sei. Hug: «Wir sind auf gutem Weg.»

Mathys: «Abstimmung wahrscheinlich bis 2032»

Für SP-Grossrätin Lisa Mathys ist klar, dass eine noch nicht eingereichte Initiative keine Auswirkung auf gefasste Beschlüsse haben darf. «Eine Initiative in der Sammelphase hebt geltende Beschlüsse nicht auf.» 

Mathys schätzt, dass über die Initiative «Go Basel Go» sicher bis 2032 abgestimmt sein wird. Der Zeitpunkt, zu dem mit der Umgestaltung des Marktplatzes begonnen werden soll. «Somit können die Debatten und Entscheide zu Go Basel Go gegebenenfalls einfliessen.»

Eine tramfreie Innenstadt nach «Go Basel Go» sei eine «grosse Vision». Mathys: «Bis diese nach einer allfälligen Annahme der Initiative umgesetzt wird, dauert es sicher wieder 15 bis 20 Jahre. Dementsprechend soll man beschlossene Projekte sicher nicht heute stoppen.»

Ein Zustandekommen von Go Basel Go könnte nicht nur mit Bauarbeiten am Marktplatz zu Konflikten führen. Im Clinch steht der tramfreie Marktplatz auch mit dem Ausbau des Tramnetzes über den Petersgraben (Prime News berichtete).

Die letzten Bauarbeiten am Marktplatz endeten mit der Neueröffnung des Globus Ende Oktober 2025. Das Gebäude wurde zuvor entkernt und neu aufgebaut. Eine umfassende Sanierung des Platzes samt neuer Pflästerung fand im Jahr 2019 statt.

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Martin Regenass

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