«Liebeserklärung an Basel» – positive Bilanz zum Flâneur
Das Stadtraum-Festival zog 84'000 Besuchende über drei Tage in die Elisabethenstrasse. Derweil wird die Finanzierung zum Politikum.

Während drei Tagen und bei prächtigem Wetter verwandelte das Stadtraum-Festival Flâneur die sonst wenig belebte Elisabethenstrasse zur Fest- und Entdeckungsmeile. Den meisten Baslerinnen und Baslern ist sie für gewöhnlich eher als Durchfahrtsort ein Begriff.
Die Organisatoren, StadtKonzeptBasel, freuen sich in einer Medienmitteilung vom Montagnachmittag über geschätzte 84'000 Besucherinnen und Besucher, welche am Donnerstag, Freitag und Samstag in Scharen durch die Strassenschlucht flanierten und das Angebot der über 140 lokalen Unternehmen, Musikerinnen, Gastronomen sowie Institutionen aus Kunst und Kultur erkundeten.
Eine «dreitägige Liebeserklärung an Basel» sei dies gewesen. «Das Flâneur-Festival verwandelte die Elisabethenstrasse zum Ort der Begegnung, des Austauschs und der Kreativität», heisst es im Communiqué. Prime News war am Donnerstagabend vor Ort und hat die ausgelassene Stimmung in einem Video-Beitrag eingefangen.
In der Tat bot sich dem Publikum zwischen De Wette Park und Bankverein ein buntes Potpourri an Angeboten – von Yoga um 21 Uhr abends, über mitreissenden Techno-Party-Sound bis zu den liebevollen Produkten lokaler Handwerkerinnen und Handwerkern.
«Weil das Publikum so durchmischt und ganz anders war als sonst auf der Elisabethenstrasse, haben ganz viele neue Leute meinen Laden entdeckt!», freut sich beispielsweise Pia Gruner über die Veranstaltung. Die Inhaberin von «Picaro» verkauft an der Elisabethenstrasse Kleidung und eine Auswahl an Spielwaren.
Finanzielle Unterstützung wird zum Politikum
Mit der diesjährigen Ausgabe des Festivals konnte StadtKonzeptBasel kritischere Stimmen von letztem Jahr besänftigen. Wegen der Durchführung in der Falknerstrasse wurde die Innenstadt damals während drei Abenden für den Tramverkehr blockiert – und diverse Linien tangiert. In diesem Jahr hielt sich dies in Grenzen. Von Umleitungen betroffen, waren vorwiegend die Linien 1 und 2.
Derweil wird die Mitfinanzierung des Flâneurs durch den sogenannten «Stadtbelebungsfonds» des Kantons nun zum Politikum. Prime News hatte vergangene Woche publik gemacht, dass die erneute Unterstützung mit 250'000 Franken dem Grundgedanken eben jenes Fonds und der dazugehörigen Verordnung widerspricht. Gemäss dieser ist pro Projekt ein Maximalbetrag von 300'000 Franken vorgesehen. Dies erhielt das Flâneur schon letztes Jahr, wird jetzt aber erneut mit einer Viertelmillion Franken alimentiert.
«Das Flâneur ist nun eben die berühmte Ausnahme von der Regel, da die Organisatoren nachhaltig mehr Belebung in die Innenstadt bringen», erklärte Präsident des Fondsrats und Stadtentwickler Lukas Ott. In der Verordnung gibt es denn auch eine Ausnahmeklausel. Zudem hiess es in der regierungsrätlichen Mitteilung, dass sich das diesjährige «Flâneur 2» massgeblich von den Vorgängern unterscheide, und daher als anderes Projekt zu werten sei.
Mit diesen Erklärungen will sich SVP-Grossrat Joël Thüring nicht zufriedengeben. Er reichte am Freitag einen Vorstoss ein, in dem er der Frage nachgeht, ob der Grundgedanke des Fonds mit der Abweichung davon noch erfüllt sei. Und will wissen: «Geht der Regierungsrat mit dem Fragenden einig, dass es sich beim Flaneur-Festival 2023 um dieselbe Veranstaltung wie im Jahr 2022 handelt?»
Ebenfalls interessiert Thüring die Besetzung des Fondsrats. Eines der mit 30'000 Franken begünstigten Projekten aus dem Stadtbelebungsfonds ist das «Spalenbergwärts». Mitorganisatorin Tanja Klein sitzt gleichzeitig im Fondsrat. Thüring will in seiner schriftlichen Anfrage deshalb wissen, ob Klein für die Begutachtung des Gesuchs in Ausstand getreten ist.
Das Flâneur bewegt also nicht nur die Baslerinnen und Basler, sondern auch die Politik. Mit Blick auf die Publikums-Zahlen und der heute Montag gezogenen Bilanz dürften die Organisatoren aber für den Moment zufrieden sein. (as)
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