28.10.2019 Innovation 7 minMinuten Lesedauer

Was Bob Dylans Sound mit Innovation zu tun hat

Am Freitagabend fand im Rhypark die erste «Nacht der jungen Leaders» statt. 250 junge Menschen nahmen teil.

Tipps von erfolgreichen Jungunternehmern: Kilian Wagner, CEO von VIU erzählte in einer Keynote-Speech von seinen Erfahrungen in der Geschäftsleitung eines Brillen-Retailers. Bild: Silvan Buchecker
von Silvan Buchecker und Christian Keller

Input-Referate von erfolgreichen Startup-Unternehmern, eine Reihe von Breakout-Sessions mit Führungspersonen aus Wirtschaft und Politik sowie die Chance, das eigene Netzwerk in persönlichen Gesprächen auszubauen: Wer am Freitagabend an der ersten «Nacht der jungen Leaders» teilgenommen hat, dürfte danach zwar platt gewesen sein, es aber gleichzeitig kaum bereut haben, die Erstauflage im Basler Rhypark mitzuerleben.

Die Feedbacks, die Mitorganisator André Konrad übers Wochenende erhalten hat, fallen jedenfalls sehr positiv aus, wie der Agenturinhaber und Präsident der jungen Basler Wirtschaftskammer «JCI» gegenüber Prime News erklärt. 

Die Erwartungen seien übertroffen worden, das Interesse grösser gewesen als angenommen. «Wir haben insgesamt 250 Tickets verkauft. Dafür, dass die Nacht der jungen Leaders zum ersten Mal stattgefunden hat, können wir zufrieden sein».

Konrad ist selber fix und fertig. Die Woche vor dem Event sei «brutal anstrengend» gewesen, wie er lachend meint. «Unser Team mit zehn Freiwilligen hat die ganze Freizeit in das Projekt gesteckt. Der Aufwand war gewaltig, aber es hat sich eindeutig gelohnt». 

Der volle Saal im Rhypark lauschte gebannt dem Inputreferat von Outfittery-Mitgründerin Anna Alex. Bild: Silvan Buchecker

Learnings von erfolgreichen Jung­unternehmern

Die Nacht der jungen Leader ist als spezifische Veranstaltung für junge Führungskräfte konzipiert (Prime News berichtete) und wurde von der JCI und der Handelskammer beider Basel ins Leben gerufen. Als Hauptsponsor konnte die UBS gewonnen werden. Zu weiteren Sponsoren gehörten unter anderem Roche und die Anwaltskanzlei Vischer.

Junge Menschen unter 40 Jahren, so das Konzept, sollen an einem mehrstündigen Abendanlass vor allem Eindrücke und Inspiration gewinnen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt sind das Networking und der Austausch in geselligem Rahmen.

Bei der Premiere am Freitag standen zum Beispiel Auftritte von Startup-Unternehmern auf dem Programm, die mit ihrer Geschäftsidee grosse Erfolge feiern. Dazu gehörte Anna Alex, Mitgründerin von Outfittery, der inzwischen europaweit grössten E-Commerce-Plattform für Männerkleidung.

Ihre Firma habe seit der Gründung im Jahr 2012 rund eine Million Männer eingekleidet und zähle mittlerweile 450 Angestellte, sagte Alex.

Wie sie ausführte, würden viele Jungunternehmen entstehen, weil ihre Gründer ein Problem erkennen und lösen wollten. Doch darin liege die Krux: «Es ist wichtig, nicht zu schnell auf die Lösungsebene zu wechseln. Zuerst muss das Problem umfassend verstanden werden», hielt sie fest. 

Als weiteres Learning gab Alex den jungen Leaders auf den Weg, immer den Kunden ins Zentrum zu stellen. Ein konstruktiv-kritischer Kunde sei «das schönste Geschenk».

Heiko Trefzger und Harald Witzig vom Digital Innovation Lab der Roche. Bild: Silvan Buchecker

Bob Dylan als Vorbild für Innovation

In den halbstündigen Breakout-Sessions bestand die Gelegenheit, im kleinen Rahmen auf einzelne Themenschwerpunkte einzugehen. Heiko Trefzger und Harald Witzig vom «Digital Innovation Lab» des Basler Pharmakonzerns Roche zeigten etwa auf, wie Innovation im Unternehmen erfolgreich gefördert werden kann. 

