«Ich bin mit der Kunstglas-Bläserei aufgewachsen»
Sandra Keil Steiner und Sven Steiner führen in Riehen das «Glashüttli». Die Passion fürs Handwerk hat sie von Ihrem Vater geerbt.
Beschreiben Sie Ihr Unternehmen in ein paar wenigen Sätzen.
Sandra Keil Steiner: Wir sind eine kleine Glasbläserei mit fünf Arbeitsplätzen und zwei Festangestellten – mein Partner Sven und ich. Unser Hauptaugenmerk liegt auf Eigenproduktionen, die wir dann an Weihnachts-Märkten und an der Herbstmesse verkaufen. Gerne nehmen wir aber auch Bestellungen entgegen und bieten Glaskunst-Kurse an sowie Reparaturen von beschädigten Glasobjekten. Auf einen Online-Shop verzichten wir dagegen ganz bewusst, weil jedes unserer Glaswerke ein Unikat ist.
Wie ist euer Geschäft entstanden?
Sandra Keil Steiner: Mir wurde die Glasbläserei in die Wiege gelegt. Mein Vater hat Apparate-Glasbläser gelernt und als solcher Labor-Instrumente für die Basler Chemie hergestellt. Im Jahr 1996 hat er damit aufgehört, um sich fortan seiner Passion, der Glaskunst, zu widmen. In der Folge rief er das «Glashüttli» ins Leben und führte es als Einzelfirma. Anfänglich verkaufte er seine Werke auch noch in einem Laden.
Warum gibt es diesen Laden nicht mehr?
Sandra Keil Steiner: Früher sind die Besucher der Fondation Beyeler, die mit dem öffentlichen Verkehr anreisten, in grosser Zahl zu uns gekommen. Unser Laden lag zwischen Museum und der Tramhaltestelle «Riehen Dorf». Das änderte sich, als die Fondation Beyeler dann eine eigene Tramstation erhielt. Plötzlich fielen viele Kunden weg. So orientierte sich mein Vater neu und zog ins Atelier am Brünnlirain 4.
Wie sind Sie beide zum Atelier gekommen?
Sandra Keil Steiner: Mein Vater wollte 2016 mehr Freiheiten und im Glashüttli kürzer treten. Also fragte er uns, ob wir nicht übernehmen wollen. Wir sagten Ja.
Sven Steiner: In der Folge gründeten wir zusammen die Sandwerk GmbH, die die Einzelfirma ihres Vaters ablöste.
Sandra Keil Steiner: Wie mein Vater entschied ich mich damit für meine Passion. Ich wuchs in seiner Kunstglas-Bläserei auf. Ich kann mich gut erinnern: Hier erledigte ich meine Hausaufgaben – ganz zu schweigen von den vielen Stunden, die wir gemeinsam mit der Kunstglas-Bläserei verbrachten. Dabei ist die Faszination für das Handwerk definitiv auf mich übergeschwappt. Das zeigt sich alleine daran, dass ich in den Ferien ständig irgendeine Glasbläserei besuchen muss.
«Ich bin mehr der Helfer, Schlepper und Zahlenmensch.»
Sven Steiner, Gesellschafter
Frau Steiner, haben Sie immer im Betrieb Ihres Vaters gearbeitet?
Sandra Keil Steiner: Nein, ich bin gelernte Kindergärtnerin. Bis vor einem Jahr war das auch mein Haupterwerb. Seither arbeite ich hauptsächlich im Glashüttli. Ich habe aber immer noch ein kleines Pensum im Kindergarten. Zudem bin ich Mutter von drei Kindern. Das kann auch ein Job sein. (lacht)
Und Sie, Herr Steiner?
Sven Steiner: Ich arbeite nach wie vor 80 Prozent als Buchhalter. Intern ist meine Partnerin die Künstlerin und Geschäftsführerin. Ich bin mehr der Helfer, Schlepper und Zahlenmensch. (lacht) Ich würde aber sagen, dass wir uns sehr gut ergänzen. Auf dem Papier bin ich übrigens Gesellschafter und sie Geschäftsführerin.
Selbständig sein: Was bedeutet Ihnen das?
Sandra Keil Steiner: Man muss allen «Saich» selber machen – auch das Putzen. (lacht) Nein, im Ernst: Wir haben Freiheiten dazugewonnen, seit wir selbständig sind. Wir können uns die Zeit selbst einteilen, treffen eigene Entscheidungen und können sie umgehend umsetzen. Das ist ein Gewinn an Lebensqualität. Aber Selbständigkeit bedeutet auch, dass man sich einschränken und Verantwortung tragen muss. Unser Geschäftserfolg ist enorm abhängig von der Nachfrage.
Sven Steiner: Ja, genau. Wir können Entscheidungen treffen, ohne dass dafür grosse Sitzungen nötig sind. Das macht uns agil.
Sandra Keil Steiner: Von meiner Zeit als Staatsangestellte weiss ich, dass das auch ganz anders sein kann. Damals nahmen teilweise bis zu 30 Leute an Sitzungen teil. Sie können sich vorstellen: Es dauerte ewig, bis ein Entscheid fiel und umgesetzt wurde.
