Als die alten Römer und Griechen Süditalien entdeckten
Seit zehn Jahren führt die Uni Basel Ausgrabungen in Francavilla Marittima durch. Jetzt gibt es dazu eine Ausstellung.
Seit zehn Jahren erforschen Archäologinnen und Archäologen sowie Studierende der Universität Basel antike Gräber in Süditalien. Nun werden die Ergebnisse in einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek gezeigt, die am 12. April eröffnet wird.
«Die Gräber stammen aus einer Zeit, als die ersten Griechen und Orientalen vor rund 3'000 Jahren in der Region ankamen, und dokumentieren den Kulturaustausch mit der lokalen Bevölkerung», schreibt die Universität in einer Medienmitteilung.
Bereits in der Antike war der Süden Italiens eine Drehscheibe für Migration. Die eisenzeitliche Siedlung (ca. 800 – 700 v. Chr.) von Francavilla Marittima spielte dabei eine Schlüsselrolle als Kontaktort zwischen Einheimischen und Händlern und Kolonisten aus Griechenland und dem Vorderen Orient.
Seit 2009 erforscht das Basler Projekt die Begräbnisstätte dieses Ortes und hat bislang 33 Gräber von Frauen, Männern und Kindern freigelegt. Grabbeigaben wie Gefässe, Statuetten, Schmuck und Waffen bieten eine Fülle von Informationen zur Lebensweise der lokalen Elite und ihrer Reaktion auf die Ankunft der Migranten.
«Wir haben anfangs starke Gegensätze vermutet zwischen den Einheimischen und den Kolonisten», wird Archäologe und Ausgrabungsleiter Martin Guggisberg im Communiqué zitiert. «Nach zehn Jahren Forschung sehen wir die Beziehung in neuem Licht: Nicht Konfrontation und Gegnerschaft bestimmten das Bild, sondern dynamische Prozesse kultureller Transformation, die ab ca. 700 v. Chr. zur schrittweisen Etablierung einer neuen, griechischen Ordnung führten.»
Hinweise für das Ineinandergreifen von Althergebrachten und Neuem entdeckte das Forschungsteam unter anderem im Grab eines lokalen Machthabers, schreibt die Universität Basel weiter. «Unter seinen Beigaben fanden sich allerlei Gefässe und Schalen, die nach Griechenland weisen und die Übernahme neuer Trink- und Kulturpraktiken belegen. Hingegen unterstreicht seine Körperbestattung in Embryoposition ein Festhalten an der einheimischen Tradition».
Von besonderer Bedeutung sei auch der Fund von drei eisernen Schwertern. Sie gehörten zu den ältesten Belegen dieser neuen «Waffengattung» in Italien und dokumentierten das Eindringen neuer Kampftechniken aus dem Osten. «Da die Schwerter sehr schlecht erhalten waren, hat das Forschungsteam zunächst einen Gipsmantel und dann digitale Analyseverfahren genutzt, um sie zeichnerisch und im 3D-Druck zu rekonstruieren».
An der Lehrgrabung in Francavilla Marittima haben im Lauf der Jahre rund 70 Studierende mitgewirkt. (ck)
Martin Guggisberg vom Fachbereich Archäologie der Universität Basel führt am 12. April 2019 um 17.30 Uhr in die Ausstellung ein. Weiterhin sprechen Prof. Dr. Thomas Grob, Vizerektor der Universität Basel, Dr. Pietro Maria Paolucci, Italienischer Konsul in Basel, sowie Dr. Franco Bettarini, Bürgermeister von Francavilla Marittima.
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