Für diesen Zweck beleuchteten sie – für viele Teilnehmende wohl überraschend – auf witzige Weise den Aufstieg von Musikgrösse Bob Dylan, der einen anderen, frischeren Gitarrensound als andere Bands hinbekommen habe. Dazu gab's sogar eine Musikeinlage.    

Man solle sich aber nicht täuschen lassen, hielten Trefzger und Witzig fest: Dylan könne irgendeine Gitarre in die Hand nehmen – es töne immer gut. Das war ihr Punkt: Um erfolgreich zu sein, komme es weniger auf das Gerät an als auf das Talent und vor allem das Feuer, für eine Sache zu brennen.

«Roche bietet ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, 20 Prozent selbstständig für eine Idee zu arbeiten», erklärten Trefzger und Witzig weiter. Hierfür gebe es ein so genanntes Boxensystem. «Bei einer roten Box kannst Du die Idee anfangen zu entwickeln. Bei einer blauen Box kannst Du die Idee vorstellen und bei einer goldenen Box sie gemeinsam mit dem Team umsetzen.»

Auch Grossräte waren vertreten: Esther Keller (GLP) und Sebastian Kölliker (SP). Keller moderierte die erste Nacht der jungen Leaders. Bild Silvan Buchecker

JCI und Handels­kammer beider Basel stellten sich vor

Für die junge Wirtschaftskammer JCI und die Handelskammer beider Basel als Organisatoren war die «Nacht der jungen Leaders» eine Möglichkeit, um sich und ihre Angebote vorzustellen. 

«Viele kannten die junge Wirtschaftskammer nicht und hatten keine Ahnung, dass die JCI zum Beispiel Business-Lunchs oder Firmenbesuche durchführt», sagt Konrad. Er habe manches gute Gespräch führen können.

Zudem zeigt er sich überzeugt, mit dem neuen Format einem Bedürfnis zu entsprechen. «Die Rückmeldung habe ich am Freitag oft erhalten: Ein Angebot wie die Nacht der jungen Leaders hat bislang gefehlt.»

Ähnlich klang es auch bei einer Podium-Session im Rhypark: So hielt Sebastian Matheis, CEO der Startup-Firma Elcada fest, dass ihm viele Business-Veranstaltungen oft «zu steif» seien. Zudem gäbe es in Basel weniger Start-ups wie etwa in Zürich, weshalb es auch weniger Veranstaltungen für junge Unternehmer gäbe. «Daher freue ich mich auch mal an so einem Event in Basel teilzunehmen», sagte Matheis. 

Deborah Strub, Geschäftsleitungs-Mitglied der Handelskammer beider Basel, ging auf den Unterschied zwischen jüngeren und älteren Leaders ein. «Die Jungen haben in der Regel mehr Mut und einen besseren Zugang zu ihren Teams, dafür weniger Erfahrung».

Generell sei es für jüngere Kader oder Firmeninhaber schwierig, sich an klassischen Networking-Veranstaltungen ohne Altersbegrenzung einzubringen, weil diese häufig von «grauen Panthern» dominiert würden. Damit unterstrich sie die Vorteile und den Nutzen, die sie in der Nacht der jungen Leaders erkennt.

Zweitauflage im Oktober 2020

Was die Erstausgabe betrifft, will Konrad nun mit dem Team zusammensitzen und eine genaue Analyse vornehmen.

Zu hören war gelegentlich, dass die fünfstündige Dauer am Limit gewesen sei. «Wir werden nun alles genau anschauen und dann allenfalls Anpassungen beim Konzept vornehmen. Zuerst aber freuen wir uns darüber, dass der Event so gut geklappt hat und gut angekommen ist», so der JCI-Präsident.

Bereits klar ist, dass es eine Fortsetzung geben wird. Die nächste Nacht der jungen Leaders steigt am 30. Oktober 2020.

Partner der Rubrik Innovation
Silvan Buchecker

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