Lohnstreit am Theater Basel: Keine Lösung in Sicht
Morgen Donnerstag sind Gespräche mit allen Beteiligten angekündigt. Die Fronten scheinen verhärtet.

Am Freitag ist der seit drei Jahren laufende Lohn-Streit am Theater Basel eskaliert: Das Ballett-Ensemble nutzte den Schlussapplaus zur Produktion «Explosiv!», um vor dem Publikum «faire Löhne» zu fordern. Prime News berichtete ausführlich und publizierte ein Video der Gewerkschaft Unia, das die Aktion zeigte.
Das Ensemble verlangt nun einen Mindestlohn von 5'300 Franken monatlich. Die bisherigen Angebote der Theaterleitung unter Intendanz Benedikt von Peter seien, so ein Ensemble-Mitglied, «respektlos und demütigend» gewesen. Deshalb habe man sich an die Gewerkschaft Unia gewandt, damit diese die Verhandlungen mit der Theaterleitung führe.
Dieser Forderung könne das Theater Basel im «jetzigen System» nicht nachkommen, sagte Intendant Benedikt von Peter nun in seiner ersten namentlichen Stellungnahme zum Fall in der Basler Zeitung. Das Theater Basel lasse sich nicht mit grossen Häusern wie Zürich und Genf vergleichen.
«Wir erhalten rund 45 Millionen Franken staatliche Gelder. Mit den Einnahmen haben wir ein Budget von insgesamt 60 Millionen. Das Opernhaus Zürich kommt auf 120 Millionen», sagt von Peter. Der Referenzrahmen für das Theater Basel seien die Dreispartenhäuser St. Gallen, Luzern und Bern.
Durchschnittsgage per Sommer 2024 von 4'900 Franken
Per August 2022 wurde die Mindestgage auf 4‘500 Franken erhöht. Damit ist sie um 200 Franken höher als in den beiden anderen Sparten Schauspiel und Oper.
Für die Spielzeiten 23/24 und 24/25 seien weitere Erhöhungen im Budget fest eingeplant. Die Durchschnittsgage wird im Sommer 2024 laut Budget dann bei knapp 4‘900 Franken liegen. Das Theater Basel belege so Platz 3 im Branchenvergleich mit den im Schweizerischen Bühnenverband (SBV) organisierten Theatern.
Benedikt von Peter zeigt laut der BaZ ein «gewisses Verständnis» für die aktuellen Lohnforderungen: «Natürlich sind 4'900 Franken nicht super. Das verstehe ich total. Doch man muss die Verhältnisse sehen. Wir liegen damit 600 Franken über der branchenüblichen schweizerischen Mindestgage.»
«Unia soll sich auf dem Bau engagieren»
Laut Benedikt von Peter wollen sich die Beteiligten am Donnerstag zu einem Gespräch treffen. Die Unia halte an ihren Forderungen fest. Dass das Theater Basel weniger Geld hat als Zürich und Genf, sei für Unia-Sprecherin Daria Frick nur eine Ausrede: «Wir erwarten eine klare Zusage, dass man das Problem erkannt hat und Verantwortung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen will.»
Derweil gerät die Gewerkschaft mit ihrem forschen Auftreten auch in Kritik. Denn damit betritt sie traditionelles Terrain von Szene Schweiz, dem Berufsverband Darstellende Künste. Deren Geschäftsführerin findet das «unkollegial», wie Bajour berichtet.
Geschäftsführerin Salva Leutenegger wird so zitiert: «Wie die Unia einfährt, ist nicht unser Stil in der Kunst. Ich empfehle der Unia, sich dort zu engagieren, wo sie ihre Berechtigung hat: zum Beispiel auf dem Bau.»
Gegenüber Prime News ärgert sich Leutenegger insbesondere, dass die Aktionen von Unia die mühsam erkämpften Verhandlungserfolge von Szene Schweiz in der öffentlichen Wahrnehmung übertönten.
Tatsächlich hat das Theater Basel die Mindestgage laufend schrittweise erhöht. In der Saison 2013/14 lag diese noch bei 3'800 Franken. Dass sich das Ensemble ungeduldig an Unia gewandt hat, dafür hat Leutengger durchaus Verständnis. Denn die Profi-Zeit beim Tanz sei kurz. (cb)
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