Arbeiten im IWB-Bohrloch: Erdbeben eher unwahrscheinlich
Der Basler Energieversorger treibt die Vorarbeiten für die definitive Schliessung des 4,7 Kilometer tiefen Geothermie-Lochs voran.
Die Erinnerungen an das Basler Geothermie-Abenteuer der Industriellen Werke Basel (IWB) dürften bei vielen noch präsent sein: Im Winter 2006/2007 bebte in Basel mehrmals die Erde. Grund war Wasser, das für das damalige Geothermieprojekt unter hohem Druck in den Untergrund gepresst worden war.
Das stärkste Beben ereignete sich am 8. Dezember 2006 und erreichte eine Magnitude von 3,4. Es war weiträumig spürbar und verursachte kleinere Schäden. Weitere deutlich spürbare Erdstösse folgten am 6. Januar 2007 mit Magnitude 3,1, am 16. Januar mit 3,2 sowie am 2. Februar mit 3,3. Insgesamt registrierte der Schweizerische Erdbebendienst (SED) damals mehr als 200 Beben mit einer Magnitude von mindestens 0,9.
Nun wollen die IWB wieder am Geothermie-Bohrloch auf ihrem Areal in Kleinhüningen arbeiten. Mit in Kürze beginnenden Vorarbeiten soll die endgültige Schliessung des Lochs vorbereitet werden. Wie die IWB mitteilen, gelten neue Erdstösse laut Einschätzungen von Fachleuten zwar als unwahrscheinlich. Überwacht würden die Arbeiten dennoch seismisch vom SED.
Die seismische Aktivität rund um die Bohrung habe in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, so die IWB. Der SED überwacht die Umgebung des Bohrlochs seit 2012 im Auftrag des Kantons Basel-Stadt.
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Arbeiten dauern rund einen Monat
Die Vorarbeiten finden vom 7. September bis 9. Oktober 2026 jeweils werktags statt. Ein spezialisiertes Bohrunternehmen aus dem Mittelland wird dafür auf dem IWB-Areal einen mobilen Bohrturm aufstellen. Dieser sei vergleichbar mit den Anlagen, die für Erdsondenbohrungen eingesetzt werden, teilen die IWB mit.
Als erster Arbeitsschritt soll ein Verschluss in rund 730 Metern Tiefe aufgebohrt werden. An diesem Punkt hätten sich über die Jahre Ablagerungen gebildet, die das Bohrloch verschliessen würden. Diese sollen nun aufgebrochen und entfernt werden. Anschliessend soll die Bohrlochwand bis in eine Tiefe von 4'700 Metern gereinigt und unter anderem mit Ultraschallkameras und Wandstärkenscannern untersucht werden.
Damit wollen die Verantwortlichen herausfinden, in welchem technischen Zustand sich das mittlerweile rund 20 Jahre alte Bohrloch befindet. Die Ergebnisse bilden die Grundlage dafür, wie das Loch langfristig zurückgebaut und dauerhaft verschlossen werden könne.
Begleitet werden die Arbeiten von einer Expertengruppe mit Fachleuten für Geothermie sowie Vertretern des SED, des Basler Gesundheitsdepartements und den IWB.
Bohrloch nach Erdbeben geschlossen
Das Bohrloch ist ein Überbleibsel des gescheiterten Basler Projekts «Deep Heat Mining». Die Idee: In einer Tiefe von rund vier bis fünf Kilometern sollte Wasser durch heisses Gestein zirkulieren. Dafür wurde kaltes Wasser unter hohem Druck in den Untergrund gepresst, um das Gestein durchlässiger zu machen. Das erhitzte Wasser sollte anschliessend wieder an die Oberfläche gelangen und zur Produktion von Strom und Fernwärme genutzt werden.
Doch eben dieses Einpressen des Wassers löste die Erdbebenserie um die Jahreswende 2006/ 2007 aus. Nach Untersuchungen des Erdbebenrisikos wurde das Geothermieprojekt 2009 endgültig aufgegeben. Das Bohrloch wurde 2011 verschlossen und 2017 kontrolliert wieder geöffnet, um den Überdruck im Untergrund abzubauen.
Auf Anfrage heisst es bei den IWB, dass sich die Kosten für das Geothermieprojekt bis heute auf rund 35 Millionen Franken belaufen. Bis zum endgültigen Verschluss des Bohrlochs rechnet das Unternehmen mit einem zusätzlichen «kleinen bis mittleren einstelligen Millionenbetrag».(mar)
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