12.11.2021 News aus der Region

ACS-Forum: Wirtschafts­professor über Heilige und Schein­heilige

Rainer Eichenberger sprach im Bottminger Schloss zur Kosten­wahrheit im Verkehr – und forderte die Abschaffung sämtlicher Subventionen.

Gastredner Rainer Eichenberger (Mitte), ACS beider Basel-Direktor Christian Greif (l.) und Präsident Andreas Dürr am ACS-Verkehrsforum im Bottminger Schloss. Bild: Christian Keller

Rainer Eichenberger, Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg, ist ein blitzgescheiter Mann, der schnell spricht und noch schneller rechnet. Sein Referat, das er am Donnerstagabend im Bottminger Schloss anlässlich des ACS-Verkehrsforums hielt, glich einem Trommelfeuer an Fakten, Thesen, Schlussfolgerungen. 

«Kostenwahrheit und Kostenscheinwahrheit im Verkehr – Heilige und Scheinheilige in der Politik» lautete die Überschrift, die der Ökonom für seinen Vortrag ausgesucht hatte.

Ob die Gäste im Saal – darunter viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft – jeder Aussage Eichenbergers zu folgen vermochten, darf bezweifelt werden. Auch der Schreibende kam nicht überall mit, das Tempo an komplexen Gedankengängen war ganz einfach zu hoch.

Nutzen des Öffentlichen Verkehrs hinter­fragt

Die wesentlichen Aussagen – manche werden aufjaulen – lassen sich indes auf einen Nenner bringen. Sie haben die Sprengkraft einer Tonne Dynamit: Entgegen der allgemeinen Annahme und «Behauptung seitens der Behörden» schneide der Öffentliche Verkehr im Vergleich zum Motorisierten Individualverkehr nämlich alles andere als gut ab, analysierte Eichenberger. 

Als Beleg präsentierte er ein Zahlenmodell, das er auf amtliche Statistiken abstützte: Während unter Berücksichtigung der negativen Externalitäten (Lärm, Unfälle, CO2-Ausstoss etc.) sowie Einberechnung aller Subventionen das Auto 7,3 Rappen pro Personenkilometer koste, liege der Wert bei Tram und Bus um ein Vielfaches höher, nämlich bei 50,1 Rappen pro Personenkilometer.

Eichenbergers Fazit: «Der forcierte Ersatz des Privatverkehrs durch den Öffentlichen Verkehr ist gesamtgesellschaftlich schädlich.»

Auch das Velo kam in der Bilanz «als ganz schlechtes Verkehrsmittel» (30 Rappen pro Personenkilometer) weg, doch bei diesen Ausführungen wurde der Redner kurzzeitig unterbrochen: ACS-Direktor Christian Greif musste der illustren Runde im Schloss vermelden, dass drei Falschparker doch bitte ihr Auto umparkieren sollten, weil sie die Ausfahrt blockierten.

Zu den «Sündern» gehörte auch der Baselbieter Finanzdirektor, was die allgemeine Heiterkeit unter den Anwesenden zusätzlich steigerte.

Mobility Pricing als Zukunfts­modell

Doch zurück zu den schonungslos vorgetragenen Überzeugungen Eichenbergers, der sich für die komplette Streichung aller Subventionen im Verkehr aussprach. In einem Ausblick zeigte er sich überzeugt, dass der Wandel hin zur Elektromobilität ein «Gamechanger» sei.

Weil die wesentlichen Einnahmen aus den Treibstoff-Abgaben mit der Zeit wegfielen, würde voraussichtlich das Mobility-Pricing (also eine Art Strassenzoll) zur neuen Ertragsquelle des Staates – wobei Eichenberger die erneute Zweckentfremdung der Mittel befürchtete. 

Prime Content

Pfingstrosen-Aktion im Blumen Au Bouquet

Die saisonalen Blumen sind noch bis Ende Woche erhältlich. Bestellungen sind direkt im Laden, telefonisch oder online möglich.

Mehr lesen

Was man schlussendlich mit den teils radikalen Ansichten des Wissenschaftlers anfing, blieb jedem Teilnehmenden sich selbst überlassen. Beim anwesenden Direktor eines öffentlichen Transportunternehmens hielt sich die Begeisterung stark in Grenzen, andere empfanden Eichenbergers Einschätzungen als Bereicherung und Ansporn, endlich einmal eine «Grundsatzdebatte» zu den Kosten im Verkehr zu führen.

In jedem Fall konnte der ACS beider Basel seinem eigenen Anspruch gerecht werden. So hatte Präsident Andreas Dürr anfangs der Veranstaltung das ACS-Verkehrsforum als Plattform beschrieben, wo sich «intelligente Leute in gepflegtem Rahmen» mit der Verkehrsproblematik auseinandersetzten.

Es sei ausserdem das Ziel aufzuzeigen, dass «Autofahrerinnen und Autofahrer nicht so böse sind, wie es immer wieder dargestellt wird», sagte Dürr. Die Statistiken Eichenbergers dürften ihm ausgesprochen gut gefallen haben. (ck)

Die kostenlose Prime News-App – jetzt herunterladen.

1 Kommentar

max. 800 Zeichen

Regeln

Ihre Meinung zu einem Artikel ist uns hochwillkommen. Bitte beachten Sie dazu die nachfolgenden Regeln: Bitte beziehen Sie sich bei Ihrem Kommentar auf das Thema des Beitrags und halten Sie sich an den Grundsatz, dass in der Kürze die Würze liegt. Wir behalten uns vor, Kommentare zu kürzen. Geben Sie Ihren Namen an und benutzen Sie keine Namen anderer Personen oder Fantasienamen – ansonsten sieht die Redaktion von einer Publikation ab. Wir werden ferner Kommentare nicht veröffentlichen, wenn deren Inhalte ehrverletzend, rassistisch, unsachlich oder in Mundart oder in einer Fremdsprache verfasst sind. Über diesbezügliche Entscheide wird keine Korrespondenz geführt oder Auskunft erteilt. Weiter weisen wir Sie darauf hin, dass Ihre Beiträge von Suchmaschinen wie Google erfasst werden können. Die Redaktion hat keine Möglichkeit, Ihre Kommentare aus dem Suchmaschinenindex zu entfernen.

     

 

 

 

     

 

 

 

     

 

 

 

     

 

 

 

Angebote

Immer müde und schlapp?

Andreafer – die leckeren Eisensticks. Profitieren Sie jetzt: Beim Kauf von 3 Packungen erhalten Sie 22% Rabatt!

Immer müde und schlapp?

CHF 50.–
statt CHF 64.70
Disclaimer:
Für den Kauf werden Sie auf die Seite unseres Promotionspartners geleitet.
Zur Übersicht
Schlagzeilen
 
 
Aktuelle Artikel
     

 

 

 
     

 

 

 
News
 
 

Angebote

Rosentraum

Mit diesem Blumenstrauss machen Sie ihren Liebsten eine grosse Freude.

Rosentraum

CHF 98.–
Disclaimer:
Für den Kauf werden Sie auf die Seite unseres Promotionspartners geleitet.
Zur Übersicht