Sinkende Aktienkurse trotz starken Quartalszahlen
Hohe Erwartungen dominieren Börsen. Soll man investiert bleiben? Einschätzungen von BLKB-CIO Fabienne Hockenjos-Erni.
US-Techgiganten wie Google-Betreiberin Alphabet, Apple oder Microsoft haben exzellente Quartalszahlen veröffentlicht. Trotzdem gab’s mehrheitlich sinkende Kurse. Was ist da los?
Das Phänomen beobachten wir aktuell auch in anderen Sektoren: Die Erwartungen sind inzwischen sehr hoch und widerspiegeln sich in hohen Bewertungen. Als Folge dessen kommt es auch nach guten Ergebnissen zu Gewinnmitnahmen. Es fehlt nach dem guten «Run» die Basis für weitere Zugewinne.
Der Schweizer Computerzubehör-Hersteller Logitech ist auch so ein Fall. Die Firma vermeldete im Juli ein Umsatzplus von 66 Prozent. Seither rauschte der Titel fast zehn Prozent in den Keller.
Die Geschäftsergebnisse von Logitech erachten wir als sehr gut. Es war in Analystenkreisen jedoch erwartet worden, dass das Unternehmen bereits nach dem hervorragenden 1. Quartal 2021 den Ausblick nach oben korrigiert. Dass dies nicht passierte, enttäuschte die Marktteilnehmer.
Was aktuell ausreicht, um abgestraft zu werden?
So ist es. Man muss sehen, dass viele Titel in den letzten Monaten sehr gut gelaufen sind. Viele Aktien sind mittlerweile als teuer zu bezeichnen und Anlegerinnen und Anleger bringen die hohen Zugewinne aus Angst vor einer Kurskorrektur in trockene Tücher. Wie gesagt, das Phänomen zeigt sich derzeit in verschiedenen Branchen: Auch die Börsenkurse des Pharmazulieferers Lonza oder des Logistikers Kühne + Nagel verzeichneten trotz erfreulichen Abschlüssen negative Kursreaktionen.
Ich komme zum Schluss: Am besten verkauft man jetzt seine Aktienbestände und wartet ab, bis der Sturm vorbei ist. Denn da ist ja auch noch die Delta-Variante, welche die Corona-Krise verschärft.
Diese Strategie würde ich nicht empfehlen. Ich würde dazu raten, im Rahmen der individuell angepassten Anlagestrategie investiert zu bleiben. Natürlich spricht nichts gegen Gewinnmitnahmen bei gewissen Titeln, die vom Konjunkturaufschwung stark profitiert haben. Mit dem Motto «Verkaufen und abwarten» riskieren Sie jedoch, weitere Kursanstiege zu verpassen, die durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Und vergessen Sie nicht die Opportunitätskosten: Liegt das Geld auf dem Konto, zahlen Sie Negativzinsen, Immobilien sind teuer geworden, Bonds ebenso. Alles in allem bleibt der Aktienmarkt sehr attraktiv und bietet eine angemessene Risikoprämie.
Die Delta-Variante bereitet Ihnen keine Sorgen?
Selbstverständlich stellt die Corona-Pandemie weiterhin ein Risiko dar, das zu Schwankungen an den Aktienmärkten führen kann. Aufgrund der Impfdurchdringung und der Etablierung von Covid-Zertifikaten erachten wir die politischen Hürden, nochmals einschneidende Lockdowns zu verfügen, als sehr hoch. Es kann sein, dass sich das Tempo der konjunkturellen Erholung drosselt. Ich glaube jedoch nicht, dass grosse Teile der Wirtschaft nochmals stillgelegt werden.
Die Mitglieder der US-Notebank (Fed) haben an ihrer Sitzung Ende Juli beschlossen, vorerst an der expansiven Geldpolitik festzuhalten. Die Börsen reagierten unaufgeregt auf diese Nachricht. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Das Fed hatte bereits in den vorherigen Sitzungen ihre Guidance angepasst. Ein konkreter Fahrplan für den Ausstieg aus dem Tapering sowie das Anheben der Zinsen war noch nicht zu erwarten. Darum überraschte es nicht, dass die Sitzung keine spektakulären Neuigkeiten mit sich brachte.
Trotzdem ist die Situation speziell: Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums müssten die Zinsen ja eigentlich bereits jetzt steigen.
Völlig einverstanden. Das Gegenteil ist passiert: die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries kam in den letzten Wochen deutlich zurück. Wir rechnen nach wie vor mit einer deutlichen Gegenbewegung. Das konjunkturelle Umfeld impliziert einen deutlichen Wachstumsschub für die Weltwirtschaft in diesem Jahr. Höhere Zinsen gehen mit einem guten Wirtschaftsumfeld einher. Das kann dann auch zu kleineren Kurskorrekturen an den Aktienmärkten führen.
In den nächsten Tagen werden noch diverse Schweizer Unternehmen ihre Zahlenkränze für das 1. Semester 2021 vorlegen. Was erwarten Sie?
Die Berichtsaison verlief bislang sehr erfreulich. Umsatz- und Gewinnentwicklung sind bei vielen Unternehmen positiv, in manchen Fällen wurde die Guidance angehoben. In diesem Stil dürfte es weitergehen. Wir können optimistisch ins zweite Halbjahr blicken.
Auf welche Sektoren oder Einzeltitel sollten wir derzeit speziell ein Auge werfen?
Zykliker profitieren nach wie vor von starken Konjunkturprogrammen und der wirtschaftlichen Erholung. Dieser Umstand ist in den Kursen aber schon eingepreist. Die Pharma bleibt ein attraktives Feld, auch wenn es bei Lonza zuletzt Gewinnmitnahmen gegeben hat. ABB hat nochmals Abspaltungen durchgeführt und ist super auf Kurs. Für uns ist auch Logitech nach wie vor ein Kauf.
Und die Credit Suisse, die zuletzt von Skandalen heimgesucht wurde?
Das Resultat lag – im Gegensatz zu den Ergebnissen der UBS – unter den Erwartungen. Die Gewinnentwicklung war geprägt von Altlasten wie der Rückstellungen für den des Archegos-Skandal. Die Ausrichtung im Risiko Management bleibt im Fokus. Die Vergangenheitsbewältigung ist bei der Credit Suisse noch im Gang. Wegen des hohen Margendrucks und des schwierigen Zinsumfelds sind wir bei den Titeln der Grossbanken aber allgemein zurückhaltender. Wir setzen stark auf alternative Investment-Dienstleister wie die Partners Group oder auf die Versicherungsbranche.
Disclaimer: Diese Publikation enthält Werbung. Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.
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