21.09.2022 News aus der Region

Grosser Rat nimmt 88-Millionen-Steuer­senkungs-Paket an

Einzig das Grün-Alter­native Bündnis stimmte dage­gen und kündete Referen­dum an. Tanja Soland will Paket 2023 einführen.

Finanz­direktorin Tanja Soland (SP) erklärte am Mittwoch, dass sie das Paket trotz Referen­dum bereits 2023 ein­führen will. Bild: Christian Keller

Die Basler Bevölkerung soll bei den Steuern um 88 Millionen Franken entlastet werden. Der Grosse Rat hat heute Mittwoch einem entsprechenden Paket von Finanzdirektorin Tanja Soland (SP), respektive der Wirtschafts- und Abgabekommission (WAK) zugestimmt.

Einzig das Grün-Alternative Bündnis (Grüne und Basta) stimmte dagegen und kündete bereits das Referendum an.

Bereits im März, als Soland das umfangreiche Steuerentlastungs-Paket präsentierte, folgte die Kritik sogleich auf dem Fuss. Vor allem der Aspekt, dass auch Vermögende entlastet werden sollen, kam bei den Linken gar nicht gut an. Damals drohten selbst die Sozialdemokraten mit einem Referendum (Prime News berichtete).

Auch der entsprechende Bericht der WAK vom Juni sorgte vor allem bei den Jungsozialisten, den Grünen und der Basta für wenig Begeisterung. Die Kommission hatte den Vorschlag der Regierung mit zwei Ergänzungen um zusätzliche 20 Millionen Franken ausgeweitet.

Juso ist «empört» über Mutter­partei

Heute Mittwochmorgen wurde das Steuersenkungs-Paket von 88 Millionen Franken schliesslich im Parlament behandelt. Trotz der vielen Kritik fiel das Resultat relativ deutlich aus. Nach gut zweistündiger Debatte nahm das Parlament das Paket mit 77 Ja- zu 15 Nein-Stimmen und einer Enthaltung an. Einzig Mitglieder des Grün-Alternativen Bündnisses (GAB) stimmten dagegen.

Sie befürchten, dass mit den zusätzlichen 20 Millionen Franken Steuereinbussen in Zukunft «ausgeglichene Rechnungen gefährdet» wären. Zudem schrieb die Basta bereits im Juni, dass die WAK mit den Steuerentlastungen für Vermögende den Volksentscheid zur Topverdienersteuer «torpediere» und die Schere zwischen Arm und Reich verschlimmere.

Am Mittwoch kündigte das GAB deshalb an, das Referendum zu ergreifen. Auch die Juso Basel-Stadt zieht beim Referendum des GAB mit, wie die Partei am frühen Nachmittag mitteilte. Das Steuersenkungspaket sei «unausgewogen», da es unter anderem die Senkung des mittleren und oberen Einkommens-Steuersatzes um 0,75 Prozent und die Senkung der Vermögenssteuertarife beinhaltet.

Davon profitieren «Topverdiener*innen & Vermögende», so die Juso. Die Jungsozialisten zeigen sich ausserdem «empört» über die Zustimmung ihrer Mutterpartei zum Paket. Auch wenn das Steuersenkungspaket Elemente beinhalte, die aus linker Sicht «erstrebenswert» seien, sei die Gesamt-Vorlage «absolut unausgewogen» und entspreche nicht einem «guten Kompromiss».

Kommt das Referendum zustande, hätte die Bevölkerung das letzte Wort. Wie SP-Finanzdirektorin Tanja Soland heute erklärte, wolle sie die Steuersenkungen allerdings bereits per 2023 einführen. Das sei auch trotz Referendum möglich. (red.)

Hier gibt es die wichtigsten Entlastungs-Massnahmen im Überblick:

  • Erhöhung Kinderabzug auf 8'600 Franken (heute 7'900 Franken)
  • Abzug Kinderdritt-Betreuungskosten auf 25'000 Franken (heute 10'100 Franken)
  • Senkung Einkommens-Steuersatz bis 200'000 Franken von 21.75 auf 21 Prozent
  • Versicherungsabzug: Neu können pauschal 4'000 Franken geltend gemacht werden. Prämienverbilligungen reduzieren den Abzug nicht
  • Unterstützungs-Beiträge: Neu sind auch Beiträge unter 5'500 Franken abzugsfähig
  • Senkung Vermögenssteuern von 9 auf 7.9 Promille bei Vermögen von 750'000 bis 2.5 Millionen Franken, weitere minimale Senkungen in anderen Vermögenssegmenten
  • Steuerliche Entlastung für Fachkräfte: Bei Mitarbeiter-Beteiligungen an Aktienprogrammen, wie es bei Top-Kadern in aller Regel der Fall ist, wird der sogenannte «Bewertungseinschlag» auf den Verkehrswert von 20 auf 30 Prozent erhöht

Ergänzungen der WAK

  • Senkung des mittleren und oberen Einkommenssteuersatzes um je 0,75 Prozentpunkte
  • Erhöhung der Sozialabzüge um 400 Franken pro Person

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