«Ein schön geschnittener Rasen ist das Langweiligste überhaupt»
Der Verein «Natur in Basel» bietet kostenlose Gartenberatungen für Privatpersonen an. Die Nachfrage nach Biodiversität steigt.
Kurz und knapp:
- Der Verein «Natur in Basel» bietet seit drei Jahren kostenlose Gartenberatungen an. Das Bedürfnis nach so einem Angebot zeigt sich in den zahlreichen Beratungen.
- Das Bewusstsein für Biodiversität sei vorhanden, so Co-Präsident Jürg Stöcklin. Nur das Know-how fehle häufig.
- Biodiversität muss nicht teuer sein. Viele wirkungsvolle Massnahmen kosten kaum etwas: Pflanzenstängel über den Winter stehen lassen, einen Asthaufen anlegen, Sandflächen für Wildbienen schaffen oder einheimische Stauden pflanzen.
Basel ist dicht bebaut. Doch gerade zwischen Wohnhäusern, in Hinterhöfen und Privatgärten sieht der Verein «Natur in Basel» enormes Potenzial für mehr Biodiversität. «Die privaten Grünflächen machen mindestens eine so grosse Fläche aus wie alle öffentlichen Grünanlagen zusammen», sagt Co-Präsident Jürg Stöcklin. Genau dort setzt der Verein mit seinem kostenlosen Beratungsangebot an.
Entstanden ist der Verein vor rund drei Jahren aus einem Biodiversitätsatelier der Christoph-Merian-Stiftung. Die Grundidee war einfach: Viele Menschen möchten ihren Garten oder ihre Umgebung ökologisch aufwerten – wissen aber nicht, wie. «Das Bewusstsein ist vorhanden. Was oft fehlt, ist das Know-how», sagt Stöcklin.
Wer eine Beratung möchte, erhält deshalb nicht einfach ein paar allgemeine Tipps. Nach einem ersten Telefongespräch besucht eines der vier Mitglieder des Beratungsteams den Garten vor Ort. Anschliessend entsteht ein individuelles Dossier mit Skizzen, Pflanzenlisten und konkreten Vorschlägen für die Umsetzung. Für Balkone bietet der Verein speziell ausgearbeitete Informationsdossiers an.
«Jede Fläche zählt»
Ob kleiner Innenhof oder grosser Familiengarten – grundsätzlich spielt die Grösse keine Rolle. «Jede Fläche zählt», sagt Co-Präsidentin Daniele Martinoli. Zwar seien grössere Flächen für manche Tierarten wertvoller, so Stöcklin, doch auch kleine Gärten könnten als sogenannte «Trittsteinbiotope» dienen und Lebensräume miteinander verbinden.
Dass das Bedürfnis nach solch einer Beratung vorhanden ist, zeigt die Nachfrage. Nach einem Pilotjahr führte der Verein 2025 bereits rund 60 Beratungen durch. Auch in diesem Jahr dürfte die Zahl erreicht werden. Insgesamt wurden bisher rund 150 individuelle Dossiers erstellt. Besonders gefragt ist das Angebot im Frühling, wenn viele Gartenbesitzer ihre Umgebung neugestalten möchten.
Der perfekte Rasen ist kein Naturparadies
Immer wieder stelle der Verein fest, dass viele Menschen ein falsches Bild von einem «schönen» Garten hätten. Perfekt gemähte Rasenflächen und sauber zurückgeschnittene Beete mögen ordentlich aussehen. Ökologisch wertvoll sind sie jedoch kaum.
«Eine vielfältige Bepflanzung mit mehrheitlich einheimischen Arten, Nischen für Kleintiere und ein Verzicht auf Pestizide und Dünger sind im Grundsatz das Wichtigste. Dazu ein paar wilde Ecken wirken sich immer positiv auf die Biodiversität», sagt Martinoli. Und «ein naturnaher Garten kann durchaus auch schön sein». Asthaufen, verblühte Pflanzenstängel oder Brennnesseln könnten ästhetisch wirken und würden zahlreichen Insekten und Kleintieren als Lebensraum dienen.
Stöcklin formuliert es noch deutlicher: «Der schön geschnittene Rasen ist ungefähr das Langweiligste, was ich mir vorstellen kann, in Bezug auf die Biodiversität.»
Ebenso häufig werde unterschätzt, wie unterschiedlich die Bedürfnisse von Pflanzen seien. Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit oder Feuchtigkeit spielen eine entscheidende Rolle. «Viele kaufen Pflanzen und setzen sie irgendwo ein. Wenn sie dann eingehen, glauben sie, ihnen fehle der grüne Daumen. Dabei fehlt oft einfach das Wissen.»
«Biodiversitätsförderung kann man nur mit den Menschen.»
Lange Zeit sind Städte und Natur als Gegensätze verstanden worden. Dieses Denken hat sich grundlegend verändert. Heute können Städte einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten, vorausgesetzt, Grünflächen würden nicht weiter verloren gehen und miteinander vernetzt.
«Der Siedlungsraum ist eine grosse Chance für die Biodiversität», sagt Stöcklin. Gleichzeitig nehme der Druck durch Neubauten und versiegelte Flächen weiter zu. Gerade mit Blick auf den Klimawandel seien Bäume, naturnahe Gärten und entsiegelte Flächen aber wichtiger denn je.
Die Stadt Basel mache in ihren Augen nicht genug für die Biodiversität. Das Hauptproblem von Städten ist laut Stöcklin: «Biodiversitätsförderung kann man nur mit den Menschen.» Die Stadtgärtnerei mache zwar im Allgemeinen keinen schlechten Job. Aber für ihn sei es unverständlich, warum es keine Beratung für Privatpersonen gibt, wie ihr Verein das anbiete. «Das sollte eigentlich Aufgabe der Stadt sein.»
Naturnah muss nicht teuer sein
Wer seinen Garten biodivers gestalten möchte, muss dafür keine Tausende Franken investieren. Viele wirkungsvolle Massnahmen kosten kaum etwas: Pflanzenstängel über den Winter stehen lassen, einen Asthaufen anlegen, Sandflächen für Wildbienen schaffen oder einheimische Stauden pflanzen.
«Natur ist gratis», sagt Stöcklin. «Wenn man ihr den richtigen Raum gibt, kommen viele Tiere und Pflanzen oft ganz von selbst.»
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