15.05.2026 UniBâle 56 minMinuten Lesedauer

«Ärmere Leute waren der Pest stärker ausgesetzt»

Zu Gast bei UniBâle: Die Archäo-Anthro­po­lo­gin Laura Rindlisbacher hat heraus­ge­fun­den, wer zumeist an der Pest in Basel starb.

Basels Pestgeschichte

Laura Rindlisbacher, Archäo-Anthropologin an der Uni Basel. Bild: Claude Bühler

Der letzte dokumentierte Pestausbruch in der Schweiz grassierte zwischen 1665 und 1670 und kostete zahlreiche Menschenleben, auch in Basel. Aber vom Tod waren nicht alle sozialen Schichten in gleicher Weise betroffen. Das zeigt die Untersuchung menschlicher Überreste aus Gräbern dieser Zeit.

Im Kreuzgarten des ehemaligen Basler Barfüsserklosters, wo heute das Stadtcasino steht, kamen bei Ausgrabungen der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt über 260 neuzeitliche Gräber aus dem 17. Jahrhundert zum Vorschein. Ein interdisziplinäres Team, zu dem auch Forschende der Universität Basel zählten, hat diese untersucht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift «Antiquity» erschienen.

Eine Analyse alter DNA bestätigte, dass der Erreger Yersinia pestis bei mindestens fünf Individuen vorhanden war. «Das ist ein starker Hinweis darauf, dass die Pest Ursache für das katastrophale Sterbeereignis war, das Mehrfachbestattungen erforderte», sagt Laura Rindlisbacher, Erstautorin der Studie.

Die frühere Zeit nicht zu negativ denken

Im UniBâle-Podcast gibt uns Laura Rindlisbacher anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse ein neues Verständnis der Zeit des 17. Jahrhunderts, in der Armut noch in eine «würdige» und eine «unwürdige» unterteilt wurde. Die Ehre stellte eine wesentliche Kategorie im bürgerlichen Leben dar.

Fazit 1: Wer arm war und sich sein Leben täglich verdienen musste, war stärker einer möglichen Ansteckung durch die Pest ausgesetzt.

Fazit 2: Wer arm war, war selbst schuld – was aber nicht unbedingt heissen musste, dass man damit allein und ohne Unterstützung gelassen wurde.

Rindlisbacher schildert die damaligen Abwehrmethoden gegen die Pest – und dass es die Basler Regierung damals nicht immer so genau damit nahm. Es gibt durchaus Parallelen zur Corona-Pandemie. Da oftmals räumliche Enge und ein reges soziales Leben herrschte, setzte sich die Pest zuweilen sehr stark durch. Zudem wurden aus wirtschaftlichen Gründen die Stadttore nicht geschlossen.

Die Basler Archäo-Anthropologin wehrt sich aber gegen ein zu negatives und dumpfes Bild früherer Jahrhunderte. Es habe damals erstens auch Überlebende gegeben, zweitens die Leute genossen viel Lebensfreude und Kreativität und drittens lebten diverse, also vielfältige Lebenswelten.

Mehr  Informationen zur Studie.

UniBâle ist der Wissenschaftspodcast auf Prime News. Das Gespräch moderiert Claude Bühler. «UniBâle» ist eine Kooperation zwischen Prime News und der Universität Basel und wird präsentiert von Interpharma. 

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