Wenn wir schon bei Entscheidungen sind. Was ist die beste Entscheidung, die Sie je getroffen haben?
Sven Steiner: (blickt zu Sandra) Also ich weiss es: Der beste Entscheid war für mich, dass wir uns entschlossen, nicht nur am Weihnachtsmarkt, sondern auch an der Herbstmesse auszustellen.
Keil Steiner: Ja, damit erreichten wir wieder mehr Leute. Als mein Vater den Laden schloss, ging der Kontakt zu den Kunden stellenweise etwas verloren. Das hat sich geändert: Wir sind durch unsere Präsenz an der Herbstmesse insbesondere wieder stärker mit Menschen aus der Region in Kontakt gekommen. Unser Eindruck ist, dass an der Herbstmesse mehr Einheimische vor Ort sind, während es an Weihnachtsmärkten mehr Touristen hat. Heute können wir sagen: Die Herbstmesse hat voll eingeschlagen.
Wo mussten Sie Lehrgeld zahlen?
Sandra Keil Steiner: Ich mache nie mehr Schneemänner mit roten Knöpfen. Da ging einmal ein Produkt schief. (lacht) Nein, ernsthaft. Wir mussten lernen, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Manchmal gibt es Leute, die nicht ehrlich sind. Wir wurden vorsichtiger, was das Ausplaudern von Arbeits- und Berufs-Geheimnissen angeht. Zudem standen wir anfänglich vielleicht zu wenig für den Wert unserer Arbeit ein.
Sven Steiner: Mir fällt noch etwas ein. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich unsere Präsenz direkt vor Ort an den Ständen positiv auf den Umsatz auswirkt. Als wir Studenten-Aushilfen anstellten, war der Umsatz deutlich geringer. Deshalb sage ich heute: Je näher der Chef bei den Kunden ist, desto besser. Ich glaube, dass das bei den meisten KMU so ist. Wir verkörpern unsere Produkte.
Was schätzen Sie an Basel?
Sandra Keil Steiner: Die Zusammenarbeit mit den anderen kleinen Läden ist super. Man hilft und kennt sich gegenseitig. Das ist wahnsinnig schön. Zudem imponieren mir die Basler Traditionen. Es ist unglaublich, wie beliebt der Basler Stab bei unseren Kunden ist – ganz zu schweigen von der Basler Fasnacht. Sie ist für jeden Basler etwas ganz Besonderes. Nicht vergessen sollte man auch das Rheinschwimmen. Ich frage jedenfalls immer alle Touristen, ob sie schon im Rhein baden waren.
«Wir kleine Firmen geben uns grosse Mühe, alles richtigzumachen. Trotzdem haben wir keine Hilfe erhalten»
Sandra Keil Steiner
Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten, dann…
Sven Steiner: Wir haben während der Pandemie keine Unterstützung erhalten. Vielen Kolleginnen und Kollegen ging es ähnlich. Anspruch auf Unterstützung hatte nur, wer ein bestimmtes Umsatzlevel erreichte. Alle anderen wurde nicht geholfen. Aus meiner Sicht war das ein Fehler der Politik.
Sandra Keil Steiner: Ja, wir kleine Firmen geben uns grosse Mühe, alles richtigzumachen. Trotzdem haben wir keine Hilfe erhalten. Es hat uns aber auch stärker gemacht. Wir mussten keine Kredite aufnehmen und blieben ohne Schulden. Sonst bin ich aber politisch neutral.
Wie sind Sie durch die Krise gekommen?
Sandra Keil Steiner: Wir mussten den Betrieb fast gänzlich einstellen. Die Solidarität war aber gross: Freunde und Bekannte unterstützten uns, wo sie konnten. Das ist schön. Trotzdem hätte es nicht so sein müssen, eigentlich. Zum Glück dürfte es nicht so schnell wieder eine Pandemie geben.
Wie besteht Ihr im Konkurrenzkampf mit anderen Glasereien?
Sandra Keil Steiner: Glas ist nicht gleich Glas. Gläser unterscheiden sich beispielsweise in Sachen Beschaffenheit und Schmelzpunkt. Viele Glasereien haben sich stark spezialisiert. Das führt dazu, dass wir uns vielmehr ergänzen.
Was macht gutes Unternehmertum aus?
Sven Steiner: Aus Wenig viel machen, zuverlässig, ehrlich und pünktlich sein.
Persönlich und aufmerksam den Kunden zuhören und nie den Humor verlieren.
Ihr letztes Wort
Sven Steiner: Die Märkte waren in den letzten zwei Jahren sehr gut. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Sandra Keil Steiner: Aber wir sind jetzt im verflixten siebten Jahr (lacht) Unsere Kundinnen und Kunden können dafür sorgen, dass es uns auch noch in zwanzig Jahren gibt.
Sven Steiner: Ich bin zuversichtlich, dass es uns in zwanzig Jahren noch gibt!
Kunstglasbläserei
Firmengründung: 2016
Anzahl Angestellte: Zwei Personen
Adresse
Brünnlirain 4, 4125 Riehen
Kontakt
Tel: 061 641 64 82
E-Mail
Website
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