12.02.2025 Basel 5 minMinuten Lesedauer

«Es braucht im Pferdesport schärfere Regeln»

Thomas Straumann hat für die Weltcup­finals den Tier­schutz an Bord ge­holt. Das Tier­wohl liegt ihm am Herzen.

Thomas Straumann ist Vorsitzender der Weltcupfinals im Pferdesport in Basel. Foto: Martin Regenass

Zwischen dem 2. und 6. April gehen in der Basler St. Jakobshalle die FEI World Cup Finals 2025 im Dressur-, im Springreiten und im Voltigieren über die Bühne (Bericht). Mitorganisator ist der Basler Unternehmer Thomas Straumann, Verwaltungsrat der gleichnamigen Medizinaltechnikfirma. Straumann ist Vorsitzender der Longines CHI Classics Basel und passionierter Pferdehalter. Im Gespräch mit Prime News erklärt Straumann die Bedeutung der Weltcupfinals für Basel, Kollisionen mit dem ESC und die Wichtigkeit des Tierschutzes.    

Welche Bedeutung messen Sie den Weltcupfinals im Springreiten, der Dressur und im Voltigieren vom kommenden in April Basel zu?

Thomas Straumann: Für Basel ist das ein sehr bedeutender Anlass, weil wir in der Schweiz bei Titelkämpfen noch nie drei Disziplinen im Pferdesport am selben Ort durchgeführt haben. Da es sich bei unserer Region um ein grosses Einzugsgebiet für den Pferdesport handelt, erwarten wir während der Weltcupfinals viele Zuschauer nicht nur aus dem Ausland, sondern auch aus der Region.

Die Weltcupfinals finden anfangs April kurz vor dem ESC im Mai statt, sind allerdings schon länger in Planung als der Musikevent. Ist es da zu organisatorischen Komplikationen zwischen den beiden Veranstaltungen gekommen?

Ich würde nicht sagen Komplikationen. Allerdings waren wir schon gefordert wegen des Aufbaus für den ESC. Die müssen da einiges bewerkstelligen, nachdem wir unsere Veranstaltung beendet haben. So stand schon zur Diskussion, ob wir den Weltcupfinal verschieben könnten. Das kam allerdings nicht in Frage, einfach, weil man ein solch bedeutendes Turnier nicht verschieben kann. Ebenso wurden wir gefragt, ob wir unseren Anlass nach Zürich verlegen könnten. Nach Zürich zu gehen ist für einen Basler wie mich aber eine eher eine schwierige Frage. Also haben wir uns zusammengesetzt und am runden Tisch eine Lösung gefunden, die alle zufriedenstellt.

Wie sieht die Lösung aus?

Wie sie sehen, bleiben wir in Basel. Wir müssen beim Abbauen aber richtig Gas geben und hinter den Kulissen, wo es nicht sichtbar ist, werden die Verantwortlichen des ESC bereits während der Worldcup Finals Aufbauarbeiten leisten. Das stört uns nicht. Wichtig ist einfach, dass in der Halle Ruhe ist und dass die Pferde nicht gestört werden. Diesbezüglich konnten wir uns mit dem Schweizer Fernsehen gut einigen, das beim ESC den Lead hat.

Roger Yves Bost auf Ballerina du Vilpion beim Springreiten an den CHI Classics Basel vom vergangenen Januar Bild: CHI Classics Basel / Katja Stuppia

Noch nie sind am demselben Ort ein Weltcupspringen wie der CHI im Januar und nun die Weltcupfinals im selben Jahr ausgetragen worden. Weshalb ist diese Premiere gerade in Basel möglich?

Wir haben ein tolles und motiviertes Team, das seit vielen Jahren den CHI in Basel organisiert. Wir haben schon vor vielen Jahren mit dem Gedanken gespielt, in der St. Jakobshalle zuzüglich zum CHI auch einen Weltcupfinal auszutragen. In der Zwischenzeit konnten wir die Leute und das Team dafür gewinnen und begeistern, diese Idee umzusetzen. Dies hätten aber auch andere Veranstalter wie Genf realisieren können. Davon bin ich überzeugt. Das Team und die Leute im Hintergrund müssen aber bereit sein, dafür zu arbeiten. Und darauf können wir zählen, auf ein Team, das loyal ist und seit vielen Jahren Turniere auf Weltklasseniveau organisiert.

