Psychiatrie Baselland eröffnet neue Klinikgebäude
Für 68 Millionen Franken wurden die Standorte der Krisenintervention und der Alterspsychiatrie inklusive Privatklinik modernisiert.

«Das war ein richtiger Hosenlupf»: Mit diesen Worten beschrieb Psychiatrie Baselland-CEO Barbara Schunk am Mittwoch den Abschluss einer rund dreijährigen Bauzeit auf dem Areal der Gesundheits-Institution in Liestal. 68 Millionen Franken wurden in den «Campus Liestal» investiert, um die beiden Ersatzbauten für die Krisenintervention und die Alterspsychiatrie inklusive Privatklinik zu errichten (Details siehe Infobox am Ende des Beitrags).
Nun sind die Gebäude bezugsbereit und werden Mitte Oktober in Betrieb genommen. Die unmittelbare räumliche Nähe schafft Synergien: Zentrale Dienstleistungen wie die Essensversorgung, Wäsche oder Energie können fortan gemeinsam genutzt werden.
Man sei jetzt in der Lage, bei der Qualität von Therapie und Pflege «besondere Akzente» zu setzen, erklärte Verwaltungsrats-Präsident Thomas Heiniger an einer Medienorientierung. Dabei sprach er von einer Verbindung zwischen moderner Infrastruktur und fortschrittlichen Behandlungsmethoden. Konkret nannte er den Begriff «healing architecture», also «heilende Architektur».
«Das Zusammenspiel von Gebäude, Landschaft, Design, Möblierung, Farbwahl und Signaletik soll in unseren Neubauten eine maximale Wirkung auf das Wohl der Patientinnen und Patienten entfalten», sagte Heiniger. Hierfür seien helle Räume mit grossen Fenstern und mit Blick ins Grüne geschaffen worden.
Überhaupt werde mit dem Bezug der Neubauten ein neues Betriebsmodell eingeführt. Strukturen und Prozesse sollen dabei «konsequent» auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten ausgelegt, die Mitarbeitenden entlastet und Störungen reduziert werden.
Thomas Heiniger betonte aber, es dürfe kein «falscher Eindruck» entstehen: «Unsere stationären Kapazitäten werden nicht ausgebaut. Wir bleiben bei den bisherigen 220 Betten in der Erwachsenenpsychiatrie. In der Privatklinik reduzieren wir sogar von 26 auf 20 Betten.» Dieser Beschluss sei vor dem Hintergrund der regionalen Bedarfsplanung erfolgt, welche eine Verlegung von Behandlungen in ambulante Settings vorsehe.
Ein grosses Anliegen sind der Psychiatrie Baselland (PBL) die Öffnung gegen aussen und die Entstigmatisierung psychischer Krankheiten. Die neuen Einrichtungen in Landschaftsumgebung und nahe beim Tierpark ermöglichten neue Behandlungskonzepte, aber auch effizientere Organisationsformen.
«Die Gebäude sind ansprechend unspektakulär, wirken im Auftritt aber nicht wie ein Spital. Das macht uns nahbar», führte Heiniger gegenüber Prime News aus.
Zeitplan eingehalten, Budget minimal überschritten
Bemerkenswert ist der Umstand, dass trotz Corona und globalen Lieferengpässen nicht nur der Zeitplan der Bauphase eingehalten werden konnte, sondern auch die Kosten bloss drei Prozent über Budget zu liegen kamen – und das trotz einer Teuerung im Bausektor von 18 Prozent über die letzten drei Jahre.
Prompt gab es anlässlich der Eröffnung ein grosses Lob vom Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Jourdan (EVP), welcher die Fähigkeit der Geschäftsführung ausdrücklich lobte. Einen Seitenhieb gegen das Biozentrum (Mehrkosten von 100 Millionen Franken) konnte sich der Regierungsrat nicht verkneifen: «Die Budgetdisziplin bei der Psychiatrie Baselland ist eindrücklich, zumal wir bekanntlich andere Beispiele kennen».
PBL-CEO Barbara Schunk erklärte gegenüber Prime News, dass sie während der intensiven Bautätigkeit gelernt habe, insbesondere auf die Nutzung der Gebäude zu achten. «Das ist ganz entscheidend – wie es auch elementar wichtig ist, die Betroffenen frühzeitig einzubinden und ihre Rückmeldungen zu berücksichtigen.»
«Betroffen» von den baulichen Veränderungen sind 80 Prozent der Mitarbeitenden. Sie sollen ab sofort attraktivere «Arbeitswelten» vorfinden und dadurch Motivation erhalten. Wertschätzung und Respekt waren Begriffe, die an der Pressekonferenz genannt wurden. Wenn das Personal gut aufgestellt sei, so Barbara Schunk, würden auch die Patientinnen und Patienten davon profitieren.
Tag der offenen Tür
Die Bagger werden indes noch eine Weile auf dem Campus Liestal bleiben. In einer nächsten Etappe folgt ab Frühjahr 2024 die Teilsanierung eines weiteren Klinikgebäudes, und auch das markante Haupthaus wird einer Totalsanierung unterzogen.
Ab 2026 sollen die Räumlichkeiten dann neu als Ambulatorium, Tagesklinik und als zentraler Empfang sowie für die Verwaltung genutzt werden.
Zuerst aber will die Psychiatrie Baselland der Bevölkerung die vielen bereits umgesetzten Neuerungen vorstellen. Diesen Samstag findet deshalb von 10 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür statt (Prime News berichtete). (ck)
Diese Gebäude wurden neu gebaut
Krisenintervention (Haus Frenke)
Das Gebäude umfasst zwei Stationen mit je 24 Betten. Dazu kommt ein Parkhaus mit 200 Plätzen für die Angestellten. Der Neubau dient als Ersatz für das 50-jährige und sanierungsbedürftige Hauptgebäude «Haus B», das direkt an das Haus Frenke grenzt.
Alterspsychiatrie (Haus Galms)
Das Gebäude beinhaltet drei Stationen mit je 24 Betten sowie einen Garten für Menschen mit Demenz. Die neue Liegenschaft befindet sich gegenüber der Krisenintervention und ist der Ersatz für den bisherigen Standort an der Rheinstrasse.
Privatklinik (Haus Galms)
Im Gebäude der Alterspsychiatrie ist in den beiden obersten Etagen die Privatklinik der Psychiatrie Baselland einquartiert. Zum Angebot gehören ein Wellnessbereich mit Biosauna, «gehobene Hotellerie» und eine begrünte Dachterrasse. Es stehen insgesamt 20 Plätze zur Verfügung. Im Untergeschoss gibt es 34 Parkfelder für Autos und eine grosse Parkfläche für Velos.
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