Kein Gesuch für FCB-Protest-Demo am Samstag eingegangen
Die Muttenzerkurve ruft seit Tagen zur Ansammlung beim Joggeli auf. Eine Bewilligung liegt bisher nicht vor. Das hat Eskalationspotenzial.

Die Muttenzerkurve gibt zünftig Gas. Seit Valentin Stockers Beurlaubung brodelt es in der FCB-Fanbasis. Die zusätzlichen Gerüchte um Club-Chef Bernhard Burgeners Pläne, Aktien an die britische Investmentfirma Centricus zu veräussern, haben das Fass zum Überlaufen gebracht.
Seither ist der Fan-Protest in der ganzen Stadt allgegenwärtig. Auf dem Barfüsserplatz liegt seit Tagen ein Mahnmal, bestehend aus einem Meer von Fanartikeln. Fahnen, Poster und riesige Plakate «schmücken» derzeit ganz Basel.
Mit dem Slogan «Zit zum Koo» wird über diverse Kanäle zum Protest-Aufmarsch am Samstag, um 20 Uhr, beim Joggeli aufgerufen. Dann spielt Rotblau zuhause gegen den FC Luzern.
In einer Guerilla-Aktion haben Clubanhänger sogar professionell produzierte Karton-Flyer in verschiedenen Trams aufgehängt. Von der BVB wurde diese Aktion nicht abgesegnet (Prime News berichtete).
Aufgeheizte Stimmung und keine Bewilligung
Die zahlreichen Bemühungen der Muttenzerkurve, Teilnehmende für die Kundgebung zu mobilisieren, lassen am Samstag eine erhebliche Ansammlung von Menschen vermuten. Schon bei der Spontandemo vom 1. März sammelten sich innert kürzester Zeit hunderte Personen und marschierten durch die Innenstadt (Prime News berichtete).
Zur aufgeheizten Stimmung kommt hinzu, dass die Organisatoren – Stand Donnerstagmorgen – noch kein Bewilligungs-Gesuch bei dem Justiz- und Sicherheitsdepartement eingereicht haben. Dies erklärt Polizeisprecher Martin Schütz auf Anfrage von Prime News.
Ob ein Antrag, sollte dieser bis zur Kundgebung noch eintreffen, gutgeheissen würde, beantwortet Schütz indes nicht. «Sollte ein Gesuch eingehen, würde es – wie alle Gesuche – geprüft», sagt er nur. Weitere Angaben zum geplanten Aufgebot macht die Medienstelle aus «polizeitaktischen Gründen» jeweils nicht.
Dass aber überhaupt ein Gesuch eingehen wird, ist zu diesem Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Die Professionalität der bisherigen Protest-Aktionen lässt nicht vermuten, dass das Einholen einer Bewilligung schlicht vergessen ging und in letzter Sekunde nachgeholt wird.
Wie geht die Polizei vor?
Die fehlende Bewilligung im Zusammenhang mit der potenziell beachtlichen Anzahl Menschen, die dem Aufruf folgen werden – das hat Eskalationspotenzial. Insbesondere an einem Samstagabend, an einem Spieltag. Um 20:30 Uhr wird im Joggeli angepfiffen.
Kommt hinzu, dass am Rheinknie in den letzten Wochen alle paar Tage demonstriert wurde. Der Umgang der Polizei mit den Kundgebungen ist Stadtgespräch. Den einen unternehmen die Einsatzkräfte zu wenig, die anderen empören sich über jegliche Eingriffe. Zuletzt sorgte eine Personenkontrolle von sechs minderjährigen Mädchen nach der Frauen-Demo am Montag für Schlagzeilen.
In der Grossrats-Sitzung vom Mittwoch kam es diesbezüglich zu einem Schlagabtausch zwischen der neuen Polizeidirektorin Stephanie Eymann (LDP) und BastA!-Grossrätin Heidi Mück. Diese hatte der Kantonspolizei Konzeptlosigkeit und Willkür vorgeworfen.
Noch mehr als sonst wird also am Samstag der Polizei auf die Finger geschaut, insbesondere beim Szenario, dass es sich tatsächlich um eine unbewilligte Aktion handeln wird.
Einzig Sturmtief Klaus und der angekündigte Regen könnten allenfalls deeskalierend wirken und den einen oder anderen FCB-Fan zum Zuhause bleiben bewegen. (as)
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