Eigentlich wollten wir nur über Fussball reden
Mein Ding des Jahres ist das Produkt einer neu entstandenen Freundschaft. Die Geschichte eines Fussball-Podcasts.
Im November 2022 erreichte mich eine Nachricht auf Twitter (ja, damals hiess die Plattform noch so): «Du bist mir von einigen hier empfohlen worden. Mir geht es auf den Wecker, dass in Fussballpodcasts immer nur die Meinung von Männern repräsentiert wird.»
Ich dachte sofort: «Ui, das fühle ich!» Was folgte, war die Frage, ob ich Interesse daran hätte, einen Fussballpodcast von Frauen zu starten. Die Antwort: «Ja! Aber lass uns zuerst treffen, um herauszufinden, wie wir harmonieren.»
Fast ein ganzes Jahr später, am 2. September 2023, kam es dann zu diesem Treffen. Das Wetter: Heiss. Die Stimmung: Aufgeregt. Ich kam am vereinbarten Treffpunkt an, holte mir ein grosses Bier und setzte mich draussen an einen Tisch.
Mein Handy lehnte ich gegen die Wand und schaltete die Bundesliga-Konferenz ein, um die Wartezeit zu überbrücken. Stuttgart gewann an diesem Nachmittag mit 5:0 gegen Freiburg. Ich war derweil so nervös wie vor einer Prüfung – oder einem ersten Date.
It's a match
Dann stand sie plötzlich vor mir, Nora, FCZ-Fan aus Zürich – in der Hand ein grosses Bier, den Blick auf meinen Handybildschirm gerichtet. Eigentlich hat es da schon gepasst.
Was dann folgte war das klassische Abstecken des Reviers zweier Fussballfans. Wir klärten also die wichtigsten Fussballfragen: Team Materazzi oder Team Zidane? Bayern München hui oder pfui? José Mourinho-Fussball top oder flop? Kollektivstrafen ja oder nein?
Die Antworten zeigten: It's a match. Und so sassen wir da, plauderten hoch motiviert über die wunderbarste Nebensache der Welt – unseren heiss geliebten Fussball. Für das Treffen eingeplant hatten wir knapp zwei Stunden. Viel zu wenig, wie sich herausstellte. Es war aber völlig klar: Ein Wiedersehen ist Pflicht!
Podcast-Premiere im Frühling
Sie werden sich jetzt fragen: Und weshalb ist das ihr Ding des Jahres 2024? Ganz einfach: Unsere Podcast-Premiere feierten wir am 16. März 2024. Der MVP - Meister Vogler Podcast war geboren.
Zwischen dem Erstkontakt, dem Kennenlernen und der ersten Aufnahme verging viel Zeit – doch dann war es vollbracht. Im Radiostudio von KanalK in Aarau konnten wir im Frühling unsere erste Folge aufnehmen und erhielten zudem einen fixen Sendeplatz. Der erste Folgenbeschrieb lautete wie folgt:
Die MVP-Kennenlernfolge! Basel und Zürich - eigentlich keine Garantie für friedliche Stunden. Nora (FCZ-Fan) und Lea (FCB-Fan) erzählen nicht nur, wie es zum MVP kam, sondern auch, wie sie damals erstmals mit Live-Fussball in Berührung gekommen sind. Nora outet sich als Fan von Ivan Ergić und Lea gibt zu, Liverpool-Supporterin und Premier League-Fan zu sein, obwohl sie sich als Fussballromantikerin bezeichnet. Freundschaft, Rivalität und Grundsatzfragen - selbstverständlich begleitet von einem guten Bier!
MVP - Meister Vogler Podcast
Wenn sich zwei Verbündete finden
«Fussball, das ist FUSSBALL», hallt es den Hörerinnen und Hörern seither bei jeder Folge im Intro um die Ohren. Ein wunderbar passendes Zitat von FCB-Trainer Fabio Celestini. Denn wir reden einfach nur über Fussball, nicht mehr und nicht weniger.
Geboren war nicht nur unser kleines Podcast-Projekt, sondern auch eine Freundschaft. Denn für Nora und mich ist es nicht selbstverständlich, endlos lange und ohne Punkt und Komma über Fussball sinnieren zu können, ohne dass dem weiblichen Gegenüber dabei langweilig wird.
So sind wir Verbündete geworden – und haben schon bei zahlreichen Gesprächen ausserhalb des Studios gedacht: «Verdammt, das hätten wir aufnehmen müssen.»
Entstanden ist eine Freundschaft, deren Fundament der Fussball ist, die aber sehr viel weiter reicht. Nora ist grossartig – sie ist clever, meinungsstark, bissig, manchmal etwas verrückt – und mein ganz persönliches Fussballlexikon.
Sie ist eine dieser Freundinnen, auf die man sich verlassen kann und von denen man mit Stolz spricht; und immer auch mit einer gewissen Bewunderung.
Das Telefon um vier Uhr nachts
Zudem gibt es kaum etwas Besseres, als so richtig ausgiebig und ohne Scham mit ihr zu lachen. Und das tun wir oft. Ob live im Studio oder auf dem Weihnachtsmarkt bei einem Glühwein.
Eine berühmte Schauspielerin sagte einst, dass man einen guten Freund um vier Uhr nachts anrufen können müsse. Nora könnte ich um vier Uhr morgens anrufen. An einem Samstagabend oder Sonntagnachmittag könnte es hingegen schwierig werden, weil sie dann meistens Spiele «ihres» FCZ komentiert, also ihrer Leidenschaft nachgeht.
Und wenn ich sie um vier Uhr morgens anrufen würde, würde ich mich ganz sicher von Herzen bei ihr für all das bedanken, was sie Positives in mein Leben gebracht hat. Und: Ich würde ihr einen Seitenhieb mit auf den Weg geben. Denn, ganz ehrlich: Wer ist schon FCZ-Fan?
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