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10.12.2019 Innovation 6 minMinuten Lesedauer

Nur Singapur und San Francisco sind produktiver

Die Basler Life Science Branche spielt in der absoluten Topliga der welt­weiten Pharma­standorte mit.

Nicht nur Novartis und Roche sind für den Erfolg des Pharmastandortes Basel verantwortlich. Am Rheinknie existiert ein dynamisches Life Science Cluster mit innovativen Start-ups. Bild: Novartis
von Silvan Buchecker

Es ist allgemein bekannt, dass Basel ein erfolgreicher Pharmastandort ist. Doch wie erfolgreich die Basler Life Sciences wirklich sind, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des renommierten Forschungsinstituts BAK Economics.

In der vom Branchenverband Interpharma in Auftrag gegebenen Studie wird deutlich, dass Basel zur weltweiten Spitzengruppe der Pharmastandorte gehört. Nur die San Francisco Bay Area und der Stadtstaat Singapur sind noch produktiver als Basel.

Dabei lässt Basel auch die anderen Pharmastandorte in der Schweiz klar hinter sich. Die Studie zum Geschäftsjahr 2018 zeigt ebenfalls auf, dass die Schweizer Pharmabranche mit einem Anteil von 38.4 Prozent die «mit Abstand wichtigste Exportbranche der Schweiz» ist.

Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) ist als Präsidentin der Handelskammer beider Basel sehr erfreut über die positiven Resultate der Studie: «Diese zeigen, dass das Zusammenspiel zwischen der Wirtschaft und der Universität im Bereich der Life Sciences sehr gut funktioniert», so Schneider-Schneiter.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Life Sciences Cluster und der Wissenschaft sei fundamental für den Standort Basel und mache ihn gegenüber dem Ausland wettbewerbsfähig.

Auch für René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma ist die gute Platzierung Basels keine Überraschung. «Dadurch, dass der Standort Basel die Transformations-Prozesse im Zuge der Digitalisierung gut gemeistert hat, konnte er seine traditionelle Führungsrolle auch in den letzten Jahren beibehalten», so Buholzer.

Dass der Strukturwandel erfolgreich vollzogen wurde, zeige beispielsweise die Eröffnung einer der weltweit modernsten Zell- und Gentherapie-Produktionsanlagen von Novartis in Stein.

Bild: BAK Economics

Zum Vergleich der nationalen und internationalen Standorte zieht die Studie die Arbeitsproduktivität heran. Der Schweizer Durchschnittswert wurde auf 100 festgelegt.

Bei der Stundenproduktivität weist San Francisco mit 125 den weltweit höchsten Wert auf. Dies bedeutet also, dass in San Francisco die Produktivität pro Stunde 25 Prozent über dem durchschnittlichen Wert der Schweizer Pharmabranche liegt.

Nach dem US-amerikanischen Pharmazentrum folgen Singapur (116) und Basel (115). Basel kann sich dadurch nicht nur von einem Grossteil der internationalen Pharmazentren wie Paris, London und Bosten abheben, sondern auch von den ebenfalls untersuchten Schweizer Pharmastandorten.

Die Region Zürich etwa weist eine Stundenproduktivität von 88. Die führende Rolle des Basler Standorts kommt auch bei den Beschäftigtenzahlen zum Ausdruck. Während gemäss der Studie in der Region Zürich – Zug – Luzern 6'300 und in der Westschweiz 6'100 Mitarbeitende angestellt sind, werden in der Region Basel 22'200 Menschen in der Pharmabranche beschäftigt.

«Die führende Position der Basler Pharma erklärt sich durch den dynamischen Life Science Cluster und die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften auf kleinem Raum», erklärt René Buholzer. Ein Grund für den Basler Vorsprung vor anderen Life Science Standorten in der Schweiz sei ausserdem der hohe Anteil von Pharma-Unternehmen am Rheinknie.

In Zürich etwa seien Medtech-Firmen stärker vertreten. «Ausschlaggebend ist dies, weil bei Pharmafirmen die Produktivität allgemein höher ist als in anderen Teilen der Life Sciences», so Buholer.

Ein Drittel des Schweizer BIP-Wachstums

Die von Interpharma in Auftrag gegebene Studie hatte jedoch hauptsächlich das Ziel, die Bedeutung der gesamten Pharmabranche für die Schweizer Volkswirtschaft zu betonen.

So halten die Autoren der Studie fest, dass der Pharmasektor im letzten Jahr insgesamt rund 62.1 Milliarden Franken an Wertschöpfung generiert hat. Dies entspricht rund 9.3 Prozent der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung.

Dabei wurden jedoch auch die in anderen Branchen vergebenen Aufträge miteinbezogen. Das Wertschöpfungs-Wachstum der Branche habe in den letzten Jahren ebenfalls bei 9.3 Prozent gelegen und damit einen Drittel zum gesamtwirtschaftlichen BIP-Wachstum der Schweiz beigesteuert.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Bedeutung, die dem Pharmasektor bei der Exportleistung der Schweiz zukommt. So habe die Branche im Jahr 2018 Güterausfuhren und Exporterlöse im Umfang von 88 Milliarden Franken erwirtschaftet.

Dies sind 38.4 Prozent der gesamten Schweizer Exporte. Damit ist die Pharmaindustrie die «mit Abstand wichtigste Exportbranche der Schweiz», wie die Autoren der Studie schreiben.

«Die Life-Sciences in Basel sind fundamental für eine starke Volkswirtschaft in unserem Land»

Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP), Nationalrätin und Präsidentin der Handelskammer beider Basel

Die Bedeutung der Pharma­industrie wird unterschätzt

«Die Life-Sciences in Basel sind fundamental für eine starke Volkswirtschaft in unserem Land», sagt Elisabeth Schneider-Schneiter. Als weltweit drittproduktivster Pharmastandort komme Basel ausserdem eine erhebliche internationale Ausstrahlung zu, welche den Standort wettbewerbsfähig mache und attraktiv für Fachkräfte vor allem im Bereich Forschung und Innovation sei», so Schneider-Schneiter.

Jedoch werde die Bedeutung der Basler Pharmaindustrie in der Schweiz unterschätzt. «Zwar ist in der Bevölkerung bekannt, dass die Pharmabranche gesamtschweizerisch bedeutsam ist und dass sie zu Lebensqualität und Wohlstand beiträgt. Dennoch sind sich viele Menschen nicht bewusst, dass die Wertschöpfung grösstenteils in der Region Basel erfolgt», sagt Schneider-Schneiter.

Ausserdem sei zu wenig bekannt, welch zentrale Rolle die Pharmaindustrie bei der Exportleistung der Schweiz spiele.

Auch René Buholzer von Interpharma findet es wichtig, dass sich die Bevölkerung der Bedeutung der Industrie im Bereich der Gesundheit, der Arbeitsplätze und der Steuereinnahmen bewusst wird – insbesondere da sich die Rahmenbedingungen für den Standort Schweiz seiner Meinung nach in den letzten Jahren eher verschlechtert haben.

«Dies liegt vor allem daran, dass die internationale Konkurrenz aufgeholt hat. Der Erfolg der Pharmaindustrie ist also keine Selbstverständlichkeit. Es bestehen weiterhin grosse Herausforderungen. Deshalb müssen wir jetzt handeln», so Buholzer.

Aus diesem Grund setzte Interpharma auf das Gespräch mit Parlamentariern. Letzte Woche sei zu diesem Zweck mit der Vorstellung des Strategiepapiers «Pharmastandort Schweiz 2030» eine Kampagne lanciert worden.

Partner der Rubrik Innovation
Silvan Buchecker

Silvan Buchecker

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