Basler Kantonslabor deckt Bschiss bei Thunfisch auf
In 6 von 13 Stichproben wurde das Fleisch illegal gefärbt. Die illegale Praxis lässt sich dank einer neuen Methode nachweisen.

Qualitatitv hochwertiges Thunfischfleisch mit entsprechendem Preis zeichnet sich durch eine rote Farbe aus. Bei der Lagerung verfärbt es sich allerdings rasch in ein unappetitliches braun. In der Branche wird aber offensichtlich getrickst und der Konsument getäuscht.
So schreibt das Basler Kantonslabor in einem Communiqué am Dienstag: «Um weiterhin den Anschein frischer Ware zu vermitteln, wird das Fleisch durch illegale chemische Behandlung künstlich gerötet.»
Nun hat die Abteilung jedoch ein neues Verfahren für den Nachweis von illegal mit dem Stoff Nitrit gefärbtem Thunfischfleisch entwickelt und 2019 entsprechende Marktkontrollen durchgeführt. Das Resultat gibt zu denken: Bei sechs von 13 Proben war das Resultat positiv.
Zwar bestand keine Gefährdung für die Gesundheit, wie Amtsleiter Philipp Hübner auf Anfrage von Prime News erklärt. Eine Fäulnis sei bei Untersuchungen nicht festgestellt worden. Dennoch verstösst das Vorgehen gegen das Gesetz und stellt eine Irreführung des Kunden dar, dem eine Frische vorgegaukelt wird, die nicht zutrifft.
Vorerst gibt sich das Kantonslabor aber kulant. Die Importeure und Händler hätten bislang selber keine Möglichkeit gehabt, Tests an der verkauften Ware durchzuführen. Mit der entwickelten Methoden stehe ihnen nun ein neues Werkzeug zur Verfügung, um das Nachweisverfahren beim Thunfisch besser zu kontrollieren.
«Die Importeure und Händler sind in der Pflicht, ihre rechtlich vorgeschriebene Selbstkontrolle entsprechend anzupassen. Das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt wird den Erfolg dieser Massnahmen durch weitere Marktkontrollen kontrollieren», schreibt das Amt in ihrer Medienmitteilung.
Sollten weitere Fälle illegalen Färbens entdeckt werden, so Hübner gegenüber Prime News, werde Strafanzeige wegen des Verstosses gegen das Lebensmittelrecht eingereicht.
Illegales Färben war schon früher ein Problem
Das Problem des illegalen Färbens ist indes nicht neu. Bereits in den Jahren 2005 und 2006 stellte das Kantonslabor bei 20 Prozent aller Untersuchungen fest, dass das Thunfischfleisch mit Kohlenmonoxid behandelt worden war. Derartige Fälle hätten dann aber aufgehört.
«Wie dann im Jahr 2016 durch Insiderinformationen bekannt wurde, wird auch mit Nitrit die gewünschte Rötung des Fleisches vorgetäuscht», so das Kantonslabor. Die Täuschung scheine sich zu lohnen. «In der EU wurde 2017 der Gewinn mit entsprechend behandeltem Thunfischfleisch auf 200 Millionen Euro geschätzt.»
Bis dato habe die Lebensmittelkontrolle das Nitrit im Fischfleisch jedoch nicht nachweisen können. Dafür hätten die Betrüger durch den Zusatz von Vitamin C gesorgt, welches das Nitrit chemisch umwandle und so verschwinden lasse.
Bei seiner neuen Methode sucht das Kantonslabor deshalb nicht mehr nach Nitrit, sondern nach dem Umwandlungsprodukt Lachgas. «Zeigt der Test für eine Probe Lachgas an, ist dies der Beweis, dass das Thunfischfleisch zuvor mit Nitrit behandelt wurde.» (ck)
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