Persönlich sind Sie für das Monetäre verantwortlich und geben auch eine Defizitgarantie für den Anlass. Wie sieht die finanzielle Lage aus?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir haben ein ordentliches Budget und unser Ziel ist es natürlich, eine schwarze Null zu schreiben. Dies steht und fällt auch mit der Auslastung der Halle. Aktuell sieht es für den Samstag und Sonntag mit dem Ticketverkauf hervorragend aus und wir sind überzeugt, dass auch der Mittwoch, Donnerstag und Freitag gut werden. Klar birgt die Organisation eines solchen Events immer finanzielle Risiken und man muss möglicherweise mit einem Defizit rechnen. Dafür stehe ich ein, weil mir der Pferdesport gefällt und ich motiviert dafür bin. Es ist toll, dass wir in der Region wieder Veranstaltungen mit Spitzenpferdesport aufbauen konnten. Klare Vorgabe ist aber auch für das CHI, jeweils eine schwarze Null zu schreiben.

Hannah Lais Sonnenhalde
Prime Content

Ein Studium mit viel Praxisbezug

Hannah Lais (32) arbeitet bei der Sonnenhalde in Riehen und absolviert ein Studium in BWL Gesundheits­management.

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Sie versprühen viel Leidenschaft für Pferde und den Pferdesport. Woher kommt das?

Ich bin mit Pferden in einer Pferdefamilie aufgewachsen. Schon über viele Generationen spielen Pferde in meiner Familie eine Rolle. Auch bei meinen Geschwistern, die mir das Reiten beibrachten. Zwar bin ich nie auf internationalem Niveau geritten, aber ich bin immer mit Pferden zusammen gewesen. So haben auch meine Töchter zu reiten begonnen, von ihnen hat Géraldine im Profisport Fuss gefasst. Pferde sind ein Teil meines Lebens und daraus kommt die Begeisterung für diese Wesen. Ich finde es wunderschön, mit Tieren zu arbeiten und gemeinsam mit ihnen etwas zu erreichen. Dazu gehört auch, die Leistung im richtigen Moment abrufen zu können. Das geht allerdings nur, wenn der Mensch und das Tier aufeinander eingehen, sich vertrauen und miteinander arbeiten können.

Sie engagieren sich auch für das Tierwohl und haben für die Worldcupfinals die Tierschutzorganisation «R-Haltenswert» an Bord gezogen. Auch dies ist eine Premiere an Weltcupfinals. Weshalb ist das aus Ihrer Sicht wichtig?

Das Tierwohl und der Umgang mit den Pferden sind im Pferdesport aktuell berechtigterweise ein grosses Thema. Der Pferdesport produziert leider hin und wieder unschöne Bilder, wo mit den Tieren nicht angemessen umgegangen wird. Daher liegt es in unserer Verantwortung als Veranstalter, als Pferdebesitzer oder als Reiter, im Bereich des Tierwohls gewisse Dinge zu ändern. Es braucht im Pferdesport schärfere Regeln beim Umgang mit den Pferden und diese müssen konsequenter umgesetzt werden. Das erwartet das Publikum. Passiert das nicht, dann wird der Druck von aussen so gross werden, dass irgendwann der Pferdesport nicht mehr ausgetragen werden kann. Das ist zwar eine extreme Aussage. Es kann aber schon in diese Richtung gehen.

Weshalb ist ihre Wahl auf «R-Haltenswert» gefallen?

Mit dieser Organisation können wir das Thema in die Öffentlichkeit bringen, so dass über das Tierwohl diskutiert wird. Ziel ist es, für die junge Generation an Pferdesportlerinnen und Pferdesportlern etwas zu ändern. Sie müssen sich klar darüber sein, dass wenn sie Pferdesport weiterhin ausüben wollen, sie sich um das Wohl der Tiere kümmern müssen. Uns geht es mit der Einbindung von «R-Haltenswert» darum, dem Publikum und der breiten Bevölkerung aufzuzeigen, dass wir nicht nur im Sport für das Tierwohl einstehen, sondern auch schon viel Früher, bei der Aufzucht von Pferden. Wir müssen schauen, dass wir gesunde Pferde züchten. Als Veranstalter von Weltklasseanlässen stehen wir hier auch in der Verantwortung.

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Martin Regenass

Martin Regenass

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