06.05.2023 Unser Gwärb 4 minMinuten Lesedauer

«Eine Lehre zu machen, war die beste Ent­scheidung»

Die Emil Landratsh AG ist die älteste Dach­decker-Firma in Basel-Stadt. Ein Gespräch mit Andreas und Patrick Meyer.

Über diese Rubrik

In «Unser Gwärb» stellen wir in regelmässigem Abstand Menschen aus der Region vor, die den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben oder unternehmerisch tätig sind.

Die Gebrüder Andreas Meyer (l.) und Patrick Meyer sind Unter­nehmer aus Leib und Seele. Das Bild entstand auf dem Dach des Lager­gebäudes der Emil Landsrath AG in Aesch. Bild: Nils Hinden

Beschreiben Sie ihr Unternehmen in wenigen Sätzen.

Andreas Meyer: Die Emil Landsrath AG ist ein alteingesessenes Familienunternehmen in der Gebäudehüllen- und Gebäudetechnik-Branche. Wir bieten Dach-Sanierungen und -Dämmungen an, ebenso wie Fenster- und Spenglerarbeiten. Wir installieren aber auch hinterlüftete Fassaden und seit zehn Jahren Solaranlagen.

Wie seid Ihr zur Emil Landsrath AG gekommen?

Patrick Meyer: Wir sind in einer Unternehmerfamilie gross geworden. Mein Vater hat die Hummel & Meyer AG aufgebaut, die sich ebenso auf Dienstleistungen am Haus und da insbesondere rund um das Dach spezialisiert hat.

Andreas Meyer: Die Emil Landsrath AG wurde 1854 gegründet. Nach der Jahrtausendwende hatte ich zusammen mit meinem Bruder die Chance, die Firma zu kaufen. Wir zögerten nicht. Ich bin heute der Geschäftsführer der Emil Landsrath AG, während mein Bruder die Geschicke der Hummel & Meyer AG leitet.

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Seit einem Jahr gehört euch noch eine dritte Firma. Wie kam es dazu?

Patrick Meyer: Die Aeschlimann Bedachungen GmbH wurde 1985 von Michel Aeschlimann als Ein-Mann-Unternehmen ins Leben gerufen. Heute hat sie 10 Angestellte. Michel hat eine Anschlusslösung gesucht und in uns gefunden. Er arbeitet weiterhin bei uns.   

Andras Meyer: Es ist natürlich ein Vorteil, dass alle drei Unternehmen ein ähnliches Profil haben. Das ermöglicht uns, Synergien zu nutzen. Aus Gründen der Tradition ist für uns allerdings klar, dass alle drei in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben.  

Selbstständig zu sein: Was bedeutet Ihnen das?

Andreas Meyer: Unternehmertum bedeutet für mich Verantwortung, Genugtuung und Freiheit. Verantwortung, weil meine Entscheidungen den Alltag, die Gefühlswelt und das Verhalten meiner Mitarbeiter und Kunden beeinflussen. Genugtuung gibt mir, wenn wir mit unserer Arbeit etwas erschaffen können, das noch Jahrzehnte später zu sehen ist. Und wenn wir damit einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten oder etwas gegen den Klimawandel tun können. Zu guter Letzt bedeutet Unternehmertum für mich aber auch Freiheit. Ich kann meine Visionen und Ideen im Alltag umsetzen und entscheiden, mit wem ich zusammenarbeite.

Ob Neubau, Flachdach oder Steildach: Die Emil Landsrath AG ist spezialisiert auf Dach­arbeiten. Bilder: Emil Landsrath AG
Bild: Emil Landsrath AG

Was war die beste Entscheidung, die Sie je getroffen haben?

Patrick Meyer: (überlegt) Dass ich die Lehre als Spengler-Sanitär gemacht habe. Das war die Grundlage dafür, dass wir den ganzen Familienbetrieb übernehmen und nun weiterziehen konnten.

Andreas Meyer: Ja (nickt), da stimme ich zu. Die beste Entscheidung war, in die Handwerkerbranche einzusteigen, Verantwortung zu übernehmen und für unsere Branche Lernende auszubilden.

Bei welchen Dingen mussten Sie Lehr­geld zahlen?

Andreas Meyer: Wir zahlen jeden Tag Lehrgeld. Wichtig ist, dass man aus falschen Entscheidungen lernt. Nur wer keine Angst vor Fehlern hat und diese akzeptiert, entwickelt sich weiter.

Was schätzen Sie ganz speziell an Basel?

Patrick Meyer: Basel ist eine sehr vielseitige Stadt. Sei es gesellschaftlich, kulinarisch oder kulturell. Unsere Festivitäten, angeführt von der Basler Fasnacht, sind einzigartig. Ganz toll finde ich auch den Basler Gebäudepark. Vom Münster bis zum Roche-Turm haben wir alles.

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten, dann…..

Patrick Meyer: Da kommen mir die zunehmenden Regulierungen und Vorschriften in den Sinn. In den letzten Jahren ist vieles komplizierter geworden.

Andreas Meyer: Wir haben heute als Unternehmer eigentlich mehr mit Formalitäten zu tun als mit dem täglichen Geschäft. Wir wünschen uns, dass die Regulierungen zurückgehen. Ganz allgemein wäre mehr Real- und Sachpolitik und weniger Polemik und Idealismus schön.

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Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Patrick Meyer: Mir kommt da die baselstädtische Verkehrs- und Parkplatzpolitik in den Sinn. Aus ideologischen Gründen werden immer mehr Parkplätze abgeschafft. Früher konnten unsere Mitarbeiter für Reparaturarbeiten einfach parkieren und schnell ihre Arbeiten verrichten. Das ist heute nicht mehr möglich: Wir müssen jeden Morgen Bewilligungen ausdrucken, damit jeder eine Zufahrtsberechtigung hat und sein Auto abstellen kann. Und dies auch nur, wenn es überhaupt Stellplätze hat.

Was sind die Folgen?

Andreas Meyer: Jeder Mehraufwand hält uns auf. Wir machen viel Dachunterhalt und anderswertige Servicearbeiten. Früher konnten wir bis zu acht Dächer am Tag reparieren, heute sind es noch deren fünf – bei gleichbleibenden Kosten.

Was zeichnet gutes Unter­nehmertum aus?

Andreas Meyer: Da fallen mir mehrere Dinge ein. Erforderlich ist sicherlich die Bereitschaft, mehr zu leisten als andere. Ein guter Chef ist zudem gegenüber Angestellten rücksichtsvoll und fordernd zugleich. Es ist aber auch wichtig, stets Augen, Ohren und vor allem den Mund offenzuhalten.

Patrick Meyer: Für mich gehört auch dazu, dass der Chef Unternehmertum vorlebt und die Mitarbeiter mitzieht. Für den Erfolg einer Firma ist die Motivation der Mitarbeiter zentral.

Ein letztes Wort.

Andreas Meyer: Ich wünsche mir, dass die Arbeit in der Gesellschaft wieder positiver wahrgenommen wird. Sie kann auch eine Bereicherung sein. Nur durch die Arbeit haben wir unseren Wohlstand erschaffen.

Emil Landrath AG

Ältester Dach­decker der Stadt Basel

Firmengründung: 1854
Anzahl Angestellte: 22

Adresse
Morgartenring 180, 4054 Basel 

Kontakt
Tel: 061 272 50 29 
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Website

Öffnungszeiten
Mo-Do: 07-17:00 Uhr
Fr: 07-16:30 Uhr
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