4'000 Unterschriften für tramfreie Innenstadt
Das Komitee von «Go Basel Go» hat am Mittwoch die Unterschriften für seine Initiative eingereicht.
«Wir haben es geschafft», heisst es im Mail des Vereins. «Über 4’000 Unterschriften in kurzer Zeit sind ein starkes Zeichen: Die Bevölkerung wünscht sich eine Innenstadt mit mehr Lebensqualität und mehr Raum für Menschen», wird Moritz Suter, Mitglied des Initiativkomitees «Go Basel Go», zitiert.
Bei der Übergabe waren nebst Suter diverse Grossrats-Mitglieder der Parteien LDP, Mitte und SVP vertreten. Dass die Initiative die 4'000-Schwelle knacken werde, war schon Mitte April klar.
Wie Prime News berichtete, verlangt die Initiative, dass die Innenstadt, konkret der Marktplatz, vom Tramverkehr befreit und begrünt wird. Der Tramverkehr soll über andere Wege abgewickelt werden, beispielsweise über den Petersgraben. Zudem soll ein Shuttle-System in der Innenstadt für Personen bereitgestellt werden, die nicht mehr gut zu Fuss sind.
Sommerbaustelle als Chance
Das Komitee fordert in der aktuellen Medienmitteilung die Regierung und Parlament auf, die Sommer-Baustelle am Marktplatz nicht als temporäre Ausnahme zu behandeln, sondern als Chance, neue Mobilitäts- und Innenstadtkonzepte konkreter zu testen.
Zur Erinnerung: Über die Sommerferien und darüber hinaus, insgesamt sind es 10 Wochen, ist der Marktplatz wegen der laufenden Bauarbeiten für den Tramverkehr gesperrt.
Die aktuelle Situation rund um den Marktplatz verdeutliche exemplarisch, dass Basel «jetzt die Chance hat», über neue Lösungen für die Innenstadt nachzudenken. Durch den temporären Wegfall der Tramhaltestelle entstünden neue Möglichkeiten für sicherere und effizientere Verkehrsführungen. Die Initianten schlagen vor, die aktuellen Erfahrungen als Ausgangspunkt für ein modernes Shuttlebus-System in der Innenstadt zu nutzen.
«Jetzt braucht es den Mut, die Erfahrungen aus der Sommer-Baustelle am Marktplatz nicht einfach wieder rückgängig zu machen, sondern daraus konkrete Verbesserungen für die Innenstadt abzuleiten», so Michael Hug, Präsident des Initiativkomitees.
Igöv schreibt «Mogelpackung»
Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) Nordwestschweiz nahm die Unterschriften-Übergabe zum Anlass einer ausführlichen Kritik. In der Medienmitteilung heisst es, während andere Städte in Europa neue Tramlinien mit einer hohen Akzeptanz bis in die Innenstädte bauten, «vernichtet die Initiative ein bewährtes und sehr gut frequentiertes bestehendes Tramnetz».
Dies zugunsten «einer romantisierten Aufwertung des öffentlichen Raums in der Innenstadt», die sich weitgehend auch unter Beibehaltung des bestehenden Tramnetzes realisieren liesse. Unter den acht Kritikpunkten heisst es: Die Haltestelle Marktplatz sei eine der meistfrequentierten Haltestellen des ganzen Tramnetzes der Region. Ein Wegfall dieser zentralen Station sei angesichts dieser Frequenzen «eine irrwitzige Idee» und sicher nicht im Sinn der Trampassagiere.
IGöV-Präsident Thomas Noack ergänzt im Mail: «Ich erlaube mir auch noch den Hinweis, dass ja diesen Sommer mit den umfassenden Bauarbeiten ein erster Feldversuch ‹Innenstadt ohne Tram› stattfinden wird. Schon jetzt bangt das Gewerbe um die Erreichbarkeit.» (cb)
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