25.05.2023 News aus der Region

Basler Bankenforum im Zeichen von nach­haltigen Anleihen

Welches Potenzial haben «Green Bonds» oder «Social Bonds»? Darum drehte sich ein Podium der Basler Banken­vereinigung.

Es diskutierten Regula Berger, Tanja Soland, Lukas Stückelberger, August Benz. Moderation: Catherine Thommen (v.l.n.r.). Bild: Dominik Plüss / Banken­vereinigung BS

Nachhaltige Anleihen – sogenannte «Green Bonds» oder auch «Social Bonds» – würden inzwischen bei den Kundinnen und Kunden der Basler Kantonalbank einem klaren Bedürfnis entsprechen. Dies erklärte BKB-Konzernleitungsmitglied Regula Berger bei ihrem Inputreferat am «Bankenforum», das am Dienstagabend in der Schalterhalle der UBS am Bankverein stattfand.

Manche Firmen seien sogar nur noch zur Zusammenarbeit bereit, wenn beim Geschäftspartner die Kriterien der internationalen ESG-Normen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) erfüllt seien. «Sie sehen also: Es gibt viele Gründe, warum nachhaltige Finanzierungen immer mehr auf dem Vormarsch sind».

Die Basler Bankenvereinigung organisiert das «Bankenforum» in regelmässigem Abstand. Bei der jüngsten Ausgabe des Gesprächsformats lag der Fokus auf dem Trend hin zu Anleihen, bei denen das investierte Geld ausschliesslich für einen bestimmten nachhaltigen Zweck verwendet wird. Das kann etwa die Ausrüstung eines Dachs mit Solarpaneln sein oder der Bau von gemeinnützigen Wohnliegenschaften.

Selbstredend spielt auch die Energiewende eine grosse Rolle. «Rund 390 Millionen Franken an Investitonen sind erforderlich, um in den nächsten 30 Jahren die Transformation zu einer emissionsarmen Gesellschaft zu meistern. In vielen Bereichen liegt in der Schweiz noch Potenzial brach, was nachhaltige Anleihen betrifft. Aber wir haben nachweislich die finanziellen Ressourcen und erfüllen die Voraussetzungen, um es auszuschöpfen», erklärte Berger weiter.

«Nehmen Vorbilds­funktion ein»: SP-Finanzdirektorin Tanja Soland. Bild: Dominik Plüss / Banken­vereinigung BS
Die Basler Banken­vereinigung veranstaltet in regel­mässigem Abstand das Banken­forum in der Schalter­halle der UBS. Bild: Dominik Plüss / Banken­vereinigung BS

Gerade Basel-Stadt nimmt im Bereich nachhaltiger Anleihen zusammen mit Genf eine Vorreiterrolle ein: So hat der Kanton seit 2018 Green Bonds in der Höhe von 430 Millionen Franken emittiert. Die aufgenommenen Mittel werden beispielsweise für ökologische Sanierungen von Verwaltungsgebäuden eingesetzt.

Bei den Social Bonds fällt Basel noch stärker die Pionierrolle zu: Als erster Ort überhaupt in der Schweiz wurden am Finanzmarkt 110 Millionen Franken aufgenommen, um damit den sozialen Wohnungsbau zu fördern.

Inwiefern dieses besondere Engagement Sinn mache, wollte Moderatorin und SRF-Journalistin Catherine Thommen von der Basler Finanzdirektorin Tanja Soland (SP) wissen. Schliesslich würde in Basel mit seinen erklärten Klimazielen ja ohnehin viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, wenn Bauprojekte realisiert würden.

Soland widersprach nicht: «Da haben Sie sicherlich recht. Aber wir nehmen eine Vorbildsfunktion ein und entfalten mit unserem Handeln eine gewisse Wirkung, welche die Nachhaltigkeit insgesamt fördert.»

Die Basler Banken müssten sich nicht verstecken, wenn es um nachhaltige Finanzierungs-Modelle gehe, ihnen Falle Pionierstatus zu, betonte Lukas Stückelberger. Der Standortleiter der Privatbank J. Safra Sarasin verwies unter anderem auf den Chemieunfall von Schweizerhalle 1986, in dessen Folge eine Grossaktionärin der Sarasin-Bank durchgesetzt habe, dass bei Finanzanalysen auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden. 

Aber funktioniert das Geschäft mit Green Bonds? Stimmt die Rendite?, wandte Thommen ein. «Man muss es auch so sehen: Mit nachhaltigen Anleihen lassen sich Risiken systematisch reduzieren – bei gleichem Ertrag. Das lässt sich empirisch nachweisen. Damit dürfte das Interesse geweckt sein und sich die steigende Nachfrage erklären», sagte Stückelberger.

Chance für den Finanz­platz Schweiz

Auch August Benz, stellvertretender CEO bei der Schweizerischer Bankiervereinigung, zeigte sich gegenüber nachhaltigen Anleihen aufgeschlossen. Allerdings bestehe in de Schweiz, wo der Anteil an Green Bonds & Co. derzeit blss 1,2 Prozent ausmache, noch deutlicher Nachholbedarf. 

Der relativ tiefe Wert habe damit zu tun, dass viele Projekte, die ebenfalls nachhaltigen Charakter hätten, hierzulande über das traditionelle Kreditgeschäft abgewickelt würden. Der allgemeine Standard sei bereits sehr hoch. «Ich erkenne für die Banken insbesondere Chancen in der Kundenberatung. Die Kundinnen und Kunden sind interessiert an diesen Finanzierungsmodellen», sagte Benz.

Die Entwicklung sei aus der Umweltperspektive gut, aber auch aus der Sicht des Wirtschaftstandorts. Wenn es gelinge, mit nachhaltigen Anleihen ausländische Investoren anzuziehen, könnte der Schweizerische Finanzplatz deutlich gestärkt werden. (ck)

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