02.09.2023 Unser Gwärb 5 minMinuten Lesedauer

«Ich wollte schon als Kind Apo­thekerin werden»

Gross­rätin Lydia Isler-Christ (LDP) im «Unser Gwärb» über ihre 125 Jahre alte Apo­theke, Homöo­pathie und Büro­kratie.

Über diese Rubrik

In «Unser Gwärb» stellen wir in regelmässigem Abstand Menschen aus der Region vor, die den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben oder unternehmerisch tätig sind.

Lydia Isler-Christ im Innern der Sevogel-Apotheke. Bild: zVg

Beschreiben Sie Ihr Unter­nehmen in wenigen Sätzen.

Lydia Isler-Christ: Ich denke, das ist ziemlich unkompliziert (lacht). Ich bin mit meiner eigenen Apotheke selbständig.

Was hebt die Sevogel-Apotheke von anderen ab?

Es ist klar: Viele Medikamente bekommt man selbstverständlich in jeder Apotheke. Speziell macht uns jedoch, dass wir sehr viel mit pflanzlichen, homöopathischen und Natur-Heilmitteln arbeiten. Ebenso stellen wir – mit viel Freude – täglich Medikamente selbst her. Wir fertigen beispielsweise auch eine Salbe für Tiere. Zudem bieten wir täglich einen Haus-Lieferdienst an. Unsere Apotheke hat viele Stamm-Kundinnen und -Kunden, die auch von weit herkommen und das Ambiente schätzen. Das freut uns natürlich.

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Wie ist die Apotheke entstanden?

Die Sevogel Apotheke befindet sich nun schon die zweite Generation in der Hand unserer Familie. Davor wurde sie von der Familie Markees geführt – zuerst vom Vater, dann vom Sohn – der das Geschäft schliesslich an meine Mutter verkaufte. Vor einigen Jahren durfte ich es dann von ihr übernehmen. Auch sonst sind wir in vielerlei Hinsicht ein typisches Familien-Unternehmen. Sie haben wahrscheinlich bemerkt, dass die Apotheke sehr alt ist. Ich habe eine kleine Geschichte dazu.

Bitte sehr.

Es war und ist ein ganz bewusster Entscheid, das altehrwürdige Erscheinungsbild möglichst beizubehalten. Das war auch meiner Mutter wichtig: Bei meiner Übernahme stellte sie die Bedingung, die Tradition des Geschäfts zu bewahren. Das ist ein Stück weit einzigartig und ein weiterer Punkt, der uns von anderen Apotheken abhebt. Ich bin dankbar, dieses Geschäft führen zu dürfen.

«Selbständigkeit bietet Chancen. Sie bedeutet die Freiheit, Entschei­dungen unab­hängig zu treffen. Anderer­seits bedeutet sie auch, grosse Verant­wortung für das Team zu tragen.»

Lydia Isler-Christ

Wie lange gibt es in dem Gebäude schon eine Apo­theke?

Eigentlich schon immer (überlegt): Genau gesagt seit dem Jahr 1897. Selbstverständlich sind wir im Bereich Pharmazie aber mit der Zeit mitgegangen. Wir bieten moderne Pharmazie in «altem Gewand».

Stichwort «Selbständigkeit»: Was bedeutet sie Ihnen?

Selbständigkeit bietet Chancen. Sie bedeutet die Freiheit, Entscheidungen unabhängig zu treffen. Das Erscheinungs-Bild ist ein gutes Beispiel dafür: Weil ich Eigentümerin der Apotheke bin, kann ich dieses entsprechend gestalten. Andererseits ist Selbstständigkeit auch eine Herausforderung: Eine Unternehmerin trägt zum Beispiel grosse Verantwortung für ihr Team. Diesbezüglich hat mir sicher geholfen, dass ich in der Apotheke aufgewachsen bin und so gesehen habe, was dies bedeutet.

Lydia-Isler Christ mit ihren Mitarbeiterinnen. Bild: zVg

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie das Geschäft Ihrer Mutter dereinst über­nehmen?

Für mich war eigentlich schon als Kind klar, dass ich später einmal Apothekerin werden will. Schon als ich noch Schülerin war, habe ich in den Ferien und am Wochenende in der Apotheke mitgeholfen.

Was ist die beste Entscheidung, die Sie je getroffen haben?

Nach dem Schul-Abschluss zu sagen: Ich studiere jetzt Pharmazie. Damit habe ich die Grundlage dafür gelegt, was ich heute machen darf.

