Lukas Engelberger verteidigt drastische Massnahmen
In einem Interview mit der Basler Zeitung nimmt der Gesundheitsdirektor Stellung zur aktuellen Coronavirus-Situation.

Genau vor einer Woche griff die Basler Regierung zur Ultima Ratio und sagte an einer denkwürdigen Pressekonferenz im Rathaus die Basler Fasnacht ab. Hintergrund für diesen Entscheid bildete die Vorgabe des Bundesrats, sämtliche Veranstaltungen mit mehr als 1'000 Teilnehmenden in der Schweiz zu untersagen.
In einem ausführlichen Interview mit der Basler Zeitung äussert sich nun der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger zur aussergewöhnlichen Situation Dabei nimmt er auch zu konkreten Fragen Stellung, die in der breiten Bevölkerung im Zusammenhang mit der Eindämmung des Coronavirus kontrovers diskutiert werden.
So fragen die BaZ-Journalisten beispielsweise, weshalb ein Event mit über 150 Leuten verboten wird, die Menschen aber weiterhin in voll besetzten Trams oder S-Bahnen unterwegs sein dürfen. Wo liegt hier der Sinn?
Dazu Engelberger: «Wir befinden uns jetzt in einer frühen Phase. Das Coronavirus ist bei uns angekommen. Jetzt ist es wichtig, das Virus abzubremsen. Stoppen lässt es sich nicht.»
Die «nächste Phase», so der Gesundheitsdirektor, werde darauf ausgerichtet sein, besonders gefährdete Personenkreise zu schützen und die schweren Fälle zu behandeln. Aber man müsse auch «durchhalten» und einen Alltag gewährleisten können.
«Mit den Massnahmen, die jetzt gelten, würgt man die Wirtschaft nicht ab. Aber wenn wir den ÖV untersagen würden, käme alles zum Erliegen. Wir hätten beispielsweise auch Probleme, Spitalpersonal überhaupt ins Spital zu bringen. Unser ganzes System hängt am ÖV», so Engelberger.
Regierungsrat verteidigt drastische Massnahmen
Tatsache ist allerdings, dass der wirtschaftliche Schaden bereits jetzt immens ist – alleine in Basel. Gastronomie und Eventunternehmen beklagen massive finanzielle Einbussen, die – sollte die Krise andauern – auch für bestandene Betriebe existenzgefährdend werden können.
Im BaZ-Interview verteidigt Engelberger das Vorgehen des Regierungsrats: Es gehe darum, das Virus abzuschwächen und seine Dynamik zu unterbinden. Das verschaffe Zeit, um weitere Massnahmen zu ergreifen. «Die Auswirkungen auf unsere Gesundheit sind geringer, als wenn wir nichts unternommen hätten.»
Mit Ausblick auf die nächsten Wochen und Monate räumt der Regierungsrat ein, dass es je länger je schwieriger werde, die getroffenen Vorkehrungen aufrechtzuerhalten. Man werde die Vorschriften dann «sukzessive lockern» müssen – um zu verhindern, dass «der Schaden für die Wirtschaft grösser wird als der Schaden, den das Virus anrichtet.»
Was all die drastischen Bestimmungen in der Schweiz nützen, wenn im nahen Deutschland weiterhin Fussballspiele stattfinden und Karneval gefeiert wird, wirft in den Debatten ebenfalls viele Fragezeichen auf.
«Das sind Realitäten», erklärt Engelberger hierzu. Er räumt ein, dass es «tatsächlich ein wenig an der Akzeptanz für hiesige Massnahmen» nage, wenn andernorts nicht dieselben Einschränkungen gelten. «Letztlich muss man die Verantwortung für den eigenen Zuständigkeitsbereich tragen», hält der Gesundheitsdirektor gegenüber der BaZ fest.
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