06.05.2026 Kommentar 6 minMinuten Lesedauer

Das peinliche BlaBla des Basler Stadt­entwicklers

Floskeln statt konkrete Aussagen: Der Auftritt von Lukas Ott am Gastro­podium zum Thema Innen­stadt geht nicht an.

Unverbindlich, unkonkret: Stadtentwickler Lukas Ott mit Moderatorin Susanne Hueber (l.) und Gastronomin Carmela Petitjean-Guglielmino. Bild: Christian Keller

«Wäre meine Stimme nicht so angeschlagen, hätte ich gebuht»: So lautete der empörte Kommentar einer bekannten Basler Hoteliergrösse nach dem Gastropodium vom Dienstagabend im Küchlin. Die Kritik galt dem Basler Stadtentwickler Lukas Ott.

Tatsächlich machte der Chefbeamte aus dem Präsidialdepartement in der Diskussionsrunde mit den beiden Gastronomen Jürg Wartmann (Brasserie Küchlin) und Carmela Petitjean-Guglielmino (Café Da Graziella) keine gute Figur. Und das, obwohl es um ein Kernthema der Kantons- und Stadtentwicklung ging: den Wandel der Innenstadt und ihre Zukunftsperspektiven. 

Doch Ott blieb bei sämtlichen Fragen, die Moderatorin Susanne Hueber stellte, im Ungefähren und glänzte mit Floskeln. Man müsse «mehr zusammenarbeiten» und «gemeinsam Kräfte bündeln», hielt er immer dann fest, wenn Hueber drängende Punkte ansprach wie den Baustellenlärm, die illegalen Demos oder die ungenügende Koordination zwischen den Ämtern.

Das machte viele Anwesende im Saal, darunter auch prominente Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien, ziemlich hässig. Beim Apéro im Anschluss an das Gastropodium fielen die Reaktionen geharnischt aus: «Akademisches Geschwafel», «weit weg von den Leuten», «der hat keine Ahnung von unseren Sorgen», wurde Otts Auftritt gegenüber Prime News bewertet.

Wirtepräsident Maurus Ebneter drückte sich im Videointerview mit Prime News diplomatisch aus, machte aus seiner Enttäuschung aber keinen Hehl: «Wir bekamen viele schöne Aussagen zu hören, aber wenig Verbindliches. Doch es braucht jetzt konkrete Massnahmen, um die Innenstadt aufzuwerten. Ich habe mehr erwartet.»

Schönwetter-Erzählungen statt Mass­nahmen

Ott hätte sich ein Beispiel an Finanzdirektorin Tanja Soland nehmen können, die am Gastropodium eine Grussbotschaft überbrachte und dabei im Namen der Regierung die Wertschätzung gegenüber der Branche ausdrückte. «5,2 Prozent aller Beschäftigten in Basel sind in der Gastronomie tätig. Ich danke Ihnen herzlich für Ihr geschätztes Engagement als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.»

Solands Rede war nun auch keine Meisterleistung, aber das Publikum nahm es ihr ab, sich den Anliegen der Verbandsmitglieder bewusst zu sein.

Ganz anders bei Ott. Als Da Graziella-Betreiberin Carmella Petitjean-Guglielmino von ihrem Leid klagte, dass ein Antrag für eine einstündige Betriebsverlängerung seit Monaten im Behördendickicht hängenbleibe, kam vom Stadtentwickler: nichts.

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Welche Massnahmen plant der Kanton, um das Gewerbe zu entlasten? Kann nicht eine Anlaufstelle geschaffen werden, damit einfache Gesuche rasch und effizient bearbeitet werden? Wie könnte die Besucherführung vom Bahnhof SBB in die Steinenvorstadt verbessert werden – ist zum Beispiel eine Beflaggung vorstellbar?

Wer sich von Ott behaftbare Aussagen oder Ankündigungen erhoffte, starb den Tod der Verzweiflung. Das Menü, das er den Wirtinnen und Wirten servierte, war stattdessen eine grosse Portion warme Luft.

Eine kurze Auslese ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • «Ich bin überzeugt, die identitätsbildende Kraft der Innenstadt ist der grösste Konsens, mit dem sich alle identifizieren können.»
  • «Es ist wichtig, dass man sich um Spannungsfelder kümmert und sie offensiv angeht.»
  • «Wir müssen Fokusräume definieren.»
  • «Der Kanton muss Handlungsstränge maximal bündeln, Ideen abholen und die Achsen festlegen, die wichtig sind. Das müssen wir gemeinsam machen, dafür stehe ich ein.»

Kritik an den Behörden wies Ott hingegen kategorisch zurück. Das sei nicht seine Aufgabe. «Ich bin sicher nicht derjenige, der auf Amtsstellen zeigt und ihnen Fehlverhalten vorwirft.»