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Bei welchen Dingen mussten Sie Lehr­geld zahlen?

Anfänglich kam mehr auf mich zu, als ich erwartete. Insbesondere bei allem, was mit Bürokratie zu tun hat. Das erlebt man als Angestellte weniger. Die administrativen Tätigkeiten und Hürden der Selbständigkeit sollte man nicht unterschätzen. Das war herausfordernd.

Was schätzen Sie in Basel?

Ich habe bis dato eigentlich mein ganzes Leben in Basel verbracht. Ich bin nie für eine längere Zeit weggezogen. Zur Frage: Was ich besonders toll finde? Es ist eigentlich die Mischung aus allem.

«Ich mag, dass Basel relativ grün ist und man schnell in der Natur ist.»

Lydia Isler-Christ

Was macht diese Mischung aus?

Für eine Stadt ist Basel sehr übersichtlich. Wer nach etwas sucht, wird schnell fündig. An Basel finde ich zudem angenehm, dass es eine Stadt, aber keine riesige Metropole ist. Zudem mag ich, dass Basel relativ grün ist und man schnell in der Natur ist.

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik freihätten, dann…

Was jetzt kommt, sagt wohl jede Unternehmerin (lacht): Ich wünsche mir weniger Bürokratie. Inzwischen gibt es für alles Formulare und Vorschriften. Meine Kernaufgabe ist, im Geschäft für meine Kundinnen und Kunden da zu sein. Das mache ich auch am liebsten. Wichtig jedoch sind auch die Rahmen-Bedingungen, insbesondere für kleine Unternehmen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Immer zum Jahresbeginn muss ich etwa meinen Personalbestand melden. Das Gesundheits-Personal muss registriert sein. Ich habe stattdessen vorgeschlagen, nur zu melden, was sich in Sachen Personal seit der letzten Meldung verändert hat. Das wäre bereits eine grosse Entlastung. Formulare bedeuten nicht nur für den Betrieb Mehraufwand, sondern auch für die Behörden. Ich wünschte mir, dass man sich bei jedem Formular überlegt: «Braucht es das jetzt wirklich?» Aber auch Bauprojekte sind ein Riesenproblem.

Inwiefern?

Wer ein Baugesuch stellt, muss Unmengen an Papier einreichen, wobei jede Seite unterschrieben werden muss. Die Folge ist ein grosser Ressourcen-Verschleiss. Bei Baustellen ist zudem wichtig, dass man sie in nützlicher Frist durchzieht und gut plant. Wir mussten leider bereits erfahren, was es heisst, wenn das nicht der Fall ist.

«Wir haben im Moment eine Baustelle vor der Tür. Bei der Planung ging offenbar vergessen, dass hier eine Apotheke steht.»

Lydia Isler-Christ

Was heisst es?

Wir haben im Moment eine Baustelle vor der Tür. Bei der Planung ging offenbar vergessen, dass hier eine Apotheke steht. Der Zugang zu uns ist nun stark eingeschränkt und erinnert zum Teil an einen Hürdenlauf. Da hätte man bestimmt eine andere Lösung finden können. Solche Probleme zeigen sich auch anderenorts: In der Clarastrasse war beispielsweise geplant, eine Tram-Haltestelle direkt vor ein Restaurant zu versetzen (Prime News berichtete). Eine Aussen-Gastronomie wäre nicht mehr möglich gewesen. Dies konnte nach zähen Verhandlungen abgewendet werden. Ferner ist Basel-Stadt auch bei der Digitalisierung im Rückstand. Wenn immer möglich, dann sollte doch bitte eine digitale Lösung her. Dies könnte gerade auch im Gesundheits-Sektor viele Ressourcen freisetzen.

Neben der Sevogel Apotheke (im Hintergrund) wird gebaut. Bild: Nils Hinden

Was zeichnet gutes Unternehmer­tum aus?

Für mich ist das Wichtigste, dass wir im Team ein gutes Verhältnis haben und einen umsichtigen Umgang miteinander pflegen. Das überträgt sich auch auf die Kunden.

Pharmazie seit 125 Jahren

Sevogel-Apotheke

Firmengründung: 1897
Anzahl Angestellte: 11 Mitarbeiter

Adresse
Seevogelstrasse 51, Basel 4053

Kontakt
Tel: 061 311 52 40
Website

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