Gewerbeverband beschliesst Ja-Parole zur SVP-Demo-Initiative
Die Delegierten fällten den Entscheid bereits am 9. Juni. Der Grosse Rat hat die Vorlage zur Ablehnung empfohlen.

Die sogenannte Anti-Chaoten-Initiative der SVP fordert, dass Beteiligte bei unbewilligten Demos zur Rechenschaft gezogen und für Schäden und Polizeieinsätze haftbar gemacht werden. Zudem müssten die «vielen unbewilligten Demos» in Basel-Stadt mit «klaren Leitlinien» unterbunden werden.
Im Grossen Rat hatte die Initiative anfangs Juni keine Chance. Sie wurde mit 73 zu 20 Stimmen zur Ablehnung empfohlen – ohne Gegenvorschlag (Prime News berichtete).
Aber nun hat die SVP starke Unterstützung erhalten. Noch bevor das Datum zur Abstimmung feststeht, haben die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt am 9. Juni die Ja-Parole beschlossen. Dies teilt der Verband auf Anfrage von Prime News mit. Es wird allgemein erwartet, dass die Abstimmung am 27. September stattfindet.
Zu den wesentlichen Argumenten nennt der Verband: Die Basler Innenstadt als wirtschaftlicher Kern leidet unter Sperrungen und Blockaden, besonders an Samstagen. Um die wirtschaftliche Basis der Stadt zu sichern, seien verlässliche rechtliche Vorgaben unerlässlich.
Präsident forderte «anderen Ansatz»
Schon am Neujahrs-Apéro des mitgliederstärksten Basler Wirtschaftsverbandes forderte Präsident Hansjörg Wilde ein dezidiertes Vorgehen, insbesondere gegen unbewilligte Demos. Auf der grossen Bühne des Theater Basels rief er zu einem «anderen Ansatz» auf.
Das Thema wird im Gewerbe auch wegen der Menge der Kundgebungen heftig diskutiert. Vergangenes Jahr registrierten die Behörden den bisherigen Höchststand von 394 Demos, inklusive Standaktionen und Mahnwachen. Das Jahr davor waren es 326. Darunter viele unbewilligte Kundgebungen: 81 respektive 66.
Das Gewerbe zeigt sich besonders exponiert, weil auch während den Samstagen in der Innenstadt demonstriert wird. Für Kontroversen sorgten unbewilligte Demos während des ESC oder Märkten. Dazu gibt es Gruppen, die notorisch keine Bewilligung einholen und sich um Absprachen bezüglich der Zeiten oder Routen foutieren.
Der Konsens an der Delegiertenversammlung war zudem, dass es eine Balance brauche zwischen der garantierten Meinungsfreiheit und der ebenso garantierten wirtschaftlichen Freiheit.
Zürich stimmte Verschärfungen zu
Im Grossen Rat waren nebst dem Grundrechts-Argument besonders Praxis-Probleme gegen die Initiative aufgeführt worden: Für eine Kostenüberwälzung sei eine juristisch haltbare Beweiskette erforderlich. Zudem könne man auf die Anzahl der Demos keinen behördlichen Einfluss nehmen.
Mit solchen Problemen hat sich etwa auch Zürich auseinandersetzen müssen. Dort hatte das Stimmvolk in etwa einem Forderungskatalog, der jetzt in Basel-Stadt vorliegt, im Rahmen eines Gegenvorschlags klar zugestimmt – auch die Stadt, in der die Linksparteien dominieren. (cb)
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