Basel hinkt Zürich bei der Digitalisierung massiv hinterher
Mit der Plattform «be-digital» will die Handelskammer regionale Firmen bei der digitalen Transformation unterstützen.

«Digitalisierung» ist das Zauberwort der Stunde: Politiker benutzen es ebenso gerne und oft wie Wirtschaftsführer oder Bildungsexperten. Wer nicht digital ist, ist analog, und damit von gestern. Die Zukunft, so liest und hört man allenthalben, findet im Netz statt.
Noch ist diese volldigitalisierte Zukunft allerdings nicht überall in Sichtweite. Basel scheint im nationalen Vergleich einiges an Aufholbedarf zu haben, zumindest gegenüber Zürich. Dies wurde heute in einem Zelt beim Meret-Oppenheim-Platz deutlich. Die Handelskammer beider Basel (HKBB) lud dort heute Mittag zu einer Auftaktveranstaltung für ihre neue Plattform «be-digital».
So sind im Raum Basel heute 7'500 Personen in der ICT-Branche beschäftigt, während es in Zürich über 50'000 sind. Und während in der Schweiz laufend neue Arbeitsplätze in diesem Bereich entstehen, stagniert der Stellenbestand in Basel.
«Basel hat hier defintiv noch Entwicklungspotenzial», sagte HKBB-Direktor Martin Dätwyler in seiner Ansprache. Und genau in diese Richtung zielt die Plattform «be-digital»: Sie ist einerseits eine Anlaufstelle für Firmen, die den Sprung ins digitale Zeitalter in Angriff nehmen wollen. Andererseits bietet sie den Unternehmen die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und sich gegenseitig in diesem Prozess zu unterstützen.
«Den Grossen muss man nicht erklären, wie man die Digitalisierung angehen muss. Aber bei den KMU gibt es aus unserer Sicht noch viel Nachholbedarf», sagt Deborah Strub, Abteilungsleiterin Cluster & Initiativen bei der HKBB.
Auch Hochschulen sind involviert
«be-digital» ist eine Fortführung der Initiative «are you digital», die die HKBB vor zwei Jahren lancierte. Man werde auch weiterhin Workshops und individuelle Checkups für Firmen anbieten, die Unterstützung bei der digitalen Transformation brauchen, so Strub.
Zudem gehe es nun darum, der ICT-Branche in der Region zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, ergänzt HKBB-Direktor Dätwyler. «Zürich übt unter anderem wegen Playern wie Google eine enorme Sogwirkung auf Talente aus. Wir wollen mit unserer Plattform aufzeigen, dass es auch in Basel eine solche Branche gibt, die spannende Arbeitsplätze anbietet».
Was es am Rheinknie schon alles gibt, davon konnten sich die Besucher des Infozelts gleich selber überzeugen. Da ist zum Beispiel das Start-Up «Advancience» aus Allschwil, das Computerspiele für die medizinische Diagnostik entwickelt. Die Spiele bieten Ärzten die Möglichkeit, beispielsweise die kognitiven Fähigkeiten ihrer Patienten zu evaluieren.
Die Plattform ist institutionell an eine Trägerschaft gebunden, der neben regionalen Firmen auch das Departement Mathematik & Informatik der Uni Basel sowie das Institut für Wirtschaftsinformatik der FHNW angehören. «Die Anbindung an die Hochschulen soll den Transfer der Forschung in die Praxis erleichtern», so Strub.
Text: ost
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