Halbjahreszahlen: Baloise mit 4,2 Prozent weniger Gewinn
Auch das Geschäftsvolumen sank leicht. Künftig will sich der Basler Versicherungskonzern auf den Ausbau des Kerngeschäfts fokussieren.

Um 4,2 Prozent ist der Gewinn der Baloise-Gruppe in der ersten Jahreshälfte 2023 zurückgegangen, wie sie am Mittwochmorgen bekannt gab. Analysten hatten im Vorfeld bessere Halbjahreszahlen erwartet.
Bei dem Basler Versicherungskonzern sieht man aber vorwiegend das Positive: CEO Michael Müller sprach vor den Medien von einer «erfreulichen Entwicklung» im sogenannten Nichtlebengeschäft – dazu gehören vor allem Versicherungen im Haft- und Sachpflichtbereich. «Dort konnten wir stark und profitabel wachsen.»
Die Aktionäre sahen es am Vormittag kritischer: Um circa 9:45 Uhr, weniger als eine Stunde nach Eröffnung der Börse, lag der Aktienkurs der Baloise Holding im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages zunächst rund 8,5 Prozent im Minus.
Die wichtigsten Zahlen in Kürze:
- Der Aktionärsgewinn für das erste Semester 2023 liegt bei 205,7 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es noch 214,7 Millionen Franken. Das entspricht besagtem Rückgang von 4,2 Prozent. Als Gründe für die Abnahme nennt Baloise einerseits tiefere Gewinne im Lebengeschäft, andererseits negative Währungseffekte und höhere Kosten.
- Das Geschäftsvolumen (entsprechend dem Umsatz) sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent auf 5,339 Milliarden Franken. Währungsbereinigt entspricht dies einem leichten Wachstum von 0,6 Prozent. Mit dieser Kennzahl wird die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens gemessen.
Die neuen Baloise-Zahlen sind mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen: Die Versicherungs-Gesellschaft legte die Zahlen erstmals nach den neuen Rechnungslegungs-Standards «IRFR 17/9» vor.
Dadurch können die neuen Semester-Zahlen nicht mit jenen aus alten Berichten verglichen werden. Die Vorjahreswerte, die in diesem Beitrag genannt werden, sind allerdings revidiert und entsprechen somit den neuen Standards.
Insgesamt ist das Semesterergebnis von Licht und Schatten geprägt: Negativ ist die Entwicklung im «Lebengeschäft», welches die Vermögensbildung, Altersvorsorge und Risikoabsicherung der Kunden beinhaltet. In diesem Bereich verringerte sich das Geschäftsvolumen deutlich. Ausserdem reduzierte sich der Gewinn vor den Steuern (EBIT) um rund 29 Prozent auf 104,3 Millionen Franken.
Positiver ist die Entwicklung im von CEO Michael Müller hervorgehobenen Nichtlebengeschäft. In dieser Sparte konnte der Gewinn vor den Steuern (EBIT) gegenüber dem Vorjahr um 13,3 Prozent auf 158,2 Millionen Franken gesteigert werden. Und auch im Bereich Asset Management (entsprechend der Vermögensverwaltung) verzeichnete Baloise ein Wachstum.
Baloise will sich auf Kerngeschäft fokussieren
Auch das zweite Halbjahr 2023 dürfte für die Baloise herausfordernd werden: Nach einem schadensarmen ersten Semester beobachte man in der zweiten Jahreshälfte eine Häufung von Elementarereignissen. Mediensprecher Roberto Brunazzi verdeutlicht gegenüber Prime News: «Konkret waren dies zum Beispiel die starken Hagelereignisse im Tessin oder der Sturm in La Chaux De Fonds.»
Aufgrund dessen erwartet die Baloise Abschreiber: Das Ergebnis werde im zweiten Semester durch die Elementarereignisse voraussichtlich mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag belastet werden, erwartet die Versicherungs-Gesellschaft.
Ebenfalls kündigte die Versicherung am Mittwochmorgen Kursänderungen an: «Aufgrund der Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren fokussieren wir uns künftig auf die Stärkung und den Ausbau unseres Kerngeschäfts.»
Konkret wolle man das Angebot im Bereich Asset Management neu stärker auf Versicherungs- und Finanzlösungen ausrichten. Dadurch erhofft sich die Versicherungsgesellschaft, in der Periode zwischen 2022 und 2025 rund fünf Milliarden zusätzliche Drittgelder zu generieren.
Ausserdem wolle man «Innovations-Initiativen» sowie die «Ökosysteme Home und Mobility» näher an die Firmenaktivitäten heranführen.
Insgesamt erwarte man auf diesem Weg eine unverändert hohe Barmittelgenerierung und die Fortführung der bisherigen «attraktiven» Dividendenpolitik – zuletzt hatte die Baloise die Dividenden mehrmals erhöht. (nh)
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