Quasi zum Dessert gab's dann noch ein paar Worthülsen zu den geforderten Investitionen in die Kongress-Infrastruktur der Messe. Im Prime News-Podcast «Wirtschaft on Air» hatte die international tätige Eventunternehmerin Julia Bicher auf das hohe Wertschöpfungspotenzial hingewiesen, das in Basel brachliege.

Eine Grossrats-Delegation war ausserdem unlängst nach München gereist, um sich über die Modernisierungen der Konkurrenz ins Bild zu setzen. Der Handlungsbedarf in Basel ist offensichtlich.

Was also unternimmt der Kanton, wollte Moderatorin Susanne Hueber von Lukas Ott wissen. «Das sind berechtigte Hinweise von aussen. Wir müssen uns fragen: Was kann man aufbauen? Was können wir tun?» 

Hueber hakte nach. «Was ist der konkrete Fahrplan?»

Ott: «Wissen Sie, mit Zeitplänen ist es immer so eine Sache».

Raunen im Saal.

Ott löste mit seinen Aussagen am Gastropodium im Küchlin Kopfschütteln aus. Bild: Christian Keller

Eine Verwaltung, die das Gewerbe nicht mehr versteht

Die Irritationen, die Ott mit seinen intellektuellen Abhandlungen auslöste, sind indes ein gutes Anschauungsbeispiel für eine grundsätzliche negative Entwicklung. Die Verwaltung entfernt sich immer weiter von den Bedürfnissen des Gewerbes und scheint nicht mehr in der Lage, mit gesundem Menschenverstand Sachverhalte zu beurteilen.

So beschrieb Jürg Wartmann am Gastropodium, wie er die Steinenvorstadt seit Monaten mit ein paar Blumentöpfen aufwerten möchte – aber bis jetzt an absurden Vorgaben scheiterte. «Als die Bewilligung eigentlich vorlag, schneite auf einmal die Auflage ins Haus, alle betroffenen Hauseigentümer müssten um Erlaubnis angefragt werden. Das ist doch verrückt, was macht denn das für einen Sinn?», erzählte Wartmann während der Podiumsdiskussion frustriert (mehr zur Frustration in der Steinenvorstadt).

Das ist die Realität, die Gewerbetreibende im Umgang mit den Ämtern tagtäglich erleben. Auch wir haben den Basler Bürokratie-Irrsinn am eigenen Leib erfahren. So nahm das Bewilligungsverfahren für das Aufstellen von einigen Zeitungskästen der «Kleinbasler Zeitung», die wir nebst Prime News herausgeben, sage und schreibe zehn Monate in Anspruch (mehr dazu hier). 

Derlei Erfahrungswerte sind der Grund, weshalb der Unmutspegel im Küchlin stieg, je länger sich Ott über «Analysen», «Konzepte» und «gemeinsames Umsetzen» ausliess. Es festigte sich der Eindruck, dass sich die Verwaltung, die inzwischen deutlich höhere Löhne zahlt als die Privatwirtschaft und überdurchschnittlich wächst, in eine eigene Welt abgekoppelt hat. In dieser Welt gibt es keinen wirtschaftlichen Druck – und es ist sehr viel Zeit vorhanden, um Gesuche ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Schliesslich will man ja nichts falsch machen.

Im Ergebnis führt das zu einer angestauten Wut bei den Betroffenen, Konsternation und Innovationsarmut. Niemand verspürt mehr grosse Lust, private Initiativen zur Verschönerung des Stadtbilds zu lancieren – zumal es nur eine Frage der Zeit ist, bis einem der Amtsknüppel zwischen die Beine fliegt.

Als Ott am Gastropodium abschliessend festhielt, man habe «die Handlungsfelder erkannt» und wolle nun «raschmöglichst umsetzen», setzte in den Rängen breites Kopfschütteln ein.

Gastropodium im Küchlin

Wirtepräsident Ebneter fordert Mass­nahmen

Am Gastro-Podium im Küchlin warnte der Basler Wirtepräsident Maurus Ebneter vor einem schleichenden Bedeutungsverlust der Basler Innenstadt – verstärkt durch Einkaufstourismus und Grenznähe.

Zwar müssten auch die Betriebe ihren Beitrag leisten, doch entscheidend seien die politischen Rahmenbedingungen.

Ebneter forderte insbesondere mehr Engagement bei Sicherheit und Sauberkeit, da das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum abnehme. «Gewaltverbrechen nehmen zu. Das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum nimmt ab. Krawall-Demos zu den Hauptgeschäftszeiten sind auch nicht gerade hilfreich», so der Wirtepräsident.

Gleichzeitig mahnte Ebneter Investitionen in die Kongressinfrastruktur an, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Es gehe darum, nicht den Anschluss zu verlieren.

Positiv würdigte Ebneter die vom Grossen Rat beschlossene Unterstützung für baustellengeplagte KMU – nun müsse die Regierung diese rasch umsetzen. (ck)

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Christian Keller

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