Breiter Widerstand in beiden Basel gegen noch mehr Medien-Subventionen
Ein regionales Komitee schliesst sich dem Referendum gegen das geplante «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» an.

Gegen das geplante «Massnahmenpaket zugunsten der Medien», gegen das auf nationaler Ebene das Referendum ergriffen wurde, regt sich nun auch in den beiden Basel breiter Widerstand.
In einem überparteilichen regionalen Komitee (Liste der Mitglieder) bekämpfen rund 50 Exponentinnen und Exponenten aus der Verlagsbranche, Politik und Wirtschaft die Vorlage. Auch Prime News gehört dem Zusammenschluss an.
Das vom Bundesrat und Parlament verabschiedete Gesetz sieht vor, dass der Bund den Medien neu jährlich 178 Millionen Franken – also 125 Millionen mehr als bisher – zukommen lässt. Profiteure, so hält das Komitee heute Donnerstag in einer Medienmitteilung fest, wären in erster Linie die Grossverlage, die selbst im Corona-Jahr 2020 hohe Millionengewinne erwirtschaftet hätten.
Gratis-Lokalzeitungen würden «ausgebremst»
«Das neue Mediensubventionsgesetz ist eine völlige Fehlkonstruktion. Es bedroht nicht nur die Unabhängigkeit der freien Presse, sondern ist auch krass wettbewerbsverzerrend», lässt sich Thomas Weber, Verleger der Gundeldinger Zeitung, im Communiqué zitieren.
Die Vorlage sehe nämlich vor, dass ausschliesslich Bezahlmedien gefördert werden. Beim Publikum beliebte, kostenlose Lokalzeitungen wie die seit 1930 erscheinende Gundeldinger Zeitung oder auch die Kleinbasler Zeitung würden im Markt «bewusst benachteiligt» werden.
«Gemäss der Politik in Bern ist unser von der Leserschaft geschätzter Service public, den wir Woche für Woche erbringen, nichts wert. Das ist total unfair und kann nicht akzeptiert werden», sagt Verleger Thomas Weber.
Innovation wird zerstört
Das Gesetz will zudem neu auch die Onlinemedien unterstützen – aber nur jene, die abonniert sind. Obwohl die Wettbewerbskommission (Weko) diese Subventionen als «verfassungswidrig», «wettbewerbsverzerrend» und «ineffizient» bewertete, würden Bundesrat und Parlament jährlich 30 Millionen Franken an Subventionen ausschütten wollen, so das Referendums-Komitee weiter.
Für Christian Keller, Herausgeber des Basler Onlineportals Prime News, zerstören die Subventionen die Innovation und führen die Medien in die staatliche Abhängigkeit. Es könne nicht sein, dass sich die Politik in einen funktionierenden Wettbewerb einmische und mit dem Einsatz von Steuergeld festlegen wolle, welches Geschäftsmodell das «richtige» sei.
«Dass der Staat im Onlinebereich auf die Aboumsätze einen massiven Zuschlag von bis zu 60 Prozent bezahlt, wie es die Vorlage vorsieht, ist brandgefährlich. Zu behaupten, die Unabhängigkeit der Medien bleibe gewährleistet, ist naiv. Bereits jetzt gibt es in Bern Vorstösse, die nur jene Medien fördern wollen, welche Quotenregelungen und Diversity-Vorgaben erfüllen. Das sagt alles», so Keller.
Sorge um Unabhängigkeit
Grosse Sorgen um die Medien- und Meinungsvielfalt macht sich auch der Basler Unternehmer Marc Jaquet.
«Die Verlage stehen wie alle anderen Branchen in der Pflicht, sich mit innovativen Geschäftsmodellen selbst zu finanzieren. Fliessen hohe Subventionen, geht der Anreiz dafür völlig verloren. Und sind die Medien erst einmal von Staatsgeldern abhängig, werden sie Regierung und Verwaltung nur noch mit Samthandschuhen anfassen.»
Dominik Straumann, Präsident der Baselbieter SVP, sieht diese Gefahr ebenfalls. «Wer beisst schon die Hand, die ihn füttert? Medien müssen frei sein und als vierte Gewalt im Staat wirken. Wenn sie am Staatstropf hängen, können sie ihre Funktion als Wächter im Staat nicht mehr erfüllen.»
Befürchtung, dass junge Leserschaft ausgegrenzt wird
Auch Exponentinnen und Exponenten von Jungparteien gehören dem regionalen Komitee «Nein zu staatlich finanzierten Medien an»
90 der 178 Subventionsmillionen sollen den Printmedien zufliessen. Für Lucio Sansano, Präsident der Jungfreisinningen Baselland, wird damit viel Steuergeld in Auslaufmodelle gesteckt. Das sei nicht nachhaltig. «Mir ist es ein Anliegen, dass der Markt entscheidet, welche Medien es in Zukunft geben wird und nicht der Staat mit starren Subventionen, die überholte Angebote künstlich am Leben erhalten».
Dem Argument von Bundesrat und Parlament, mit den zusätzlichen Millionengeldern könne den Medienhäusern die Transformation ins Internet gelingen, kann Laetitia Block gar nichts abgewinnen. Die Präsidentin der Jungen SVP Basel-Stadt hält fest: «Das ist lächerlich. Onlinemedien sind längst Realität. Gerade die grossen Verlagshäuser setzen bereits seit Jahren auf die Online first-Strategie.»
Block befürchtet zudem, dass mit der neuen Medienförderung praktisch alle Artikel hinter der Bezahlschranke verschwinden. Damit würden die nicht zahlungskräftigen Medienkonsumentinnen und -konsumenten vom Meinungsbildungsprozess ausgeschlossen.
«Sie holen sich die Informationen dann vermehrt bei alternativen Plattformen und werden dadurch beeinflussbarer für zweifelhafte Strömungen. Diese Tendenz können wir nicht gutheissen. Ein weiterer Grund, weshalb das Mediensubventionsgesetz klar abzulehnen ist», sagt Laetitia Block. (red.)
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