«Ich habe mir das hart erarbeitet»
Romy Callegher (38) führt die Kleinbasler Schreinerei «Robert Schweizer AG», die einst ihr Grossvater gründete.
Beschreiben Sie Ihr Unternehmen in wenigen Sätzen.
Wir sind eine Kleinbasler Schreinerei, die seit jeher ein reiner Familienbetrieb ist. Was unser Gewerbe betrifft, machen wir alle üblichen Schreinerarbeiten. Je nach Nachfrage variieren die Haupttätigkeits-Felder. Unsere Stärken sind vor allem im Bereich Türen, Fenster und Kundenservice. Auch denkmalgeschützte Bauten sind für uns kein Problem. Vor 20 Jahren kam der Einbruchschutz dazu. In diesem Bereich rüsten wir Türen und Fenster nach und machen sie einbruchssicher. Um ein Haus sicher zu machen, muss nicht immer alles ausgetauscht werden. Man kann auch bestehende Elemente nachrüsten.
Wie ist das Unternehmen entstanden?
Die Firma wurde 1954 von meinem Grossvater gegründet. Wir sind seither nicht umgezogen und inzwischen ist die dritte Generation am Steuer. Weil mein Grossvater krank wurde, übernahm mein Vater das Geschäft bereits in jungen Jahren. Ich selbst bin vor sieben Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen. Zuvor habe ich eine kaufmännische Ausbildung in der Hotellerie gemacht und mehrere Jahre in der Personalleitung gearbeitet. Bis vor rund einem Jahr war auch mein Vater noch voll dabei, inzwischen hat er die Geschäftsleitung aber an mich abgegeben und ist nicht mehr im Tagesgeschäft tätig. Er unterstützt uns aber immer noch, wenn wir seine Hilfe benötigen.
Selbstständig sein: Was bedeutet Ihnen das?
Einerseits das, was immer alle sagen: Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit. Das ist sicher ein positiver Punkt. Selbstständig zu sein, bedeutet aber auch, dass niemand bereitsteht, der einen auffängt. Man muss dafür sorgen, dass die Leute beschäftigt sind und am Ende des Monats der Lohn bezahlt wird. Als Unternehmerin trage ich die Verantwortung für mich und meine Mitarbeitenden. Das ist nicht immer leicht und kann einen bisweilen auch beschäftigen. Solche Dinge gehen oft vergessen, wenn die Leute hören, dass man selbstständig ist. Ich kenne es aber nicht anders. Das Geschäft gehörte immer zur Familie. Ich bin damit aufgewachsen.
Was ist die beste Entscheidung, die Sie je getroffen haben?
Dass ich meinen eigenen Weg gegangen bin. Ich kann von mir behaupten, dass ich nichts geschenkt bekommen habe. Dafür musste ich auch hart arbeiten. Es war überhaupt nicht so, dass ich mich einfach ins gemachte Bett setzen konnte. Deshalb bin ich stolz darauf, dass ich nun in dieser Position bin.
Bei welchen Dingen mussten Sie Lehrgeld zahlen?
(Überlegt) Lehrgeld gehört wohl zum Leben dazu – Gröberes ist allerdings bisher nicht schiefgelaufen. Man trifft im Leben immer wieder Entscheidungen, die man heute nicht mehr so machen würde. Wichtig ist es, auch in Fehlern etwas Positives zu sehen und das Beste daraus zu machen.
Was schätzen Sie an Basel?
Basel ist meine Heimat. Mir gefällt die Grösse von Basel. Es ist «heimelig». Man kennt sich untereinander und sieht auch an Veranstaltungen immer wieder dieselben Leute. Das gibt einem auch eine gewisse Sicherheit. Auch wenn es einige Dinge gibt, die für uns Unternehmer in dieser Stadt besser sein könnten, kann ich mir nicht vorstellen, mit der Firma in eine andere Stadt zu ziehen.
Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten?
Der Platz ist einfach ein Problem. Immer mehr Unternehmen verlassen Basel und gehen aufs Land, weil ihnen in der Stadt der Platz fehlt und sie hier schlechtere Rahmenbedingungen als andernorts vorfinden. Wir sind hier in einem Wohnquartier auf engstem Raum. Wenn man eine Maschine kauft, müssen wir uns überlegen, ob wir sie überhaupt durch den Hauseingang bekommen. Und mir fällt noch ein weiteres Beispiel ein.
Bitte sehr.
Auch die Parkplatz-Problematik ist bei uns ein Thema. Wir haben zwar den Vorteil, unsere Fahrzeuge in einer Garage parkieren zu können. Dennoch wird es am Morgen eng, wenn alle Arbeiter kommen und ihre Firmen-Fahrzeuge mitbringen. Und auch wenn unsere Mitarbeiter zu Kunden gehen, müssen sie ihr Geschäftsauto parkieren. Bei Aufträgen in der Innenstadt muss stets im Vorfeld eine Bewilligung eingeholt werden. Mir ist schon bewusst, dass das nicht nur in Basel, sondern auch in anderen Städten ein Problem ist. In solchen Gebieten ist der Platz wahrscheinlich einfach knapp.
Ich wäre manchmal froh, wenn man in Basel mehr für uns Unternehmer denken könnte.
Romy Callegher
Was schliessen Sie daraus?
Ich wäre manchmal froh, wenn man in Basel mehr für uns Unternehmer denken könnte. Das wäre möglich. Ich möchte aber betonen, dass wir eine super Nachbarschaft haben. Es kommt niemand und reklamiert: «Was ist das für ein Lärm.» Dafür bin ich sehr dankbar.
Was zeichnet gutes Unternehmertum aus?
(Überlegt) Unternehmertum bedeutet für mich Verantwortungs-Bewusstsein für die Umgebung und die Mitmenschen – und zielorientiertes Arbeiten. Ganz wichtig ist aber auch, dass man sein Geschäft mit Leidenschaft führt und nicht nur arbeitet, weil man damit Geld verdient.
Ihr letztes Wort?
Wir sind ein tolles Team mit superguten Menschen. Viele Mitarbeiter arbeiten schon seit 30 Jahren und länger hier. Man kann sich auf die Leute verlassen. Das ist schön. Mir half und hilft es enorm, dass meine Mitarbeitenden mir den Rücken freihalten und alle in dieselbe Richtung laufen. Ich freue mich auf weitere Abenteuer in der Selbständigkeit!
Schreinerei in der Stadt
Firmengründung: 1954
Anzahl Angestellte: 16
Adresse
Oetlingerstrasse 177, 4057 Basel
Kontakt
Tel: 061 686 91 91
Website
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